Dachau Die CSU kommt wieder über 50 Prozent

Der Kreisvorsitzende Bernhard Seidenath holt zum zweiten Mal nach 2008 das Direktmandat, schneidet mit 47,32 Prozent der Erststimmen aber deutlich schlechter ab als seine Partei.

Von Walter Gierlich

CSU-Wahlparty mit Luftballons und Häppchen: Bernhard Seidenath erläutert seinem Publikum die Wahlergebnisse.

(Foto: joergensen.com)

Die CSU hat die Schlappe von 2008 bei der Landtagswahl am Sonntag auch im Landkreis Dachau weitgehend ausgebügelt. War die Partei vor fünf Jahren auf 42,78 Prozent der Zweitstimmen abgestürzt, so kam sie 2013 auf 53,48 Prozent. Auch der Direktkandidat der Christsozialen, Bernhard Seidenath, der 2008 nur 38,06 Prozent der Erststimmen engefahren hatte, konnte sich diesmal deutlich verbessern: Auf ihn entfielen 47,32 Prozent. Er zieht somit zum zweiten Mal ins Maximilianeum ein. Sein Mandat dürfte auch SPD-Kandidat Martin Güll verteidigt haben, der diesmal 23,38 Prozent der Erststimmen holte, aber mit Platz neun auf der oberbayerischen Liste seiner Partei gut abgesichert war.

Schon angesichts der ersten Prognosen und Hochrechnungen, die nach 18 Uhr im Fernsehen einliefen, war es kein Wunder, dass am Wahlabend im Landratsamt bei der CSU strahlende Gesichter gab, während Vertreter aller anderen Parteien sich enttäuscht zeigten. An dieser Stimmungslage änderte sich auch nichts, als nach und nach die Ergebnisse aus den 17 Landkreiskommunen gemeldet wurden. Während sich die Mienen bei Seidenath und seinen Parteifreunden - darunter Landrat Hansjörg Christmann, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Dachaus Oberbürgermeister Peter Bürgel - im Laufe des Abends zusehends weiter aufhellten, wurden die Gesichter vor allem bei FDP, Freien Wählern und Grünen immer länger. Da schon relativ schnell feststand, dass die FDP den Einzug in den Landtag verpasst hatte, verließ ihr Direktkandidat Johannes Hohenthaner bereit gegen 19 Uhr das Landratsamt, als erst eine Handvoll von Ergebnissen einzelner Wahllokalen vorlagen. "So wie es ausschaut, hat der Wähler uns kein Mandat mehr gegeben", hatte er schwer enttäuscht bereits wenige Minuten nach 18 Uhr konstatiert.

Enttäuscht vom Bayern-Ergebnis war auch Martin Güll, der kurz nach 20 Uhr ins Landratsamt kam. "Wir haben uns mehr erwartet", sagte der bildungspolitische Experte seiner Fraktion, der am Sonntag bei den Erststimmen um etwa 2,6 Prozent schlechter abgeschnitten hat als vor fünf Jahren. "Diesmal ist der Seiteneinsteigerbonus weggefallen", versuchte er den Stimmenrückgang zu erklären. 2008 war er erst wenige Monate vor der Wahl Mitglied der SPD geworden. Güll zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass es mit dem Wiedereinzug in den Landtag klappen werde. Endgültig feststehen wird das frühestens am Montag, wenn alle einzelnen Zweitstimmen ausgezählt sind.

So lange muss auch der Präsident des oberbayerischen Bauernverbands, Anton Kreitmair aus Kleinberghofen, zittern, der auf Platz sieben der CSU-Liste stand. Er könnte als zweiter CSU-Mann aus dem Landkreis neben dem Direktkandidaten Seidenath in Maximilianeum einziehen. Bei Seidenath war auch diesmal zu beobachten, dass er deutlich weniger Erststimmen holte als Zweitstimmen auf seine Partei entfielen. Dennoch sagte er: "Ich bin mit dem Ergebnis hochzufrieden." Die Differenz zwischen Erst- und Zweitstimme sei unter anderem damit zu erklären, dass es zehn Direktkandidaten gegeben habe, die alle ihre eigene Klientel hätten, meinte er. Zudem attestierte er auch seinem schärfsten Konkurrenten Güll, dass dieser als Abgeordneter gute Arbeit geleistet habe. Erleichtert zeigte sich Seidenath, dass die CSU in Zukunft wieder allein regieren kann. "Der Koalitionspartner hat viel Sand ins Getriebe gebracht", erklärte er. Einen Großteil der Erststimmen dürfte ihm Martina Purkhardt von den Freien Wählern (FW) abgejagt haben, die mit 9,99 Prozent überraschend gut und deutlich besser als ihre Partei (6,64 Prozent) abschnitt.

Doch sind die Freien Wähler ebenso weit von ihrem Wahlziel entfernt geblieben wie die Grünen. Tatsächlich rutschte die Gruppierung im Landkreis von 10,59 auf 6,64 Prozent ab. "Der Wähler hat entschieden, das ist halt jetzt so", sagte der frühere FW-Kreisvorsitzende Franz Eichinger resigniert. Ähnlich ratlos zeigten sich auch Vertreter der Grünen am Sonntagabend im Landratsamt. "Ich habe definitiv nicht mit so einem Ergebnis gerechnet", sagte Grünen-Direktkandidat Achim Liebl, als die Hochrechnungen für seine Partei bayernweit etwa 8,5 Prozent voraussagten. Am Ende landeten die Grünen im Landkreis bei 6,55 Prozent nach 11,14 Prozent bei der Wahl 2008.