Dachau Eine App für den richtigen Namen

Stephan Batteiger und Jelka Hauschild haben eine Namen-App entwickelt, die sie noch als Hobby betreiben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Stephan Batteiger und Jelka Hauschild haben etwas sehr Praktisches für werdende Eltern erfunden.

Von Julian Erbersdobler, Dachau

Es gibt kleine Kevins, es gibt lachende Lenas und quietschende Quentins. Manchmal klingen die Vornamen der Babys sogar wie ein karibischer Cocktail, dann heißen sie Jimi Blue Ochsenknecht. Jedenfalls sind Kindernamen heutzutage weit mehr als nur eine Abfolge von Buchstaben. Sie sind längst Teil wissenschaftlicher Studien. Ein Ergebnis der Uni Oldenburg: Schüler, die Kevin heißen, werden in der Grundschule schlechter benotet als andere. Grund genug, sich genau zu überlegen, wie man sein Neugeborenes nennen möchte. So war es auch bei Stephan Batteiger und Jelka Hauschild, beide 29. Die Dachauer wurden Eltern, waren auf der Suche nach dem richtigen Namen und machten aus ihrer Not eine Tugend: die App "Charlies Names". Eine Anwendung, die werdenden Eltern die Namenssuche spielerisch erleichtern soll.

Als Linus noch in Jelkas Bauch war, hieß er noch Charlie, "der Freie", erzählt ihr Freund. Heute ist Linus neun Monate, und damit genauso alt wie die App. Er schläft im Kinderwagen, während seine Eltern ein erstes Fazit ziehen. "Linus könnte in der Nacht auch mal durchschlafen", sagt Jelka Hauschild mit einem Augenzwinkern. "Aber er macht uns große Freunde und ist ein sehr fröhlicher Kerl." Diese beiden Sätze lassen sich im Prinzip auch auf ihr "zweites Baby", die App, übertragen. Vater und Informatiker Stephan Batteiger ist mit den ersten neun Monaten seit dem Release mehr als zufrieden. "Wir hätten nicht gedacht, dass die Leute die App so aktiv nutzen", sagt er. Fast 4000 User haben sie schon heruntergeladen. "Aber es ist natürlich auch mit jeder Menge Arbeit verbunden."

Den Namen für ihren Sohn fanden sie ohne App

Angefangen habe alles im Italien-Urlaub vor Linus' Geburt, erinnert sich der Entwickler. Die ersten Ideen, Recherchen und Zeichnungen. Schließlich lässt sich eine Anwendung nicht einfach von heute auf morgen auf das Smartphone zaubern. "Wichtig ist vor allem, dass man sich nicht zu sehr von ähnlichen Apps inspirieren lässt", rät Stephan Batteiger. Ein weiteres Erfolgsrezept: Es gab eine klare Deadline. Die App sollte veröffentlicht werden, bevor der gemeinsame Sohn zur Welt kommt. Dass der einmal auf den Namen Linus hören wird, hat sich Jelka Hauschild schon länger gewünscht. Ihr Freund musste erst von seiner eigenen App überzeugt werden: Der Informatiker hatte Zweifel wegen der Ähnlichkeit zum Betriebssystem Linux, erzählt er.

Dann greift er sich sein Smartphone und drückt und wischt sich durch die App, um sie zu erklären. Im ersten Schritt gibt er ein, nach welchen Kategorien gefiltert werden soll. Neben dem Geschlecht lässt sich auch das Heimatland angeben. Dann geht es ans Bewerten. Rosa Kärtchen für die Mädchen, blaue für die Jungs. Wenn einem ein Name zusagt, gibt es den Daumen nach oben oder sogar ein Herzchen. "Man kann sich auch mit seinem Partner verbinden", sagt Batteiger. Wenn beiden derselbe Name gefällt, wird er auf die Liste mit den passendsten Namen aufgenommen. Am Ende lässt sich auf einen Blick sehen, welche Namen beiden zusagen. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang das Wort einer "künstlichen Intelligenz". Was das heißt? "Die App lernt dazu, schmeißt unpassende aus der Liste und lässt passende Namen nach oben wandern." Wie das funktioniert? Betriebsgeheimnis.

10 000 Namen aus aller Welt

In jedem Fall gibt es eine Auswahl von über 10 000 Namen aus aller Welt, die nach gerade einmal neun Monaten schon über drei Millionen mal bewertet wurden - und das, obwohl die App bisher nur auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich ist. Daran könnte sich in Zukunft vielleicht etwas ändern, sollte es auch weiterhin so gut laufen, verrät das Paar. Eine goldenen Nase verdienen sich die beiden Dachauer damit auch noch nicht; "Charlies Names" ist werbe- und kostenfrei. Deshalb bezeichnet Stephan Batteiger die App immer noch als Hobbyprojekt, das er gemeinsam mit seiner Freundin neben seiner hauptberuflichen Arbeit betreut.

Jelka Hauschild findet besonders spannend, dass die meisten Nutzer auf der Suche nach einem Jungennamen sind. Das könne man an den Statistiken sehen - "ohne Daten zu gewinnen, die auf den einzelnen Nutzer zurückführen lassen". Der kleine Linus äußert sich nicht über die Erfindung seiner Eltern. Er schläft weiter tief und fest und träumt vielleicht davon, wie es ihm wohl als kleiner Charlie ergehen würde.