Dachau Gewerkschaftsjugend fordert Verbot der NPD

Bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Novemberpogroms warnen die Redner vor dem wachsenden Antisemitismus - und fordern dazu auch ein entschlossenes Handeln.

Von Sophie Burfeind

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hanack bei der Gedenkfeier der Gewerkschaftsjugend an der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Als Hannah Arendt am 28. September 1959 den Hamburger Lessing-Preis entgegennahm, sagte sie: "Das Höchste, was man erreichen kann, ist zu wissen und auszuhalten, dass es so und nicht anders gewesen ist, und dann zu sehen und abzuwarten, was sich daraus ergibt." In diesem Sinne wurde die Gedenkveranstaltung der bayerischen Gewerkschaftsjugend im DGB am Sonntag in der KZ-Gedenkstätte abgehalten. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Redner 54 Jahre nach der Rede der jüdischen Philosophin zum Handeln aufriefen und konkrete politische Forderungen stellten.

Seit 1952 gedenkt die DGB-Jugend Bayern alljährlich der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. So auch am Sonntagnachmittag: Bei einer Kranzniederlegung mit etwa 80 Gästen vor dem ehemaligen Krematorium erinnerte die DGB-Bezirksjugendsekretärin, Astrid Backmann, erneut an die Bedeutung der Novemberpogrome: "Diese Nacht vor 75 Jahren war ein weithin sichtbares Zeichen für das, was noch kommen sollte: Der Völkermord an den europäischen Juden. Jeder wusste jetzt, wohin Hitlers Diktatur führt."

Von dieser Nacht an sei das Leben für die jüdischen Menschen in Deutschland zu einer Existenzbedrohung geworden, führte Elke Hanack, stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende, aus: "Geschäfte, Synagogen und jüdische Einrichtungen, Wohnhäuser: alles jüdische Leben sollte sofort zerstört werden." Am 10. November wurden 30 000 Juden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht, ungefähr 11 000 nach Dachau.

"Es ist unsere Pflicht, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten", bestärkte Hanack. Die dringlichste Aufgabe aber bestehe darin, diese Geschichte weiter in den Köpfen der Menschen zu vergegenwärtigen, damit "rechtsextremes, antisemitisches Gedankengut in unserer Gesellschaft und Politik keinen Platz hat."

Beide Rednerinnen betonten, dass angesichts der beunruhigenden aktuellen Entwicklungen jedoch nicht in der Erinnerung verharrt werden dürfe. Schließlich gibt es nicht nur in Bayern, sondern in vielen Bundesländern eine sehr aktive rechte Szene. Statistischen Erhebungen der vergangenen Jahre zufolge nehmen antisemitische Einstellungen deutschlandweit zu. Backmann wies zudem auf einige europäische Nachbarländer hin, in denen gerade unter Jugendlichen die unsicheren Jobaussichten einen idealen Nährboden für Homophobie, Rassismus und Antisemitismus bildeten. Sie stellte klare politische Forderungen: Die "lückenlose Aufklärung der NSU- Morde genauso wie ein endgültiges Verbot der NPD, des Freien Netz Süd und sonstiger neonazistischer Gruppen."

Hanack bemerkte daneben, dass der Erfolg der "euroskeptischen" Partei Alternative für Deutschland (AfD) ebenfalls ein fatales Signal sei - habe sie im Osten Deutschlands doch mit fremdenfeindlichen Parolen geworben. Verschärft werde diese Situation dadurch, dass es immer weniger Zeitzeugen gebe, die das Geschehene begreiflicher machen könnten. In einigen Jahren seien junge Menschen allein auf Filme, Literatur und Geschichtswerke als Informationsquellen zur Zeit des Nationalsozialismus angewiesen. "Die Herausforderung wird darin bestehen, die Formen des Gedenkens weiterzuentwickeln", sagte Astrid Backmann. Gemeinsam müsse über Wege nachgedacht werden, wie auch nachfolgende Generationen eine Verbindung vom Vergangenen zum eigenen Handeln herstellen können.

Als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern kam der Münchner Stadtrat Marian Offman. Er freute sich, dass die Gewerkschaftsjugend sich so engagiere: "Es war eine würdige und angemessene Veranstaltung, und das Schöne ist, dass es junge Leute waren, die sie gestaltet haben. Das ist ein gutes Signal."