Dachau "Wir leben in Angst"

Asylsuchende machen auf ihrem Protestmarsch auch in Dachau Halt.

Von Helmut Zeller

Der Protestmarsch der Asylsuchenden führt bei Schwabhausen an Seehofer-Wahlplakaten vorbei.

(Foto: joergensen.com)

Auf ihrem Protestmarsch von Würzburg nach München sind Asylsuchende am Sonntag auch durch den Landkreis Dachau gezogen - unbehelligt von der Polizei. Die zweite Gruppe, die in Bayreuth gestartet war, wurde dagegen in Freising von Polizeikräften eingekesselt. Dabei sollen USK-Beamte einer Pressemitteilung der Organisation "Refugee Struggle for Freedom" zufolge Flüchtlinge geschlagen und getreten haben. Vier Asylbewerber mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Entsprechend ängstlich waren die etwa 40 Teilnehmer auf der Dachauer Route, da sie von dem Polizeieinsatz in Freising über Handy informiert waren. "Warum schlagen sie uns?", fragte ein 33-jähriger Flüchtling aus dem Iran. "Wir demonstrieren doch nur friedlich für unser Recht auf ein menschenwürdiges Leben."

Am Samstagabend kam der Protestzug in Odelzhausen an. Die Teilnehmer, Asylsuchende aus dem Iran, Irak, Äthiopien, Algerien und Afghanistan, übernachteten in zwei Zelten auf dem Sportplatz. Um 10.30 Uhr brachen die Demonstranten und ihre Unterstützer auf und marschierten entlang der Staatsstraße über Schwabhausen nach Dachau. Einige berichteten der SZ, dass viele Bürger, vor allem in Augsburg, ihre Forderungen unterstützten. Die Flüchtlinge protestieren vor allem gegen die sogenannte Residenzpflicht, derzufolge sie sich nicht frei bewegen dürfen. Die Residenzpflicht ist einmalig in der Europäischen Union und existiert nur in Deutschland. In allen Bundesländern ist sie bis auf Bayern und Sachsen immerhin auf das ganze Land ausgedehnt. "Aber wir sind doch Menschen und keine Tiere im Käfig", sagte ein afghanischer Flüchtling während des Marsches nach Dachau. Er ist wie viele andere Teilnehmer nur geduldet, das heißt, er kann jederzeit abgeschoben werden - in sein Heimatland, in dem ihm Verfolgung und Tod drohen. "Wir leben immer in der Angst vor der Abschiebung, alle von uns leiden nach einem Jahr an Depressionen", erklärte ein Flüchtling aus Äthiopien. Die Asylsuchenden fordern ein Bleiberecht und Arbeit, sie protestieren gegen die menschenunwürdigen Zustände in den Sammellagern. Wie in Dachau. Gegen 17 Uhr traf die Gruppe in der Stadt ein, später wollten sie das Barackenlager an der Kufsteiner Straße besuchen, in dem 135 Menschen unter katastrophalen Umständen leben müssen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat der Stadt einen Neubau zugesagt. Aber die massiven Polizeieinsätze sprechen eine andere Sprache. In Dachau wurde der Protestmarsch nicht durch Polizei gestoppt - zumindest nicht bis zum späten Abend.