Dachauer Tafel Kein Zutritt für Asylbewerber

Bernhard Seidenath vertritt seine Meinung auch im Landtag. Er habe sich intensiv mit dem Thema befasst.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Tafel gibt keine Lebensmittel an Flüchtlinge aus. Diese sollten lernen, mit ihrem Geld umzugehen, sagt Vorsitzender Bernhard Seidenath. Kritiker werfen ihm rassistische Tendenzen vor.

Von Anna-Sophia Lang, Dachau

Während sich überall im Land Helferkreise für Flüchtlinge bilden, möchte die Dachauer Tafel Asylbewerbern nicht helfen. Oder zumindest nur erzieherisch. An der Dachauer Tafel erhalten Asylbewerber keine Lebensmittel. Sie sollten lernen mit ihrem Geld umzugehen, begründet Bernhard Seidenath diese Entscheidung. Er ist als Kreisvorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes für die Tafel zuständig. Als Abgeordneter der CSU vertritt er diese Meinung auch im Landtag. Dass ihm dort von der sozialpolitischen Sprecherin der Grünen, Christine Kamm, ein "rassistischer Zungenschlag" vorgeworfen wurde, stört ihn offenbar nicht. "Es geht mir um die Vorbereitung der Asylbewerber auf ein Leben auf eigenen Füßen", sagt er. "Wer hier in Deutschland aufgewachsen ist, weiß, wie er sich sein Geld einteilen muss. Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen und sich in unserem Land nicht auskennen, wissen das nicht."

Die Leiterin der Dachauer Tafel, Edda Drittenpreis, erklärt: "Das, was wir haben, essen die Asylbewerber ja alles nicht, die wollen Couscous und Kichererbsen." Außerdem habe sie bei der Tafel schlechte Erfahrungen mit "Migranten und Moslems" gemacht. Diese würden kaum Lebensmittel akzeptieren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Es sei schon häufiger vorgekommen, dass sie Lebensmittel nach der Ausgabe in den Müll oder auf die Straße geworfen hätten. Selbst beobachtet hat Drittenpreis das allerdings nicht, ihr wurde davon berichtet, wie sie sagt. Auch mit Asylbewerbern hat sie noch keine Erfahrungen gemacht. Sollten Flüchtlinge hungrig vor der Tür stehen, werde sie diese nicht abweisen. Werbung machen und Asylbewerber über die Tafel informieren wolle sie nicht.

Dachauer Sonderweg

Mit diesem Vorgehen steht die Dachauer Tafel im Münchner Raum ziemlich alleine da. Die meisten von ihnen öffnen ihre Türen auch für Asylbewerber. Und das, obwohl sich die Zahl der Berechtigten teils verdoppelt hat. In Fürstenfeldbruck können die Asylhelferkreise einmal in der Woche Kisten für die Gemeinschaftsunterkünfte abholen. In Freising kommen die Asylbewerber direkt zur Tafel, ebenso in Geretsried-Wolfratshausen, Erding, Grafing und Ebersberg. "Es stimmt nicht, dass die Einheimischen wegen der Asylbewerber weniger bekommen", sagt Peter Bach, Vorsitzender der Freisinger Tafel, "und es ist auch falsch, dass wir überschwemmt werden." Auch der Leiter der Tafel in Bad Tölz, Wolfgang Emmerich, sieht trotz starken Zulaufs durch Flüchtlinge kein Ungleichgewicht zwischen den Berechtigten. "Wir kennen nur Bedürftige. Was sie sind und woher sie sind, ist nebensächlich."

Die Tafeln haben unterschiedliche Träger, sind entweder als Verein organisiert oder gehören zu Wohlfahrtsverbänden. Jede Tafel kann selbst entscheiden, wem sie einen Berechtigungsschein ausstellt, wen sie also als "bedürftig" einstuft. Für die Tafeln ist das ein Instrument, um mit den Spenden zu haushalten. Auch andere Tafeln haben entschieden, keine Lebensmittel an Asylbewerber abzugeben, etwa jene in Hallbergmoos und Moosburg im Landkreis Freising oder in Lenggries im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Als Grund geben sie jedoch an, zu wenige Lebensmittelspenden zu erhalten. Viele Tafeln haben damit zu kämpfen, dass immer weniger Spenden abgegeben werden.

"Willkürliche Diskriminierung"

Bei der Dachauer Tafel ist das laut Drittenpreis nicht der Fall, Lebensmittel gibt es genug. Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat sieht im Verhalten der Dachauer Tafel eine "willkürliche Diskriminierung" und diese sei "in der Tendenz rassistisch." Dass Asylbewerber Geldleistungen bekommen, sei auf keinen Fall ein Grund, sie von der Tafel auszuschließen, "ganz abgesehen davon, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen würden." Asylbewerber seien mindestens im gleichen Maße ausgegrenzt wie andere Gruppen, etwa Sozialhilfeempfänger, und bräuchten deshalb dieselbe Unterstützung.

Edda Drittenpreis sieht das anders. Asylbewerber hätten nicht jahrelang in Deutschland gearbeitet und Beiträge gezahlt, deshalb müssten sie auch nicht genauso unterstützt werden. Asylbewerber in dezentralen Unterkünften erhalten monatlich 326 Euro. Davon müssen sie Lebensmittel, Kleidung, Telefonkosten und Hygieneartikel bezahlen. Ihre Kosten für Unterbringung, Heizung, Wasser, Strom und Arztkosten trägt der Staat. Flüchtlinge in Sammelunterkünften werden dort versorgt und bekommen nur ein Taschengeld. Sozialhilfeempfänger erhalten monatlich 399 Euro. Auch Bernhard Seidenath ist überzeugt von seiner Meinung. Während seiner fünfjährigen Tätigkeit im Landtagsausschuss für Soziales, Familie und Arbeit habe er sich "sehr intensiv" mit dem Thema beschäftigt. "Vielleicht sind die anderen nicht so nah dran wie ich."