Gedenken an Todesmarsch Mitgehen und mitfühlen

Das Denkmal zum Todesmarsch weist den Weg der Dachauer KZ-Häftlinge. Ein Exemplar steht an vielen Orten

(Foto: Toni Heigl)

Am Sonntag findet ein Stationenweg von Dachau nach Karlsfeld statt, um den Opfern des Todesmarsches zu gedenken. Auch einige Flüchtlinge werden sich dem Zug anschließen.

Von Johannes Korsche, Dachau/Karlsfeld

Am Sonntag wird es 70 Jahre her sein, dass die SS das Konzentrationslager Dachau wegen der vorrückenden amerikanischen Armee teilweise räumte. Am 26. April 1945 mussten sich in etwa 9000 Häftlinge gegen Mitternacht zu Fuß auf den Weg machen. Wer mit seinen Kräften am Ende war, wurde am Wegesrand erschossen und zurückgelassen: "Wir stolperten über Menschen, die zusammengebrochen sind. Bald sehen wir auch die ersten Toten. Nur wenig Blut; ein kleiner blutiger Fleck auf der Stirn, aber im Nacken ein großes Loch", erinnert sich der Zeitzeuge Heinrich Pakullis. Mehr als 1000 Häftlinge starben.

Der Todesmarsch führte vom KZ Dachau über Karlsfeld und Allach weiter nach Starnberg und Wolfratshausen, ehe er schließlich bei Bad Tölz von den amerikanischen Truppen eingeholt und die Häftlinge befreit wurden. 22 identische Mahnmale, geschaffen von Hubertus von Pilgrim, ziehen die Strecke des Todesmarsches nach. Wohin er führen sollte, ist immer noch unbekannt.

In Gedenken daran findet am Sonntag, 26. April, genau 70 Jahre später, von 14.30 Uhr an, erstmals ein Stationenweg statt. Er beginnt in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau. An der ersten Station spricht der 95-jährige Max Mannheimer, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees. Er wurde von der SS aus dem Dachauer Außenlager Mettenheim in Richtung Süden abtransportiert. Diakon Fritz Koeniger, der im Alter von zehn Jahren unmittelbar neben dem Konzentrationslager wohnte und so Augenzeuge der Verbrechen zur Endphase des Krieges wurde, hält anschließend einen Vortrag. Für die Veranstalter sprechen Pfarrer Björn Mensing und Pastoralreferent Ludwig Schmidinger. Sie sind Beauftragte der evangelischen und katholischen Kirche für Gedenkstättenarbeit.

Herzog Franz von Bayern, als sogenannter Sippenhäftling mit elf Jahren im Zug aus dem KZ Dachau abtransportiert, Christine Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie der 89-jährige Holocaust-Überlebende Karl Rom aus Litauen, der vom Außenlagerkomplex Kaufering-Landsberg den Todesmarsch in Richtung Dachau und Allach antreten musste, nehmen als Ehrengäste an der ersten Station teil. Schülerinnen und Schüler des Ignaz-Taschner-Gymnasium begleiten den Beginn des Stationenwegs musikalisch und lesen aus Zeitzeugenberichten. Der Gedenkweg soll gegen 15.15 Uhr beginnen. Er führt durch Dachau nach Karlsfeld. Von politischer Seite nehmen teil: die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (Bündnis 90/Die Grünen), der bayerische Kultusstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU) die Landtagsabgeordneten Margarete Bause (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Güll (SPD) aus Hilgertshausen und Bernhard Seidenath (CSU) aus Haimhausen. Auch Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) und der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sowie Landrat Stefan Löwl (CSU) und Mustafa Denel, Vorstand der Türkisch-Islamischen Gemeinde, schließen sich dem Gedenkweg an.

Bei der Station am Parkplatz der Theodor-Heuss-Straße auf Höhe des Asylbewerberheims wird der 23-jährigen Yazdan Ayo, ein Flüchtling aus Syrien, der in einer der Baracken wohnt, von Flucht und seinem Leben in Dachau erzählen. Er wird von der Autorin und BR-Regisseurin Jutta Neupert vorgestellt, die ebenfalls in Dachau wohnt. Der Arbeitskreis Asyl und der Runde Tisch gegen Rassismus Dachau wollen auf diese Weise ein Zeichen für eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge und gegen aktuelle Menschenrechtsverletzungen setzen. Diese Station wird von im Landkreis lebenden Flüchtlingen aus dem Senegal mit afrikanischer Musik begleitet.

Der Stationenweg führt weiter zum Mahnmal in Gedenken an den Todesmarsch an der Allacher Straße in Karlsfeld. Der erster Bürgermeister der Gemeinde Karlsfeld Stefan Kolbe (CSU) wird gegen 18 Uhr an diesem Ort Blumen niederlegen. Irmgard Schmidt, die mit 16 Jahren frühmorgens in München-Pasing den Häftlingen des Todesmarsches begegnete, erzählt in der benachbarten Korneliuskirche von dieser Erfahrung. Musikalisch begleitet der Chor Kornelius Voices diese Station. Die Veranstaltung, die von einem Fernsehteam des ZDF begleitet wird, endet gegen 18.30 Uhr.

Warum die Dachauer Häftlinge noch zu einem Marsch ins Oberland gezwungen wurden, hält der Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche, Björn Mensing, für irrational: "Eine Sinnhaftigkeit lässt sich nicht finden." Denn wohin hätte die SS mit den Häftlingen noch fliehen können? Das Ziel anderer Todesmärsche seien Konzentrationslager in Gebieten gewesen, die noch nicht von der Alliierten Armee befreit worden waren, sagt Mensing weiter. Es habe Spekulationen gegeben, wonach sich Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, einen Faustpfand bei den zu erwartenden Verhandlungen mit den Alliierten habe sichern wollen.

Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen können an dem Gedenkweg am Sonntag, 26. April, 14.30 Uhr teilnehmen. Es wird ein Fahrtdienst zu den Stationen angeboten.