Dachau Erinnerung an mutige Frauen

Elisabeth Braun, widerstand dem NS-Regime und setzte sich für jüdische Christen in München ein.

(Foto: Versöhnungskirche)

Gedenken an Elisabeth Braun und Maria Seidenberger

Wer war Elisabeth Braun? Die evangelische Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte Dachau erinnert an die Münchner Rechtsanwältin, die 1920 aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten und konvertiert war. Die mutige Frau und ihre Stiefmutter Rosa boten im Hildebrandhaus "nichtarischen" Christen, deren Bleibe von den Nazis geraubt wurde, eine Unterkunft. Bis 1941 lebten in sehr beengten Verhältnissen 15 Menschen jüdischer Herkunft, zumeist alleinstehende Frauen. Als der Druck der NS-Behörden immer größer wurde, machte Elisabeth Braun im Juni 1940 ihr Testament. Als Alleinerben setzte sie die Evangelische Kirche in Bayern ein. Am 20. November 1941 verschleppten die Nationalsozialisten Elisabeth Braun und vier ihrer ehemaligen Mitbewohnerinnen nach Kaunas, wo sie fünf Tage später im Fort IX mit Maschinengewehren niedergeschossen wurden. Die betagte Stiefmutter starb im März 1945 im Ghetto Theresienstadt. Nach dem Krieg trat die bayerische Landeskirche das Erbe an und errichtete den Sonderfonds "Nachlass Elisabeth und Rosa Braun".

Vor 75 Jahren schwieg die Kirche zu den Massendeportationen aus Bayern. Vor 75 Jahren, am 20. November, wurden 998 Münchener wegen ihrer jüdischen Herkunft nach Kaunas verschleppt und dort ermordet. Es folgten Deportationen aus Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen, Forchheim, Fürther, Nürnberg und Würzburg nach Riga in Lettland. Von den 1008 Opfern des fränkischen Transports überlebten nur etwa 50 den Holocaust. Gerade angesichts des Schweigens der Kirche zu den Deportationen 1941 erinnert Kirchenrat Björn Mensing, Beauftragter für Gedenkstättenarbeit der bayerischen Landeskirche, in der Versöhnungskirche am Sonntag, 27. November, um elf Uhr an diese Opfer. Im Gottesdienst wird auch an die vor fünf Jahren verstorbene Maria Seidenberger aus Hebertshausen erinnert, die als 17-Jährige unter hohem Risiko KZ-Häftlingen half und dafür 2005 mit dem Dachau-Preis für Zivilcourage geehrt wurde.