Dachau Im Gedenken vereint

Diakon Klaus Schultz erinnert im Gedenkgottesdienst in der Versöhnungskirche an den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Besucher eines Gottesdienstes für Max Mannheimer beschwören die Grenzen überwindende Botschaft des Zeitzeugen

Trotz der kurzfristigen Ankündigung waren beim Trauergottesdienst für den Auschwitz-Überlebenden Max Mannheimer alle 80 Sitzplätze in der evangelischen Versöhnungskirche belegt. Der Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees ist am 23. September im Alter von 96 Jahren in München gestorben. Sein Tod hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht; andere Zeitzeugen, die jüdischen Gemeinden und auch Politiker, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierten bestürzt und traurig auf die Nachricht. "Wir nannten uns Zwillinge, und wir sprachen Tschechisch miteinander", erinnert sich die 96-Jährige Eva Hönigschmid, die wie Max Mannheimer am 6. Februar 1920 in Mähren geboren wurde.

Eva Hönigschmid, die als Studentin mit Mitgliedern der "Weißen Rose" befreundet war, war unter den Gästen des ökumenischen Gottesdienstes an der KZ-Gedenkstätte Dachau am Sonntag. Sie war Max Mannheimer noch vor wenigen Monaten beim Dachauer Holocaust-Gedenkkonzert wieder begegnet. Auch Altlandrat Hansjörg Christmann, der bereits an der Beerdigung am vergangenen Dienstag in München teilgenommen hatte, war gekommen. Ebenso Vizelandrätin Marianne Klaffki und der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath sowie viele Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte, des Dachauer Forums, von Zeitgeschichtsinitiativen und vom Ignaz-Taschner-Gymnasium. Mustafa Denel vertrat die Türkisch-Islamische Gemeinde in Dachau.

Den Gottesdienst gestalteten Pfarrer Björn Mensing, Pastoralreferent Ludwig Schmidinger und Diakon Klaus Schultz. Neben Lesungen aus dem Propheten Habakuk, der Gott klagte, "Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung", und den Mosebüchern, in denen Gott verheißt, "ich will dich zur Ruhe leiten", deutschen und hebräischen Liedern traten auch konkrete Erinnerungen an Max Mannheimer. Etwa an seine erste Lesung am 9. April 1986 in Dachau. Mit dem ihm eigenen feinen und zuweilen spitzbübischen Humor hat Max Mannheimer später noch über jenen Auftakt seiner öffentlichen Zeitzeugenschaft gesprochen. Er hatte es als Zeichen des Himmels gesehen, dass die Lesung wegen eines Wasserschadens nicht wie geplant in der Versöhnungskirche stattfinden konnte. Sie musste in einen Seminarraum der Gedenkstätte verlegt werden. Er habe doch, so Mannheimer, zuvor gewisse Bedenken gehabt, als jüdischer Dachau-Überlebender in Räumen einer christlichen Kirche zu sprechen. Augenzwinkernd fügte er hinzu, dass er später immer wieder ohne Wasserschäden in der Kirche gesprochen habe, so dass es 1986 wohl doch kein Protestzeichen des Himmels gewesen sei.

Als die Trauernden sich in einem Kreis um den Altar versammelten, auf dem eine Kerze für den Verstorbenen brannte, fühlten sich die Menschen in der Erinnerung an Max Mannheimer verbunden - und auch seiner Botschaft, über Religionsgrenzen hinweg sich für das "Nie wieder!" einzusetzen. Aus der jungen Generation wirkten Valeriia Plotnyk (Ukraine) und Sandra Usselmann (England) mit, die als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen in Dachau arbeiten.