Dachau Endlich

Die Berufsschule trägt jetzt offiziell den Namen des ehemaligen KZ-Häftlings und Dachauer Bürgers Nikolaus Lehner. Für Rektor Sommerer ist die Benennung ein Ansporn zu Toleranz.

Von Walter Gierlich

Die Berufsschule in Dachau trägt jetzt den Namen von Nikolaus Lehner. An dem Festakt am nahmen auch dessen Witwe Rosa Lehner, Sohn Moris Lehner und Tochter Juliana Alon teil.

(Foto: Toni Heigl)

Die Dachauer Berufsschule trägt seit Mittwoch den Namen des KZ-Überlebenden Nikolaus Lehner. Er war der einzige jüdische Häftling, der nach der Befreiung in Dachau geblieben ist. Zwar war Lehner 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, doch auf eine Anerkennung seines Wirkens durch die Stadt Dachau wartete er zeitlebens vergeblich. Der Festakt fand im Beisein von Lehners Witwe Rosi, seinem Sohn Moris, Tochter Juliane Alon und den beiden Enkeln Steve und Ron statt. Anneliese Willfahrt von der Regierung von Oberbayern verlieh der Schule offiziell den Namen "Nikolaus-Lehner-Schule". Neun Jahre nach seinem Tod wird damit des Zeitzeugen, Aufklärers und Mahners endlich auch in Dachau gebührend gedacht.

"Es ist eine würdige Anerkennung des Wirkens und der Verdienste Nikolaus Lehners", sagte Schulleiter Johannes Sommerer. Die Schule sehe es als Verpflichtung an, die Erinnerung lebendig zu halten, aber auch als Ansporn, eine Atmosphäre der Toleranz zu schaffen, erklärte er weiter in seiner Begrüßungsrede. Schüler der Klasse KBA 12 präsentierten Stationen von Lehners Leben. Vor allem darin eingebaute Videoaufzeichnungen, in denen Lehner über seine Haft und den Beginn seiner unermüdlichen Tätigkeit als Zeitzeuge sprach, waren bewegende Momente des Festakts. Der in Rumänien geborene Lehner war Ende 1944 ins KZ Dachau verschleppt worden. Nach der Befreiung erfuhr er, dass bis auf einen Bruder seine gesamte Familie ermordet worden war. Lehner blieb nach dem vergeblichen Versuch, in die USA auszuwandern in Dachau und baute hier einen Holzverarbeitungsbetrieb auf.

"Doch Nikolaus und Rosi Lehner konnten jahrzehntelang mit niemandem in Dachau darüber sprechen, was sie durchgemacht hatten", sagte die ehemalige Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Barbara Distel, in ihrer Festrede. Die große Freude über die Entscheidung, die Schule nach Nikolaus Lehner zu benennen, werde allerdings dadurch getrübt, dass Lehner sie selbst nicht mehr miterleben konnte und dass neun Jahre vergehen mussten, bis sie verwirklicht wurde, merkte Distel an. Sie erinnerte an den Geigenspieler Lehner, der Musik bis zu seinem Tod über alles liebte. Distel betonte aber auch, dass sich Lehner vor allem das Gespräch mit Jugendlichen gesucht habe und dass er einer der Initiatoren und Vorkämpfer für eine internationale Jugendbegegnungsstätte in Dachau gewesen. Er sei Mitbegründer des Förderverein für internationale Jugendbegegnung gewesen und ihm bis an sein Lebensende verbunden geblieben.

"Es ist eine Ehre, dass wir eine Nikolaus-Lehner-Schule haben", sagte Landrat Hansjörg Christmann am Mittwoch beim Festakt zur Namensgebung der Dachauer Berufsschule. Er sei glücklich, dass er wenige Wochen vor seinem Ausscheiden aus dem Amt die Umbenennung der Schule noch erleben könne. Dachaus Bürgermeister Claus Weber betonte, dass sich Lehner um Dachau verdient gemacht habe. Er erwähnte aber auch, dass Lehners Kampf gegen das Vergessen in dieser Stadt lange nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sei.

Für die Familie sagte Sohn Moris Lehner: "Eine Namensgebung ist mehr als bloße Benennung und mehr als ein Akt, der sich mit seiner Verleihung erledigt." Auch Moris Lehner betonte, dass im vielfältigen Engagement seines Vaters diesem das Gespräch mit jungen Menschen besonders am Herzen lag. An die Schüler gewandt erklärte er mit Blick auf die Leiden, die sein Vater, aber auch seine Mutter in KZs durchgemacht hätten. "Ich bin zuversichtlich, dass Sie aktiv dafür sorgen werden, dass sich Geschichte nicht so wiederholt."