Beate Walter-Rosenheimer, Grüne Frauen und Kinder zuerst

Beate Walter-Rosenheimer ist im Bundestag im Jugendausschuss und in der Kinderkommission - die Themen liegen der fünffachen Mutter am Herzen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Grüne Beate Walter-Rosenheimer will weiter in Berlin Politik machen

Von Viktoria Großmann, Dachau

Die Grünen sind noch immer eine kleine Partei. Gerade neun Bundestagsabgeordnete vertreten Bayern in Berlin, eine von ihnen ist seit 2012 Beate Walter-Rosenheimer. Die Germeringerin ist im Landkreis Fürstenfeldbruck seit neun Jahren Kreisrätin, ihr Wahlkreisbüro hat sie in der Dachauer Altstadt an der Brucker Straße 1. Die 52-Jährige ist die einzige Kandidatin in diesem Jahr, die schon weiß, wie das im Bundestag so läuft. Als Nachrückerin nahm sie 2012 den Platz der langjährigen Vorsitzenden im Finanzausschuss, Christine Scheel, ein. Die studierte Psychologin Walter-Rosenheimer sollte nun Obfrau im Ausschuss für Wirtschaft werden. "Ich habe mir den Wecker auf fünf Uhr morgens gestellt und gelesen, gelesen, gelesen." Mit Ehrfurcht spricht Walter-Rosenheimer von ihrer Aufgabe. Von den ersten Malen im Bundestag unter dem Bundesadler.

Grün habe sie schon immer gewählt. Ganz im Gegensatz zum Vater, der 1983, als die Turnschuhpolitiker das erste Mal in den Bundestag einzogen, um den Fortbestand der Demokratie fürchtete. Politik fand daheim in Schwabing am Küchentisch statt. So hält es Walter-Rosenheimer auch mit den eigenen fünf Kindern. Die beiden jüngsten gehen in diesem Jahr erstmals wählen. "Ich frag' sie nicht, für wen sie sich entscheiden", sagt die Bundestagsabgeordnete.

Walter-Rosenheimer ist Mitglied in der Kinderkommission, dem Jugend- und dem Bildungsausschuss. Politische Bildung von klein auf ist ihr ein Anliegen. "Demokratie kann man nicht auswendig lernen", sagt sie, "das muss man erleben." Indem schon Kinder Mitsprache- und Mitmachmöglichkeiten bekommen. Natürlich müssten sie auch die Wirkung ihrer Mitsprache sehen. "Sonst verlieren sie die Lust." Da geht es ihnen nicht anders als den Erwachsenen.

Walter-Rosenheimer selbst musste hartnäckig überredet werden, sich zu engagieren. Vor 16 Jahren trat sie in die Partei ein. Nachwuchssorgen haben alle Parteien, und Frauen sind besonders schwer zu animieren. "Die sind halt realistisch und fragen sich: Schaff ich das auch noch? Neben Beruf und Kindern?" Ohne ihre eigene Mutter, so sagt Walter-Rosenheimer, hätte das alles nicht funktioniert. Heute sind die Kinder selbständig, dafür pflegt die Politikerin ihre kranke Mutter.

Auch aus diesen Erfahrungen heraus steht die Politikerin hinter einem Recht auf Rückkehr in den Vollzeitjob. Die SPD hatte sich, obwohl in der Regierung, mit diesem Vorhaben nicht durchsetzen können. Ansonsten gibt es derzeit wenig Übereinstimmungen zwischen den sich sonst so nahestehenden Parteien. Ende des Braunkohleabbaus, Tempolimit, Dieselbesteuerung: das sind Ziele der Grünen, aber nicht der SPD. Doch sie kämpfen um Sichtbarkeit. "Ich bin sehr viel in ganz Bayern unterwegs", sagt Walter-Rosenheimer. Dass sie sich nur um ihren eigenen Wahlkreis kümmert, ist nicht drin. Dafür sind die Grünen zu wenige.

Auf Bundesebene fordert Walter-Rosenheimer eine Ausbildungsgarantie gegen den Fachkräftemangel. Dass besonders im Dachauer und Brucker Land viele Betriebe schlicht keine Lehrlinge finden, ist ihr aber auch bewusst. Für die Grüne ist ein Einwanderungsgesetz eine Antwort darauf. Das könnte Betrieben Sicherheit geben, die Flüchtlinge einstellen. Wirkung auch in der Region könnte Walter-Rosenheimers Einsatz für eine bessere Versorgung von Kindern haben, deren Eltern an psychischen Erkrankungen leiden. Im Herbst wird in Berlin eine Kommission eingesetzt, die erforscht, wie diese Kinder unterstützt werden können. Dafür hat sie Allianzen über Parteigrenzen hinweg gebildet. "Das ist ein Detail, aber immerhin etwas, das ich geschafft habe." Eine bescheidene Einschätzung: Betroffen sind etwa vier Millionen Kinder in Deutschland.