Bebauungsplan Das vierte Gymnasium bringt nicht nur Freude

Die Gemeinde Karlsfeld stellt die Pläne für den ersehnten Schulneubau vor. Anwohner befürchten steigendes Verkehrsaufkommen und das Gebäude ist ihnen zu hoch

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Bürgermeister Stefan Kolbe stellt den Karlsfeldern die Pläne für das vierte Gymnasium vor.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Es ist der Traum vieler Karlsfelder, Landkreisbürger überhaupt, aber auch von Familien, die im Münchner Norden wohnen: ein Gymnasium, ganz modern, nahe der S-Bahn; pro Jahrgang eine Ganztagsklasse sowie flexible Betreuungsangebote am Nachmittag. Doch nicht alle freuen sich: Auf einer Informationsveranstaltung der Gemeinde Karlsfeld äußerten viele Bürger Bedenken und Einwände gegen das geplante Gymnasium - wegen der Bauausführung aber auch wegen des steigenden Verkehrsaufkommens. Noch ist das alles aber ohnehin Zukunftsmusik. Hinter verschlossenen Türen wird aber bereits seit langem eifrig geplant. Während der Landkreis Dachau und die Landeshauptstadt München noch am Vertragswerk basteln und um die eine oder andere Formulierung ringen, ebnet die Gemeinde Karlsfeld derzeit den Weg für die neue Schule. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan ist schon gefasst.

Einen genauen Entwurf, wie das Gymnasium einmal aussehen soll, gibt es indes nicht. Fest steht nur, dass man nicht, wie es früher üblich war, Klassenzimmer rechts und links vom Gang abgehend plant. Grundlage soll das Münchner Lernhauskonzept sein: Dabei werden immer vier Klassenzimmer um eine zentrale Mittelfläche angeordnet. Für die architektonische Ausgestaltung soll 2019 ein Wettbewerb stattfinden. Eine Jury wird dann entscheiden, welches Konzept am besten passt. Derzeit legt die Gemeinde Karlsfeld die Rahmenbedingungen dafür fest. Auf 2,5 Hektar Fläche soll das Gymnasium gebaut werden, die Zufahrt auf jeden Fall von der Bayernwerkstraße erfolgen. Einen Stich mit Wendemöglichkeit haben die Städteplaner vorgesehen. Radler und Fußgänger können aber bis zum parallel verlaufenden Lärchenweg zum Gebäude gelangen.

Maximal 60 Prozent der Grundstücksfläche darf bebaut werden, so die Vorgaben im Bebauungsplanentwurf. Darin enthalten ist neben dem Schulgebäude eine Vierfachturnhalle und eine Tiefgarage mit zwei Fahrradhäuschen. Im Norden sind die Gebäude maximal 13 Meter hoch, im Süden 16,5 Meter. "Viel zu hoch. Da schaue ich ja gegen eine riesige Mauer", klagte sofort ein Anwohner. Etwa 100 Interessierte waren gekommen. Andere befürchteten eine starke Verschattung ihrer Gärten. "So ein Riesenklotz", rief einer. Landrat Stefan Löwl (CSU) versuchte zu beruhigen: "Über die Kubatur kann man nichts sagen. Es wird kein Betonklotz, sondern ein Bau mit unterschiedlichen Höhen und Struktur. Ich habe da Vertrauen in die Kraft der Architekten. Es wird eher eine lockere Campusatmosphäre." Planer Werner Dehm vom Büro Opla erinnerte an die Abstände zu den Nachbarn, die doch einigermaßen groß seien. Mindestens 13 Meter müssten die Architekten von der Grundstücksgrenze zur Ackerstraße hin wegbleiben. An einigen Stellen werde es sicher mehr sein, so Dehm. Neben dem Areal, auf dem der Schulneubau entsteht, wird eine Fläche von mehr als einem Hektar Größe zunächst freigehalten. Sie ist für Erweiterungen entweder der Schule oder der Kindertagesstätte nebenan vorgesehen.

Große Aufregung unter den Bürgern verursachte das Gutachten des Verkehrsplaners. Er prognostizierte eine starke Zunahme des Verkehrs auf der Bayernwerkstraße. Etwa 3200 Fahrzeuge kämen jeden Tag von Norden, 2300 rollten von Süden über die Hauptverkehrsroute, erklärte Christoph Hessel vom Büro Gevas. In Zukunft würden es an Werktagen 5900 von Norden und 4200 von Süden sein, prophezeite er. Also fast eine Verdoppelung des Verkehrsaufkommens. Die Ursache allerdings sei nicht die Schule, stellte der Ingenieur klar. Beim Bringverkehr rechnet er mit knapp 400 Fahrten, auch die Beschäftigten würden etwa 380 Fahrten machen, so der Experte.

Man hofft, dass die meisten Schüler angesichts der Nähe zum S-Bahnhof mit der S-Bahn kommen oder eben mit Bussen, für die parallel zur Bayernwerkstraße ein kleiner Abstecher gebaut werden soll, auf den die Busse zur Haltestelle fahren und die Kinder ohne Gefahr einsteigen können. Außerdem sind am Rand der Bayernwerkstraße Haltebuchten für die Wagen der Eltern vorgesehen, die ihre Kinder bringen. Die Tiefgarage bietet Platz für 160 Autos. Anwohner befürchten , dass die umliegenden Wohngebiete zugeparkt werden könnten. Andere zeigten sich erschreckt von den Prognose des Verkehrsingenieurs. "Wir kommen ja jetzt schon nicht mehr aus der Südenstraße heraus", sagte einer, viele andere pflichteten ihm bei. In der Kastanienstraße sei es ähnlich, erklärte eine Mutter. "Das wird ein Monsterverkehr", meinte ein Anwohner der Ackerstraße. Man müsse ja auch bedenken, dass der Schulverkehr nicht über den Tag verteilt sei, sondern dass alle morgens innerhalb von einer Stunde eintreffen würden.

Insgesamt planen Landratsamt und Stadt München mit 45 Klassen, pro Jahrgang sind fünf Parallelklassen vorgesehen. "Knapp 400 Bringdienste für 45 Klassen kommt mir wenig vor", kritisierte einer die Berechnungen. Hessel sagte, das seien Zahlen, die man an anderen Gymnasien ermittelt habe, etwa in Grünwald. "Es ist eine weiterführende Schule. Da wird nicht mehr jeder gebracht", erklärte er. Eine Mutter bekannte freimütig, dass sie zwar auch nur fünf Minuten entfernt wohne, ihre Kinder aber dennoch mit dem Auto zu Schule und Kindergarten fahre, weil sie auf ihrem Weg zur Arbeit lägen. "Unser Ziel ist es, dass der Verkehr nicht weiter in die Wohnstraßen rein drängt", versicherte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU).

Noch können Einwendungen gegen den Bebauungsplan im Karlsfelder Rathaus abgegeben werden, sagt Bauamtsleiter Günter Endres. Ende Juni werden die Gemeinderäte voraussichtlich all diese Bedenken diskutieren. Auch die Behörden werden sich bis dahin äußern. Bis Oktober hofft Endres das Verfahren zu Ende zu bringen. Baubeginn soll 2021 sein.