Besuch von Vertretern der Stadtratsfraktionen Tierheim hofft auf Ende der Finanznot

Entgegen der Gerüchteküche vermittelt das Tierheim in Dachau 90 Prozent seiner Tiere weiter. Es braucht die Einnahmen zum Überleben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Silvia Gruber, die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins, ist vorsichtig optimistisch. Eine dauerhafte Lösung zeichnet sich anscheinend ab.

Von Anna-Sophia Lang

Ein Kompromiss zur besseren finanziellen Unterstützung des Tierschutzvereins ist nach dem Besuch von mehreren Stadträten im Tierheim wieder näher gerückt. Vertreter von SPD, CSU, Grünen und Überparteilicher Bürgergemeinschaft (ÜB) trafen sich am Donnerstagabend mit der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Silvia Gruber, zu einer Besichtigung und zum Gespräch. Man habe sich offen und kritisch unterhalten und Vorurteile ausgeräumt, heißt es von Beteiligten. Die Fraktionsvertreter waren sich nach dem Treffen einig, dass das Tierheim mehr finanzielle Unterstützung durch die Stadt braucht. Sie wollen sich nun mit ihren Fraktionen beraten.

Für den CSU-Fraktionsvorsitzenden Florian Schiller war es der erste Besuch im Tierheim. Er habe einen sehr positiven Eindruck bekommen, sagt der CSU-Stadtrat. "Die haben den Laden gut im Griff." Viele Gerüchte, die "so herum wabern", seien entkräftet worden. Etwa, dass der Tierschutzverein Gelder nicht ordnungsgemäß verwende und dadurch ein hohes Defizit entstünde, das im vergangenen Jahr fast zur Pleite geführt habe. Oder, dass Tiere gehortet und unter fadenscheinigen Vorwänden nicht an neue Besitzer weitergegeben würden. Tatsächlich werden 90 Prozent der Tiere weitervermittelt.

Die Zahl der Fundtiere wächst

"Wenn wir nicht vermitteln würden, könnten wir nach vier Wochen schließen", sagt Silvia Gruber. Denn die Zahl der Fundtiere wächst. Immer häufiger sind sie in sehr schlechtem Zustand und müssten teils über Monate hinweg aufgepäppelt werden. Die Fundtierpauschale von 1,50 Euro, die von vier Landkreiskommunen nicht einmal bezahlt wird, obwohl die Versorgung von Fundtieren kommunale Pflichtaufgabe ist, deckt diese Kosten nicht. Sie muss zudem versteuert werden. So entstand ein Defizit, das der Tierschutzverein nur dank selbst aufgebrachter Spenden ausgleichen konnte. Aber die Tierschützer, viele von ihnen arbeiten ehrenamtlich, müssen sich auch um immer mehr Abgabetiere kümmern, deren Besitzer sich aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen kein Haustier mehr leisten können. Ebenso nimmt die Zahl der Verwahrtiere zu, die nach Wohnungsauflösungen oder Zwangsvollstreckungen von den Behörden ins Tierheim gebracht werden. Parallel dazu haben die Tierschützer mit steigenden Kosten für Unterbringung oder tierärztliche Betreuung zu kämpfen.

"Für mich persönlich wurden bei dem Treffen am Donnerstagabend einige Fragen geklärt", sagt Florian Schiller. "Ich ziehe meinen Hut vor den Ehrenamtlichen." Noch in der Sitzung des Finanzausschusses im vergangenen November hatte er sich gegen eine erneute Erhöhung der Fundtierpauschale ausgesprochen. Sie war nach siebenjähriger Stagnation im Mai 2015 angehoben worden. Nun stellt Schiller fest: "Die deckt nach wie vor nicht die Kosten." Auch einen jährlichen, freiwilligen Zuschuss der Stadt an den Tierschutzverein, wie ihn andere Vereine längst bekommen, kann er sich jetzt vorstellen.

Grünen-Stadträtin hält eine Pauschale auch für Abgabetiere für sinnvoll

Ein entsprechender Antrag von Silvia Gruber war in der selben Sitzung im November vertagt worden. Darin hatte sie um einen jährlichen Zuschuss von 15 000 Euro gebeten, der einer Pauschale von 30 Cent pro Einwohner entspricht und in die Versorgung von Abgabe- und Verwahrtieren geflossen wäre. Im Gegenzug wäre Gruber bereit gewesen, bis zum Jahr 2020 auf eine Erhöhung der Fundtierpauschale zu verzichten. "Mir ist es ein Anliegen, das Problem im Jahr 2016 zu lösen", sagt Schiller nun. Es stehe der Stadt gut an, voran zu gehen. Auch ÜB-Stadtrat Rainer Rösch will sich für "eine vernünftige Finanzierung" einsetzen. "Wenn es so bleibt, kommt das Tierheim nicht zurecht", sagt er. Der Besuch habe ihn in seiner Meinung bestätigt, dass beim Verein seriös gewirtschaftet wird. Zusagen habe man zwar keine gemacht, aber es könne nicht sein, dass Silvia Gruber jedes Jahr als Bittstellerin zur Stadt kommen müsse. Rösch bringt eine Mischung aus angepasster Fundtierpauschale und freiwilligem Zuschuss ins Spiel. Die Kosten müssten allerdings "tragbar und überschaubar" sein.

Grünen-Stadträtin Luise Krispenz hält eine Pauschale auch für Abgabetiere für sinnvoll. Die Erhöhung der Fundtierpauschale auf 1,50 Euro sei zwar ein guter Anfang gewesen, gehe aber am Bedarf vorbei, weil es die Betreuung von Abgabetieren nicht decke und von Steuerabgaben geschmälert werde. Ein freiwilliger Zuschuss dagegen, etwa in der Form einer Pauschale für Abgabetiere, würde dem Tierheim voll erhalten bleiben. Außerdem müsse man sich Gedanken über Zuschüsse zu Einzelkosten machen, etwa der Anschaffung von medizinischen Geräten.

Das Tierheim könnte im Februar Thema im Finanzausschuss werden

Noch im Februar könnte das Tierheim Thema im Finanzausschuss werden. Silvia Gruber gibt sich vorsichtig optimistisch. Sie ist froh über den persönlichen Kontakt mit den Stadträten, den sie gerne aufrecht erhalten möchte. Nach der Sitzung des Finanzausschusses im November sei sie "schon etwas sauer" gewesen, weil viele Erklärungen in der Tischvorlage gestanden wären. Seit dem Treffen mit den Stadträten sei sie zuversichtlich, dass Gerüchte ausgeräumt werden konnten. "Ich glaube, dass nun ein Bewusstsein für die Leistung da ist, die im Tierheim erbracht wird."