Bauausschuss vertagt Entscheidung Lange Leitung

Der TSV möchte, dass diese Stromkabel unter dem Spielfeld liegen. Dadurch verzögert sich die Aussiedlung.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Eine Stromtrasse über dem neuen TSV-Gelände soll in die Erde verlegt werden. Das Verfahren ist kompliziert und teuer

Von Viktoria Großmann, Dachau

Soll die Leitung unter die Erde, oder nicht? Eine Entscheidung darüber, ob die 110-Kilovolt-Stromleitung in Dachau Ost dereinst über den Köpfen der Sportler auf dem TSV-Gelände schweben wird oder doch unter ihren Füßen liegen soll, haben die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss vertagt. Aufgrund geltender Beschlusslage aus dem Jahr 2014 und weil der TSV Dachau 1865 mit Unterstützung vor allem der CSU unbedingt erreichen will, dass die Stromleitung vom Himmel in die Erde kommt, hat die Stadtverwaltung erneut den Aufwand dargestellt, der dafür nötig ist.

Die Stromleitung läuft über die Flächen, welche die Stadt mittlerweile östlich der Theodor-Heuss-Straße für die Aussiedlung des zweitgrößten Sportvereins der Stadt mit etwa 2500 Mitgliedern gekauft hat. Weil die Jahn-Halle schon lange große bauliche Mängel aufweist und es außerdem an Fußballfeldern mangelt, soll eine Teilaussiedlung begonnen werden. Obwohl noch nicht alle benötigten Grundstücke gekauft werden konnten. Bisher gibt es eher grobe Vorschläge zu dem Hallenkomplex der dort entstehen könnte. Je nach Planung inklusive Vereinsgaststätte und Geschäftsstelle. Der Verein hat bisher deutlich gemacht, dass er auf der Erdverkabelung besteht. Zum einen aus gesundheitlichen Gründen. Zum anderen, weil Platz verloren geht, wenn zur bestehenden Leitung Abstandsflächen eingehalten werden müssen. Der Verein schlägt vor, zwei zweigeschossige Hallen zu errichten. Bleibt die Leitung oben, wäre nur eine ebenerdige Halle möglich. Der Vereinsvorsitzende und parteilose Stadtrat Wolfgang Moll legte in einen Schreiben vom 24. April dar, dass dann nur der Sportstandort an der Alten Römerstraße aufgelöst werden könnte. Die Jahn-Halle hingegen müsste saniert werden, was etwa 6,5 Millionen Euro kosten könne.

Doch die Verlegung eines Erdkabels ist ebenfalls kostspielig und zudem sehr langwierig. Das heißt, die reine Verlegung könnte in vier Monaten geschehen. Doch der Weg dahin ist sehr lang. Es geht konkret um 1,2 Kilometer. In der Erde aber liegen bereits andere Kabel und Leitungen. Diese dürfen sich nicht die Quere kommen. Auch eine Wasserleitung ist darunter. Das Aufreißen der Erde geht auch nicht ohne weiteres. So hat die Untere Naturschutzbehörde bereits Bedenken angemeldet, weil in der Reschenbachaue geschützte Pflanzen wachsen. Außerdem soll für die zukünftigen neuen Bewohner in Augustenfeld eine Unterführung unter der Theodor-Heuss-Straße gebaut werden, sodass diese gefahrlos den Erholungsraum an der Würm erreichen können. Nicht zuletzt wurde die bestehende Freileitung erst 2012 vom Betreiber ertüchtigt und soll für die nächsten 40 Jahre halten. Entsprechend erhielt die Stadt auch eine Absage, was eine Kostenbeteiligung angeht. Im Jahr schätzte man diese auf 2,3 Millionen Euro. Schwierig wird es, wenn Grundstückseigner sich den Bauarbeiten verweigern. Dann müsste ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, das Jahre dauern und dazu führen kann, dass Grundstücksbesitzer enteignet, aber auch entschädigt werden müssen. Das Ganze würde also noch teurer.

Nur noch ärgerlich

Wie sich Stadtrat und TSV 1865 in den Planung für das Sportgelände verheddern, ist für die Bürger nicht mehr nachvollziehbar Kommentar von Viktoria Großmann mehr...

Die Stadträte waren ob des finanziellen und zeitlichen Aufwands etwas ernüchtert und beschlossen, den Verein erneut zu fragen, ob er angesichts der langen Wartezeit auf der Erdverkabelung besteht. Auch die Grundstücksbesitzer sollen gefragt werden, ob sie grundsätzlich den Bauarbeiten zustimmen. Allerdings ist zur Zeit nicht klar, wo genau die Leitung verlaufen würde. Das muss durch weitere aufwendige Prüfungen festgestellt werden.