Dachau Stadt reduziert Münchner Straße auf drei Spuren

Die Verkehrssituation in der Münchner Straße ist seit langem immer wieder Thema im Dachauer Stadtrat.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die neue Regelung gilt zunächst probeweise für ein Jahr.

Von Petra Schafflik, Dachau

Probieren geht über studieren: Nach diesem Motto will die Stadt in der inneren Münchner Straße per Testbetrieb prüfen, ob beidseitige Fahrradstreifen entlang einer nur mehr dreispurigen Fahrbahn funktionieren. Auf einen Probelauf statt einer teuren Verkehrssimulation haben sich die Stadträte im Umwelt- und Verkehrsausschuss am Dienstag einstimmig geeinigt. Die Verwaltung hatte den Praxistest aus Kostengründen vorgeschlagen. "Vor dem Hintergrund der Haushaltsdebatte und der Diskussionen im Stadtrat ums Geldausgeben", wie Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) betonte. Auch an die Fußgänger wird gedacht: Eine Verkehrsinsel bei der Candisserie, die der Stadtrat bereits 2015 beschlossen hat, ist fertig geplant und wird nun gebaut. Momentan zurückgestellt ist dagegen ein Überweg auf Höhe der Scheibner-Schule.

Die Verkehrssituation und vor allem die Sicherheit in der Münchner Straße ist seit langem immer wieder Thema im Dachauer Stadtrat. Denn diese Straße ist in ihrer gesamten Länge nach den Statistiken der Polizei die mit Abstand gefährlichste im Stadtgebiet. Das hängt auch damit zusammen, dass gerade der vierspurige Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und Amperbrücke gleichzeitig als Einkaufsstraße wie auch als Durchgangsstrecke genutzt wird. Vor diesem Hintergrund hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss bereits im vorigen Jahr entschieden, die Sicherheit für Radler und Fußgänger zu erhöhen.

Erwogen wurden Radlstreifen, die aber erst mit einer Verkehrssimulation geprüft werden sollten. Denn wenn auf beiden Seiten eine sichere Bahn für Radler abgetrennt wird, bleiben für den Autoverkehr nur mehr drei Fahrbahnen übrig. Konkret würde der motorisierte Verkehr in jede Richtung einspurig geleitet. Die dritte, mittlere Spur könnte in unterschiedlichen Abschnitten bedarfsgerecht als Links-Abbiegespur markiert werden, auf der sich wartende Fahrzeuge aufstellen, ohne den fließenden Verkehr zu behindern.

Entwürfe für Boulevard-Lösung verschwanden in der Schublade

Alternativ haben die Stadträte im vorigen Jahr auch noch überlegt, eventuell auf alte Planungen von 1994 zurückzugreifen. Damals konnte man sich weder auf eine "Boulevard-Lösung" mit breiten Gehwegen, großzügigen Grünstreifen plus separatem Radweg noch auf eine Sparvariante mit Radlstreifen neben schmalen Bürgersteigen einigen. Die fertigen Entwürfe verschwanden in der Schublade. Dorthin wandern diese Pläne, die zur Information der Stadträte im Sitzungssaal aufgehängt waren, jetzt erneut. Denn ohne Diskussion war man sich einig, nicht auf Altes zurückzugreifen, sondern neu zu planen.

Aber auch die Verkehrssimulation des nun angedachten Konzepts wird nicht in Auftrag gegeben. Um nämlich solide zu berechnen, wie sich Fußgänger, Radler und Autofahrer auf einer nur mehr dreispurigen Münchner Straße mit beidseitigem Radlstreifen verhalten werden, müssten Experten Daten erheben, Bürger befragen und eine Videodokumentation erstellen. Ein aufwendiges Verfahren, das 100000 Euro kosten würde. "Leisten wir uns das oder probieren wir das Konzept in einer Testphase?" fragte der Oberbürgermeister. Im Praxistest würden die Fahr- und Radstreifen einfach farbig markiert, die Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen dann beobachtet. Diese Prüfung unter realen Bedingungen kostet die Stadt nur 10 000 Euro für die Markierungsarbeiten.

August Haas (CSU) warnt vor Euphorie

Ein toller Vorschlag, lobte Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD). Nicht nur, weil 90000 Euro gespart werden. Vielmehr beantworte der Test überzeugender als jede Simulation die grundlegende Frage, wie die Bürger reagieren, wie eine Münchner Straße mit nur mehr drei Fahrbahnen im Alltag funktioniert. "Wagen wir es, wenn es nicht geht, ist es auch recht", so Koch. Auch von der CSU-Fraktion wird der Versuch "akzeptiert", wie Fraktionssprecher August Haas betonte. Ein Jahr sollte für den Test aber reichen, meinte Haas. "Damit alle Jahreszeiten, verschiedene Wetterbedingungen und auch Ferienzeiten erfasst werden." Allerdings warnte Haas vor zu viel Euphorie. Das Problem mit Radlern, die sich auf der stark befahrenen Münchner Straße unsicher fühlen und deswegen auf dem Gehweg fahren, "werden wir dadurch nicht in den Griff bekommen."

Bevor der Testbetrieb starten kann, wird das Bauamt den Stadträten zunächst einen Markierungsplan vorlegen. Fertig ist dagegen der Entwurf für die Fußgängerinsel auf Höhe der Candisserie, die sofort installiert wird.