Benefiz-Konzert in Altomünster Wortkaskaden

Die Kabarettistin Martina Schwarzmann begeistert 1600 Zuschauer - und bringt die Pläne für ein Altobad voran

Von Dorothea Friedrich, Altomünster

"Gscheid gfreid" haben sich am Freitagabend auf dem proppenvollen Altomünsterer Marktplatz rund 1600 begeisterte Zuschauer beim Benefizkonzert von Kabarettistin Martina Schwarzmann zugunsten des geplanten Altobads. Für Schwarzmann ein Heimspiel, denn sie lebt in der Marktgemeinde, wenn sie nicht gerade auf Tournee ist. Gescheid gfreid haben sich nach den Mühen der Organisation, des Aufbaus von Bierbänken und -tischen sowie der Bewirtung jedoch vor allem die Initiatoren des Projekts. Sie erhoffen sich neuen Schwung für ihr Vorhaben, in der Marktgemeinde ein Naturbad nach Vierkirchner Vorbild zu schaffen. Bis Schwarzmann jedoch nicht mehr "ins Badeasyl nach Vierkirchen" ausweichen muss, "braucht es Mut, die Sache jetzt anzugehen", wie es in einem kurzen, einprägsamen Film über das geplante Altobad heißt.

Mut, ihr Programm anzugehen, braucht Schwarzmann längst nicht mehr. Souverän singt und erzählt sie vom alltäglichen Wahnsinn mit Familie, drei Kindern und der Verwandtschaft. Sie lässt sich auch von beharrlichem Glockenläuten nicht aus dem Konzept bringen. "Koa des sei, dass irgendwer vergessen hat, den Pfarrer einzuladen", fragt sie von der Bühne herab. Denn "a Sterbeglockn is des net", stellt sie mit Kennermiene fest. Was sie in bester Schwarzmann-Manier zu dem Vorschlag führt, man solle bei Todesanzeigen doch Kleidergröße und Gewicht des Verstorbenen angeben, auf dass Interessenten sich mit Second-Hand-Ware eindecken könnten: "Was das für Ressourcen spart". Vom Ressourcensparen zum 70. Geburtstag von Tante Helga ist für Schwarzmann nur ein gedanklicher Katzensprung. Locker vom Hocker nimmt sie die mehr oder minder geliebte Verwandtschaft aufs Korn, direkt und rabiat in der Sprache, aber niemals verletzend. Nicht einmal dann, wenn sie selbst vor Lachen glucksend die Macken des spätgeborenen Cousins Bernie schildert, "dieser fleischgewordenen Menopause".

Der Marktplatz in Altomünster ist proppenvoll, als Martina Schwarzmann auftritt.

(Foto: Toni Heigl)

Wie auch immer: Die "Nachbesprechung von Verwandtschaftsfeiern" auf der Heimfahrt führt mit der Schwarzmann eigenen Logik zum unlösbaren "Geheimnis von Ordnung, Sauberkeit und der Jahreszeit angemessenen Dekoration" bei multitasking-fähigen Müttern, die sogar die Unterhosen ihrer Lieben bügeln. Ihr Fazit: "Multitasking is a Riesenscheißdreck". Dann doch lieber Federvieh nach der Devise "Wenn Kinder, dann nur mit drei Henna, ab drei Kindern a Sau". Wer sonst kann denn den Brezn- und sonstigen Batz der Kids noch sinnvoll verwerten? Zudem lässt sich im Hennagartn wunderbar davon träumen, was wäre, "wenn mir amoal fad wär". Was sich die lachenden und immer wieder zustimmend mit dem Kopf nickenden Zuschauer angesichts der Schwarzmann'schen Wortkaskaden irgendwie nicht so recht vorstellen können. Schon gar nicht, wenn sie von der Grabpflege erzählt, "einer Tätigkeit, die man durch Einheiraten erworben hat". Ihr floraler Lieblingsfeind ist die auf Gräbern so beliebte Eisbegonie: "Wenn a Gschwür blüha könnt, tät's ausschauen wie a Eisbegonie".

Schwarzmann ist keine politische Kabarettistin. Kritische Bemerkungen gibt es gut verpackt nach der Art von "der Weltfrieden is insgesamt a Timing-Sach" oder wenn sie "Mit Gott um die Welt" reist und ihr Wille geschieht. Dann wird mal eben der Monsanto-Chef beerdigt, "den hat der Blitz beim Scheißen derschloagn". Viel lieber aber beschäftigt sich Schwarzmann mit Alltäglichkeiten, sehr zur Gaudi ihrer Zuschauer. Da erklärt sie beispielsweise umständlich, aber treffend, warum sie ein Haushaltsopfer und keine Hausfrau ist: Der Gutsherr, so ihre Lesart, ist der, dem das Gut gehört, die Hausfrau sei aber nie die Frau, der das Haus gehört. Deshalb sei sie ein Haushaltsopfer, "ein Berufsbild, in das man hineingeschwängert wird". Was ihr bei der Bewältigung familiärer Krisen hilft, etwa wenn der Gatte vor dem Mittagessen noch dringend Ordnung in der Küche machen will? "Mia glangt, dass i woaß, dass i kant, wann i woin dat."

Die Kabarettistin lebt selbst in der Gemeinde und unterstützt die Initiatoren eines Naturbads mit ihrem Konzert.

(Foto: Toni Heigl)

Was die Kabarettistin besonders gut kann, ist sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das gipfelt in herrlich absurden Tipps zur Body-Optimierung. Gegen (gefühlte) O-Beine empfiehlt sie, sich "ein Wammerl anfressen, Fett absaugen und das an die Knie pappen". Schon etwas ernster ist ihr Aufruf zu mehr Toleranz: "Dicke diskriminieren Dünne, und Dünne diskriminieren Dicke". Wer mag, kann das in größerem Zusammenhang sehen. Auf alle Fälle zeigt diese Beispiel, wie es Martina Schwarzmann gelingt, Gescheitheit und Spaß an der Freud in Einklang zu bringen.