Dachauer Klinikum Abgang

Nach anhaltenden Konflikten mit der Helios-Spitze verlässt Krankenhauschef Bernward Schröter Dachau. Belegschaft und Kreispolitiker reagieren bestürzt und üben Kritik an dem Konzern.

Von Viktoria Großmann, Gregor Schiegl und Helmut Zeller

Nur zwei Sätze umfasst die Erklärung, mit der die Helios Kliniken GmbH das Ende einer Ära am Dachauer Klinikum markiert: Krankenhauschef Bernward Schröter habe zum 31. Dezember 2014 sein Vorstandsmandat niedergelegt. Und: "Wir bedanken uns bei Herrn Schröter für seinen außerordentlichen und wertvollen Beitrag zum Erfolg der Amper Kliniken AG und wünschen ihm für die weitere berufliche und private Zukunft alles Gute", erklärte Helios-Regionalgeschäftsführer Martin Jonas am Freitag. Hinter der Formulierung versteckt sich das Ende eines Konflikts, der bereits Anfang 2014 begann, als der Klinikenkonzern Helios mit Sitz in Berlin das Dachauer Krankenhaus übernahm. Ob Schröter gegangen worden ist, kommentierte Landrat Stefan Löwl (CSU) auf Anfrage nicht.

Der Landkreis hält 5,1 Prozent der Anteile an der Amperkliniken AG. Löwl sagte: "Ich danke Bernward Schröter für die vertrauensvolle und hervorragende Zusammenarbeit und wünsche ihm alles Gute." Informationen der SZ zufolge muss es zwischen dem Krankenhausmanager und dem neuen Inhaber ziemlich gekracht haben. Schröter soll konsequent für die Selbständigkeit des Amperklinikums eingetreten und damit zunehmend in Konflikt mit der eher zentralistischen Unternehmensleitung des Konzerns geraten sein. Deren Pressesprecher Heiko Leske erklärt dazu nur: "Über die Gründe der Trennung haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart."

Bernward Schröter galt als Vermittler zwischen Konzern und Belegschaft. Vom leitenden Arzt bis hin zur Reinigungskraft sei er beliebt gewesen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Auch die Aufsichtsratsvorsitzende Karin Gräppi wollte keine Gründe nennen. "Herr Schröter hat die Entscheidung getroffen, sein Amt niederzulegen", sagte sie. Aber der Betriebsratsvorsitzende Claus-Dieter Möbs sagt: "Ich glaube nicht, dass er aus freien Stücken zurückgetreten ist. Er hat immer wieder durchblicken lassen, was für ein Druck auf ihm lastet." Schröter sei in der Belegschaft sehr geschätzt worden. Weil viele bereits geahnt hätten, dass er geht, würden bis Ende März viele leitende Kräfte das Klinikum verlassen, sagt Möbs. Das werde ganze Abteilungen lahmlegen.

Die personelle Änderung an der Spitze hatte sich seit Längerem angedeutet: Schröter war, als das Amperklinikum noch zur Rhön Klinikum AG gehörte, alleiniger Vorstand. Dann wurde Helios-Regionalgeschäftsführer Martin Jonas zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Jonas führt nun in Dachau auch die Geschäfte, bis ein Nachfolger für Schröter gefunden ist. Bernward Schröter war seit Juni 2011 am Amperklinikum, zu dem auch das Indersdorfer Krankenhaus gehört. Sein Vertrag wäre noch bis zum Mai 2016 gelaufen. Der Aufsichtsrat stimmte der Vertragsauflösung am 29. Dezember zu. Am Freitag wurden die Führungskräfte im Amperklinikum informiert, wie Heiko Leske mitteilte. Landrat Löwl hatte den Kreisräten per E-Mail am Dienstag, 30. Dezember, den Umbruch mitgeteilt.

Nicht rechtzeitig und nicht ausreichend informiert fühlt sich Michael Reindl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag. Fraktionsübergreifend reagieren die Politiker mit großem Bedauern. Reindl spricht von einer "sehr unerfreulichen Nachricht". "Eine Hiobsbotschaft", nennt SPD-Politiker Harald Dirlenbach die Mitteilung. Schröter sei der Erfolgsgarant des Klinikums gewesen. Wolfgang Offenbeck, Vorsitzender der Kreistags-CSU erklärt, die medizinische Qualität und der wirtschaftliche Erfolg des Klinikums seien Schröters Verdienst. Marese Hoffmann von den Grünen erklärt, sie habe nach ihren letzten Gesprächen mit dem Betriebsrat Schröters Weggang bereits befürchtet. Schröter sei ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Belegschaft und Konzern gewesen. Während Offenbeck erklärt, er gehe davon aus, dass sich durch den Weggang Schröters an den von ihm maßgeblich mit vorangetriebenen Plänen zum Ausbau des Klinikums mit dem Standort Indersdorf nichts ändert, sieht Hoffmann die Zukunft des Krankenhauses mit "großer Sorge", wie sie sagt. Betriebsratsvorsitzender Möbs ist, wie er sagt, von Landrat Löwl persönlich enttäuscht: "Ich hatte gehofft, dass er sich öffentlich mehr für Schröter einsetzen würde." Das Amper-Klinikum mit den Standorten Dachau und Indersdorf hat insgesamt 520 Betten; nach Angaben von Helios wurden im vergangenen Jahr mehr als 41 000 Menschen medizinisch versorgt. Zur Helios-Gruppe gehören 110 eigene Akut- und Rehabilitationskliniken inklusive sieben Maximalversorger, 49 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren, elf Präventionszentren und 15 Pflegeeinrichtungen.