Dachau Verkehrswacht setzt auf Aufklärung

Polizist Richard Wacht rät, Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu fahren.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Zwar ist die Zahl der Schulwegunfälle rückläufig, doch das rücksichtslose Verhalten mancher Eltern sorgt für neuen Ärger.

Von Annalena Sippl, Dachau

Von heute an heißt es nicht nur im Landkreis: Vorsicht Schulkinder! Denn am Dienstag machen sich bayernweit rund 106 000 Erstklässler auf ihren Weg zum Unterricht. In Zusammenarbeit mit der Polizei hat die Kreisverkehrswacht Dachau etliche Vorbereitungen getroffen. Doch vor allem das Verhalten mancher Eltern stößt bei den Verkehrsexperten auf Kritik. Sieben Schulwegunfälle hat es laut Richard Wacht von der Dachauer Polizei im vergangenen Jahr gegeben. Die Zahl nimmt zwar tendenziell ab, dennoch muss weiter viel getan werden, um solche Unfälle zu vermeiden. So spannen sich Spruchbänder über die Straßen und warnen Autofahrer, am Dachauer Ortseingang weisen Displays auf die jungen Schüler hin. Dabei appelliert Wacht an Eltern, Kinder nicht mit dem Auto zu fahren. "Schlechtes Wetter gibt es nicht."Die jungen Schüler sollten zu Fuß gehen, Bus und Bahn nutzen oder - nach bestandener Fahrradprüfung in der vierten Klasse - auf den Drahtesel umsteigen.

So viel Eigenständigkeit muss natürlich gut vorbereitet werden: Beate Rexhäuser, beim Landratsamt zuständig für die Verkehrserziehung, weist darauf hin, dass Eltern den Weg mit ihren Kinder einstudieren sollten - mögliche Gefahrenstellen inklusive. Wichtig sei es außerdem, die Schüler morgens pünktlich loszuschicken, denn Zeitdruck erhöhe das Unfallrisiko. Zudem sollte der Nachwuchs durch passende Kleidung geschützt werden, etwa reflektierende Details, helle Jacken oder die neongelben Warn-Trapeze zum Überwerfen, die in den Schulen verteilt werden. Doch bereiten viele Eltern selbst den Experten Sorgen: "Ich bringe mein Kind doch nur ganz schnell zur Schule" - diesen Satz kann Rexhäuser nicht mehr hören. So nah wie möglich wird der Nachwuchs am Eingang abgesetzt, dabei werden Feuerwehranfahrtszonen zugeparkt und auch die Gurtpflicht wird von vielen Eltern vernachlässigt. Wacht sieht das ähnlich: "Die Verkehrsprobleme vor oder um die Schulen werden fast ausnahmslos von fahrenden Eltern verursacht." Er kündigt "massive Geschwindigkeitskontrollen vor den Schulen" an, bei denen auch die Sicherung der Kinder überprüft wird. Werden Kinder nicht angeschnallt, muss der Fahrer mit einer Geldstrafe von 60 Euro sowie einem Punkt in Flensburg rechnen.

Aufwandsentschädigung für Schulweghelfer

Stefan Januschkowetz vom Ordnungsamt der Stadt Dachau verweist auf die Schulweghelfer. Mit Warnweste und wachsamen Blick sorgen sie dafür, dass Ampelanlagen, Zebrastreifen und schwierige Gefahrenstellen sicher überquert werden können. Jeder der über 18 Jahre alt ist, kann diesen wichtigen Job machen, ein Führerschein wäre wünschenswert. Doch auch hier gibt es ein Problem: "Gerade Eltern engagieren sich oft nur so lange, bis der Nachwuchs auf eine weiterführende Schule wechselt", sagt Januschkowetz. In manchen Gemeinden wie Erdweg gebe es keinen einzigen Schulweghelfer. Dabei wird sogar eine Aufwandsentschädigung von 5,10 Euro gezahlt, die Einsätze sind flexibel planbar. Die Anwärter müssen eine einmalige Schulung bei der Polizei absolvieren. Ein anderes Konzept, dass sich schnell als sehr beliebt herausgestellt hat, ist das der Schulbusaufsicht. Zwanzig Schüler der Kollegstufe wechseln sich damit ab, nach Schulschluss an der Bushaltestelle Friedenstraße in Dachau für Ordnung zu sorgen.

Doch nicht nur Aufsichtspersonen, sondern auch bauliche Maßnahmen sollen zur Sicherheit der Schüler beitragen. Stefan Januschkowetz begrüßt die Änderung in der Straßenverkehrsordnung: Sie erleichtere es, Tempo 30 vor Schulen oder Altenheimen anzuordnen. An der Friedenstraße und der Theodor-Heuss-Straße in Dachau wurde das schon gemacht. Als weitere Gefahrenstelle galt die Bahnunterführung vor der Schleißheimer Straße. Oft kam es an der Einmündung zur Friedenstraße zu Unfällen, wenn Radler den Tunnel entgegen der Fahrtrichtung durchquerten. "Autofahrer haben gar keine Chance, den Radler zu sehen. Wenn er dann in die Schleißheimer Straße kippt, kann es zu schweren Verletzungen kommen," betont Wacht. Nun fordert ein Schild die Radfahrer zum Absteigen auf.