Dachau Wahre Nachhaltigkeit

Die jungen Künstler der Greta Fischer-Schule mit Rektorin Gabriele Oswald-Kammerer (links) und Unterstützern.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Seit 16 Jahren unterstützt der Lions-Club Cuvilliés aus München das Sonderpädagogische Förderzentrum "Greta Fischer-Schule" als Mäzene. Dieses Jahr wurden dadurch vier Projekte möglich. Rektorin Gabriele Oswald-Kammerer würdigt das finanzielle Engagement als Vorbild für eine gelungene und kontinuierliche Unterstützung

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Am Beispiel der Greta-Fischer-Schule in Dachau lässt sich der Unterschied zwischen Sponsoring und Mäzenatentum eindrucksvoll darlegen. Firmen, die sich an Schulen oder künstlerische Aktionen anschließen, erwarten entsprechende Werbeeffekte. Sie müssen sich in Zahlen und Statistiken messen lassen. Schon mancher Kulturveranstalter im Landkreis Dachau war bass erstaunt, wenn ihm von Sponsorenseite beispielsweise eine zu geringe Zuschauerzahl vorgehalten wurde.

Mäzene indes sind zwar dem Erfolg nicht abgeneigt, aber für sie zählt weniger das Image einer Veranstaltung oder eines Künstlers als der Inhalt, die Persönlichkeit und vor allem die Kontinuität eines finanziellen Einsatzes. Der Lions-Club mit dem Zusatznamen Cuvilliés aus München ist dafür "ein Vorbild", wie Rektorin Gabriele Oswald-Kammerer ausdrücklich betont.

Denn vor 16 Jahren hat die Zusammenarbeit mit der Organisation begonnen. Wie es der Zufall so wollte, traf der IT-Unternehmer Horst Keil beruflich einen Manager eines großen Autozulieferers, der ihm von der Greta-Fischer-Schule und den pädagogischen Leistungen vorschwärmte. Damals war sie noch bekannt als "Schule am Schloßberg". Sie ist eine Einrichtung für Kinder, die sich an einer Regelschule schwer tun würden. Bei der Schule handelt es sich um ein Sonderpädagogisches Förderzentrum mit den Fachbereichen Sprache und Lernen.

Die Familie des Managers lebt in Dachau. Aus dem losen Kontakt entwickelte sich über die Jahre hinweg ein intensives Miteinander. In Zahlen ausgedrückt: Jährlich fließen vom Lions-Club ungefähr 4000 Euro an die Schule. Dieses Jahr sind es 4800 Euro. Der Betrag entspricht ungefähr zehn Prozent der gesamten jährlichen Fördersumme der Wohlfahrtsorganisation. Der Großteil geht an die Initiative Löwenherz der Landeshauptstadt München. Jetzt schaute eine Delegation persönlich in Dachau vorbei, um den Scheck zu übergeben. Außerdem will der Lions-Club wenigstens ab und an in die Schule hineinschnuppern. Bei einem Gespräch gab sich Präsident Ernst Rummeny bescheiden. Der Professor für Nuklearmedizin an der Technischen Universität München sagte zu Rektorin Oswald-Kammerer: "Nun, reich werden Sie von diesem Scheck nicht. Aber wir hoffen, dass dieses Geld Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen bei der wertvollen Arbeit an dieser Schule hilft." Der erste Lions-Club wurde übrigens 1907 in Chicago gegründet. Mittlerweile verfügt die Organisation über 1,3 Millionen Mitglieder weltweit. Neben caritativen Projekten liegt der Schwerpunkt auf der Bildung.

In diesem Schuljahr fördert der Lions-Club Cuvilliés vier Vorhaben, die über einen längeren Zeitraum gehen. In einem Elternkurs versucht die Schule gemeinsam mit zwei Experten grundlegende Fragen der Erziehung zu klären. Die Eltern sollen in all diesen Fragen mehr Wissen erhalten und dadurch im Umgang mit ihren Kindern kompetenter werden. Das zweite Vorhaben befasst sich mit dem Thema Wahrnehmung. Gemeinsam mit der Grundschule Dachau-Ost entsteht ein begehbarer "Sinnespfad" als Beitrag zur Inklusion von behinderten und nicht behinderten Kindern. Als drittes Projekt bietet die Schule Musikworkshops an, in denen die Schülerinnen und Schüler das gemeinsame Musizieren erfahren. Das Besondere daran ist, dass Kinder unabhängig von ihrem Alter gemeinsam lernen.

Das Kunstprojekt des Dachauer Malers Heinz Eder beschränkt sich auf die Neuntklässler, die im Sommer die Schule verlassen. Einerseits wollen sie ein Werk schaffen, in dem sie sich an der Greta-Fischer-Schule verewigen. Andererseits soll das Thema "Abschied" visuell umgesetzt werden. Ihre Grundidee dabei war, dass "irgend etwas mit den Händen" geschehen soll. Ein solcher Wunsch passt genau ins Konzept von Heinz Eder. Den eigenen Gefühlen nachspüren, das mag er. Die nonverbale Kommunikation über den Bleistift suchen, ist sein Metier. Und gruppendynamische Prozesse steuert er erfahrungsgemäß mit einer gewissen Leichtigkeit.

Die Neuntklässler mussten ihre Augen schließen, sich die Hände geben, winken und dann zu zeichnen beginnen. Aus dieser Aktion entstand die Idee zu einem Bild der Harmonie in zwei Kreisen, das als Wandfresko der Schule erhalten bleiben soll. Und weil Eder im Foyer eines seiner Reliefs mit Anleihen an die Zeit der Wiener Secession hängen hat, waren die Schülerinnen und Schüler von der Idee, mit Gold zu arbeiten, völlig begeistert.

Die Lions-Club-Delegation übrigens auch. Und als die zehn Schülerinnen und Schüler ihnen die Hand zum Gruß und zum Abschied reichten, wirkten sie sichtlich gerührt. Das war der sichtbare Erfolg für eine Unterstützung, die mit den Worten von Horst Keil "nicht die schnelle und zeitlich befristete Unterstützung sucht, sondern die Kontinuität".