Bürgerprojekt in Altomünster Badesee auf Eis

Vierkirchen betreibt mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher seit fast 15 Jahren ein Naturbad.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In Altomünster wünschen sich die Bürger ein Naturbad. Es wird ein Verein gegründet, Geld gesammelt und ein Grundstück gesucht. Doch jetzt hält der Bürgermeister das Projekt aus finanziellen Gründen für nicht realisierbar

Von Benjamin Emonts, Altomünster

Jahrelang hegen die Altomünsterer nun schon den Wunsch nach einem eigenen Naturbad. Und sie haben viel dafür getan. Im Februar 2013 gründeten die Bürger extra einen Verein namens "Alto Bad", um ihren Traum zu verwirklichen. In Eigenregie trieben sie ein kostengünstiges Grundstück für das Naturbad auf und suchten eifrig Sponsoren. Erst Ende Juni dieses Jahres engagierte der Verein die einheimische Kabarettistin Martina Schwarzmann für ein Benefiz-Konzert zugunsten des Naturbad-Projekts, bei dem etwa 25 000 Euro zusammen kamen. Bloß hilft das offenbar alles nichts. Für das Projekt sieht es schlechter aus denn je. Der Altomünsterer Bürgermeister Anton Kerle (CSU) verkündet inzwischen öffentlich aus Bürgerversammlungen, dass er es aus finanziellen Gründen für nicht realisierbar halte. "Da führt im Moment kein Weg hin", sagt der Bürgermeister.

Die Gemeinde habe andere, wichtigere Aufgaben, die sie mit ihren überschaubaren Finanzmitteln bewältigen müsse, beispielsweise Straßenbaumaßnahmen und Kanalsanierungen. "Das Bad wäre eine tolle Bereicherung für die Gemeinde, aber wir haben dringendere Aufgaben", betont Kerle. Der Verein Alto Bad fühlt sich von seinen Aussagen vor den Kopf gestoßen. "Das ist mir neu", sagt die Vorsitzende Renate Farda aus Altomünster. "Ich glaube mittlerweile, dass die Gemeinde das Bad nie wollte, aber nicht weiß, wie sie uns von der Backe bekommen soll."

Vorbild Vierkirchen

Auf die Idee, dass ein Naturbad Altomünster gut stehen würde, waren vor einigen Jahren Augsburger Studenten gekommen, die sich in einer Studienarbeit Gedanken über die Entwicklung der Gemeinde gemacht hatten. Die Gemeinde Vierkirchen im Landkreis Dachau betreibt ein solches Naturbad mit der Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher sehr erfolgreich seit fast 15 Jahren. Dank des bereits vorhandenen Beckens einer früheren Kläranlage zahlte die Gemeinde nur eine halbe Million Euro. In Altomünster rechnet man mittlerweile mit dem Dreifachen. Wie eine Unterschriftenaktion damals unter Beweis stellte, waren die Altomünsterer von der Idee sofort angetan. Der frühere Bürgermeister Konrad Wagner soll laut Renate Farda damals angedeutet haben, dass die Gemeinde das Bad bauen würde, wenn sich unterstützend ein Interessenverein aus Bürgern finden würde. Der Verein Alto Bad hat mehr als 700 Mitglieder, darunter viele Kinder.

Die Fronten aber verhärteten sich über die Jahre. Der Verein Alto Bad wirft der Gemeinde heute vor, entgegen alter Versprechungen nicht hinter dem Projekt zu stehen und sich davonstehlen zu wollen. Bürgermeister Kerle und die Mehrheit der Gemeinderäte hingegen halten die Kosten für das Schwimmbad, die sie auf mindestens 1,5 Millionen Euro schätzen, für zu hoch für die Gemeinde. Außerdem betont Kerle, dass die Kommune weder als Bauherr noch als Betreiber des Schwimmbads auftreten wolle. Allein diese Aussage könnte das ganze Projekt zum Einsturz bringen. Denn das Schwimmbad selbst zu bauen, sei für den Verein Alto Bad keine Option, macht Vorsitzende Farda deutlich. Als Bauträger müssten die Privatpersonen aus dem Vorstand für das gesamte Projekt haften. "Wir können dieses Risiko nicht eingehen", sagt Farda.

Grundstück am Kalvarienberg wird hinterfragt

Der Gemeinderat sagte vor drei Jahren noch unter Bürgermeister Wagner eine Unterstützung von 350 000 Euro für das Projekt zu, an die er rechtlich gebunden ist. Trotz erster Pläne zur Gestaltung des Schwimmbads im Jahr 2014 geriet das Projekt ins Stocken. Die Frist für die Teilnahme am Leader-Programm, das aus Brüssel Zuschüsse in Höhe der Hälfte der Baukosten und zehn Prozent der Grundstückskosten versprochen hätte, ließ man verstreichen. Das günstige Grundstück, das der Verein für einen Preis von zehn Euro pro Quadratmeter am Kalvarienberg östlich von Altomünster auftrieb, wurde zunehmend hinterfragt, weil es angeblich in einer Kaltluft-Schneise liegen und eine ungeeignete Bodenqualität haben soll. Bürgermeister Kerle sagt der SZ: "Soll es mit dem Schwimmbad irgendwann klappen, müssen ein anderer Standort und ein deutlich günstigeres Konzept her."

Ein Planungsbüro, das auf Naturbäder spezialisiert ist, hatte die Kosten auf 980 000 Euro netto geschätzt. Bürgermeister Kerle aber geht davon aus, dass das Schwimmbad, nicht zuletzt wegen gestiegener Baukosten, 1,5 Millionen Euro plus x kosten würde. Selbst mit einer Förderung durch das Leader-Programm, die man wohl noch bekommen könnte, wären die Kosten in seinen Augen zu hoch für die Gemeinde. "Das ist eine Summe, mit der können und wollen wir uns nicht befassen. Da brauchen wir gar nicht zu planen."

Renate Farda hingegen hält das Projekt für realisierbar, wenn Verein und Gemeinde an einem Strang ziehen und die Leader-Förderung in Anspruch genommen würde. Der Verein wäre bereit, nach seinen Möglichkeiten ein mögliches Kostenloch zu decken. Auf der jährlichen Mitgliederversammlung an diesem Donnerstag im Barwerk in Altomünster (Beginn 19.30 Uhr) dürfte es einiges zu besprechen geben. Der Verein spiele auch mit dem Gedanken, ein Bürgerbegehren zu starten, um den Herzenswunsch der Bürger nach einem Schwimmbad zu unterstreichen.