Dachau Nein zum Einkaufsbahnhof

Schöner soll der Dachauer Bahnhof werden. Vor allem praktischer für die vielen Pendler. Ihren Wocheneinkauf sollen diese hier aber nicht erledigen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Bauausschuss des Stadtrats erteilt den Plänen der Deutschen Bahn eine klare Absage und beschränkt die Verkaufsflächen an der S-Bahn auf 300 Quadratmeter - auch aus Rücksicht auf den Dachauer Einzelhandel

Von Viktoria Großmann, Dachau

Der Dachauer Bahnhof soll kein Einkaufsbahnhof werden. Maximal 300 Quadratmeter Verkaufsfläche für Kioske mit Dingen des täglichen Bedarfs und Reisebedarf sollen in einer neuen Planung für die Westseite des Bahnhofs vorgesehen werden. So haben es die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss am Dienstag einstimmig beschlossen. Sie erteilen damit den Plänen einiger der Tochterunternehmen der Deutschen Bahn eine sehr deutliche Absage. Die Stadt Dachau will am Bahnhof auf dem Gelände entlang der Frühlingstraße bis zur Schleißheimer Straße einen Busbahnhof einrichten. Dieser wird dringend für die Umlandbusse benötigt. Derzeit geht es auf dem Bahnhofsvorplatz zu eng zu.

Im Zuge dieser Überlegungen wird das gesamte Bahnhofsareal überplant. So steht auch immer noch zur Debatte, das alte Gebäude abzureißen und ein neues zu errichten. Grundsätzlich sind sich die Stadträte jedoch einig: Am neuen Bahnhof geht es um Service. Es geht um Reisende, Pendler, Umsteiger. Nicht aber um Shopping. Zu groß ist die Angst, etwa durch einen weiteren Lebensmittelmarkt mit 800 Quadratmeter Verkaufsfläche dem bestehenden Supermarkt an der Münchner Straße die Käufer abzuziehen. Dadurch würde die Münchner Straße wesentlich verlieren und Kundschaft auch für andere Läden ausbleiben, argumentierten Stadträte verschiedener Fraktionen. Zudem könnten später für die neuen Bewohner in der noch entstehenden Siedlung in Augustenfeld weitere Einkaufsmöglichkeiten hinzukommen.

"Ich warne davor, zuviel Fläche für den Einzelhandel einzuplanen", sagte Wirtschaftsreferent Florian Schiller (CSU). "Wir brauchen den Platz für die Busse." Auch Norbert Winter (Bürger für Dachau) mahnte eindringlich, es gehe der Stadt darum, einen Busbahnhof zu bauen, kein Einkaufszentrum. Über diese Fragen herrscht über alle Fraktionen hinweg Konsens.

Zu großen Teilen bestätigt in ihrer Haltung wurden die Stadträte nun durch eine Studie des Büros Cima. Diese sieht zwar das Potenzial für einen Supermarkt mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, bleibt aber insgesamt unter den Vorstellungen einiger Bahn-Unternehmen. Die Stadt muss für ihr Vorhaben Verhandlungen um die Grundstücke führen, die verschiedenen Tochterunternehmen der Bahn gehören. Ziel ist eine Grundlagenvereinbarung zur gemeinsamen Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs. Die Stadt erhofft sich von dem Gutachten eine Stärkung ihrer Verhandlungsposition. Den Bahn-Gesellschaften geht es um die wirtschaftliche Verwertung der Grundstücke. Sie stellte sich etwa auf insgesamt 4200 Quadratmetern Verkaufsfläche einen Supermarkt, eine Drogerie und Bekleidungsgeschäfte vor. Die Stadt hingegen möchte 26 Busstellplätze schaffen und außerdem die Frühlingstraße weitgehend vom Durchgangsverkehr befreien. Also nicht durch Geschäfte noch mehr Autoverkehr anziehen.

Die Cima-Einzelhandelsstudie sieht aber am Dachauer Bahnhof kein Potenzial für einen weiteren Drogeriemarkt. Jedoch für Bäckerei, Metzgerei, einen kleinen Blumenladen, eine Bahnhofsbuchhandlung sowie eine Apotheke. Einiges davon ist bereits vorhanden. Auch die Bürgerbefragung im vergangenen Sommer hatte ergeben, dass ein großer Supermarkt am Bahnhof nicht erwünscht ist. Die Wunschliste der Stadträte umfasst Stationen für Leihfahrräder und eventuell Leihautos, Elektro-Ladesäulen, Fahrrad-Reparaturwerkstatt, Touristeninformation, Packstation und Wlan. Insgesamt soll ein gut zugänglicher, barrierefreier Umsteigebahnhof entstehen, mit klarer Wegeführung und Rolltreppen, möglichst ohne dunkle Schmutzecken und gut sichtbaren digitalen Anzeigen sowie ausreichendem Witterungsschutz an den Haltestellen.

Die Deutsche Bahn AG hat der Stadt mitgeteilt, dass man über die Ergebnisse der von der Stadt bezahlten Studie beraten müsse. So lange sind die Verhandlungen ausgesetzt. Allzu viel Entgegenkommen hat die Bahn bisher nicht gezeigt. So will sie sich an den Kosten des städtebaulichen Wettbewerbs nicht beteiligen. Doch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) und Bauamtsleiter Michael Simon verbreiteten Zuversicht: Bahn sei nicht gleich Bahn. Es gebe bei den Vertretern der Tochtergesellschaften unterschiedliche Haltungen zur Sache. Einige auch zugunsten der Stadt.