Dachau Täter ein Jahr nach Raubüberfall verhaftet

Die DNA-Spuren führten die Kripo zu einem Mann in Sachsen-Anhalt.Ein Jahr zuvor hatte er einen 21-jährigen Dachauer brutal niedergestochen.

Von Robert Stocker

Spektakulärer Fahndungserfolg für die Polizei: Fast genau ein Jahr nach der Tat ist es den Ermittlern der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck gelungen, einen äußerst brutalen Raubüberfall in Dachau aufzuklären. Dank akribischer Recherchen und umfangreicher Zeugenvernehmungen konnte die Polizei in Sachsen-Anhalt jetzt einen 32-jährigen Mann in Halberstadt festnehmen, der zugab, am 13. August des vergangenen Jahres einen jungen Dachauer in seiner Wohnung überfallen und niedergestochen zu haben. Der Schlüssel zum Ermittlungserfolg war ein Vergleich von DNA-Spuren, die am Dachauer Tatort und in Erdweg bei einem Raubüberfall gefunden wurden. Die Polizei in Sachsen-Anhalt brachte den Tatverdächtigen nach München, wo er derzeit in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft sitzt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II erließ der zuständige Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Wie die Fahnder der Kripo ermittelten, trieb sich der 32-Jährige 2011 mehrere Monate in der Dachauer Bahnhofsszene herum. "Das war eher Zufall", sagt Ulrich Pöpsel vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord, "der Mann hatte in Dachau eigentlich keine Kontakte". Allerdings gehörte er dem Drogenmilieu an und war deshalb in chronischer Geldnot. Dies war auch das Motiv für seinen Überfall, den er am 13. August vergangenen Jahres in einer Wohnung in der Nordenstraße beging. Sein Opfer, das er sich zufällig aussuchte, war ein 21-jähriger Mann, den er sofort mit einem Messer angriff, weil er in die Wohnung eindringen wollte. Der 21-Jährige erlitt eine Stichverletzung, konnte den Täter aber aus der Wohnung drängen. Dieser flüchtete dann zu Fuß in die Erich-Ollenhauer-Straße in Richtung Bahnunterführung.

Die Ermittler konnten am Tatort Blutspuren des Verdächtigen sichern, die sie mit der Datenbank des Landeskriminalamts abglichen. Dabei landeten sie einen Volltreffer: Sie stellten eine Übereinstimmung mit einer anderen DNA-Spur fest, die im Zuge der Ermittlungen bei einem Raubüberfall in Erdweg Ende September gefunden wurde. "Das war das erste wichtige Puzzlestück", sagt Präsidiumssprecher Pöpsel. "Dann wurden die Zeugenaussagen in beiden Fällen verglichen, wobei sich eine ähnliche Beschreibung des Täters ergab. So konnten andere Verdächtige aus der Reihenuntersuchung ausgeschlossen werden."

Die Schlinge um den 32-Jährigen zog sich zu. Weitere Vernehmungen erhärteten den Verdacht, dass es sich bei dem Täter um einen 32-Jährigen aus Halberstadt in Sachsen-Anhalt handelt. Die Fahnder stellten fest, dass der Mann in dieser Stadt auch gemeldet war; sächsische Polizeibeamte nahmen ihn dort fast genau ein Jahr nach der Tat in seiner Wohnung fest. Anschließend wurde der Verdächtige nach Bayern gebracht. Aufgrund der eindeutigen Beweislage räumte der 32-Jährige die Messerattacke in Dachau ein und gab auch die Beteiligung an dem Raubüberfall in Erdweg zu. Der Mann sitzt jetzt in Untersuchungshaft in Stadelheim. Der Ermittlungsrichter erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Ob der Verdächtige noch weitere Straftaten begangen hat, ist derzeit noch unklar. Pöpsel: "Bisher gibt es keine Hinweise darauf. Die Ermittlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen."