Dachau Jura Soyfer zuliebe

Konzert und Lesung für den Dichter des Dachauliedes

Bei der Zwangsarbeit im KZ kam dem österreichischen Autor Jura Soyfer die Idee für den Text des Dachauliedes, den sein Leidensgenosse Herbert Zipper umgehend vertonte. Das war im August 1938. In aller Heimlichkeit brachten sie das Lied dann ihren Kameraden bei, die es weiter verbreiteten. Drei Monate war Jura Soyfer in Dachau, bevor er ins KZ Buchenwald weiter transportiert wurde, wo er im Februar 1939 starb, gerade mal 26 Jahre alt. Doch dafür, dass ihm nur eine so kurze Schaffensperiode vergönnt war, hat er ein bemerkenswertes, in gut 50 Sprachen übersetztes Werk hinterlassen - Gedichte, Essays, Theaterstücke.

Der Münchner Gewerkschaftschor Quergesang & Roter Wecker hat vier der Gedichte von Jura Soyfer selbst vertont, beispielsweise das "Reformierte deutsche Kirchenlied". Geschrieben im November 1933, heißt es dort: "Sie stehen in Dachau beim Prügeln, habt acht" - eine fast hellseherische Beschreibung dessen, was bald an der Tagesordnung war. Das und noch viel mehr gilt es zu entdecken an einem ungewöhnlichen Abend, der eine Linie von den 1930er Jahren bis heute zieht.

Über Jura Soyfer sagen Literaturkritiker und Feuilletonisten, er hätte einer der größten Schriftsteller deutschsprachiger Literatur werden können. Im "roten Wien" der Zwanzigerjahre gehörte er zu den vielversprechenden Autoren der politischen Linken. Wie viele Intellektuelle wurde Soyfer nach der Annexion Österreichs 1938 ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Im KZ lernte er den Komponisten Herbert Zipper kennen, der auch aus Wien deportiert worden war und schrieb mit ihm das "Dachaulied".

Samstag, 6. Mai 2017 um 20 Uhr (Eintritt frei) im Ludwig-Thoma-Haus Dachau.