Dachau Retter und Gerettete

Von Nazis Verfolgte finden ein Versteck bei Bauern im Landkreis

Auch 75 Jahre nach Kriegsende sind längst nicht alle Geschichten vom Sterben und Überleben im Holocaust erzählt: Pfarrer Björn Mensing erinnert im Christnachtgottesdienst um 23 Uhr in der evangelischen Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte Dachau an zwei Familien im Landkreis, die Juden gerettet haben. Leonhard und Maria Gailer versteckten auf ihrem Hof bei Niederroth 1941 die neunjährige Hannelore Bach aus München, die nach der Nazi-Terminologie "Mischling 1. Grades" war und deren jüdischer Vater nach der Pogromnacht 1938 ins KZ Dachau verschleppt worden war. Im Winter 1944/45 nahm die Familie auch noch Hannelores Mutter bis zur Befreiung durch US-amerikanische Truppen auf. Eleonore Philipp aus Niederroth hat diese Geschichte in ihrer Schrift "Gerettet" schon 1998 dokumentiert. Ein weiterer Fall ist erst jetzt durch die Studie "Flucht und Versteck" von Susanna Schrafstetter bekannt geworden: Bernhard K. aus München, der seinen vollen Namen nicht nennen möchte. Sein Vater wurde ebenfalls im November 1938 für einige Wochen ins KZ Dachau verschleppt. Der kleine Bernhard K. überlebte mit seiner Mutter auf dem Bauernhof der Familie Lachner in Pipinsried die Verfolgung. Anfang 1945 tauchte auch sein Vater, der zu schwerster Zwangsarbeit gezwungen wurde, bei den Lachners unter, um der letzten Deportationswelle aus München zu entgehen. Die Familie erlebt Ende April 1945 gemeinsam den Einmarsch der amerikanischen Soldaten.