Durch den Dachauer Stadtrat zieht sich ein tiefer Graben: Die Mehrheit aus CSU, FDP und Freien Wählern redet nicht mehr mit der Minderheit. Anlass ist die städtische Baupolitik.
Der Dachauer Bauträger Herbert R. Ullmann ist nur schwer für eine Stellungnahme zu gewinnen. Als es bis vor einem Jahr darum ging, das Gelände des TSV 1865 eventuell in eine Wohnanlage umzuwandeln, hielt er sich in der Öffentlichkeit zurück.
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Der Dachauer Baurechtsstreit entzündete sich am ehemaligen Amalie-Nacken-Heim, das jetzt abgerissen wird. Die Stadtratsmehrheit lässt einen Privatunternehmer dort größer bauen - sehr zum Unmut der Minderheit. (© Toni Heigl)
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Mutmaßungen aus der Nachbarschaft des Sportvereins über seine Freundschaft mit dem Vorsitzenden Richard Reisböck, der früher für Baurechtsfragen in der städtischen Bauverwaltung zuständig war, ließ er unkommentiert. Als die Pläne für den Turmbau seines Unternehmens "Ihr Eigenheimprofi" an der Theodor-Heuss-Straße öffentlich kritisiert wurden, schwieg er ebenfalls. Seine Rolle beim Umsturz der FDP ist bis heute ungeklärt.
Aber dass sein schärfster Konkurrent, Bauträger Hansjörg Treu, die städtische Baupolitik als ungerecht anprangert ("Auf Bairisch gesagt: Sie stinkt zum Himmel") und der Mehrheit aus CSU, FDP und Freien Wählern unterstellt, dass sie ihn, Ullmann, bevorzuge, lässt er nicht unkommentiert.
Er kontert mit einem dezenten Griff in die Fäkaliensprache: "Nur so viel auf Bairisch gesagt: Wenn etwas zum Himmel stinkt, kann es auch dessen eigene volle Hose sein."
In einem zweiseitigen Schreiben stellt sich Ullmann in dem Baurechtstreit auf die Seite der Stadtverwaltung. Vor sechs Jahren erwarb er das Areal vom Kinderschutzverein, der zum 31. Juliaus Amalie-Nackenheim und Elisabeth-Bamberger-Schule ausgezogen ist. Gemeinsam mit Stadtbaurat Michael Simon vertritt er die Ansicht, dass die Baurechtsmehrung von bisher 54 auf 64 Wohneinheiten rechtmäßig sei.
Ullmann kommt zu dem Schluss: "Jede andere Person oder jeder andere Bauträger hätte, aufgrund der gänzlich neuen Sachlage im Umfeld der Nachbarschaft, den Antrag einer Umplanung gestellt." Für Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) ist die Angelegenheit ohnehin abgeschlossen. "Die Verwaltung hat eine saubere Stellungnahme abgegeben. Mehr ist nicht zu sagen."
SPD-Fraktionssprecher Volker C. Koch ist kein Politiker, der zu scharfen Auseinandersetzungen neigt. Er zieht das bedächtig gewählte Wort vor. Und im Zweifelsfall gewährt er der städtischen Verwaltung und dem Stadtrat trotz massiver Kritik von außen einen Vertrauensvorschuss, wie kürzlich beim Bürgerentscheid gegen die Beteiligung der Stadtwerke an Kohlekraftwerken.
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