Ankündigung einer Wende Aufbruchsstimmung in der SPD Haimhausen

Lange Jahre dümpelte der SPD-Ortsverein vor sich hin - und plötzlich laufen ihm neue Mitglieder zu. Der Schulz-Effekt weckt Hoffnung.

Von Helmut Zeller, Haimhausen

Die 5000 Einwohner große Gemeinde Haimhausen, eine der reichsten im Landkreis Dachau, ist eine sozialdemokratische Diaspora; zwar ist die SPD bei Bundestagswahlen zweitstärkste Kraft, die CSU jedoch fährt konstant um die 50 Prozent der Stimmen ein. Also leicht haben es die Genossen nun wirklich nicht. In den Bundestagswahlen seit 2005 fiel ihr Zweitstimmenergebnis von 24 Prozent (2005) auf 16 (2009) und stieg geringfügig auf gut 18 Prozent (2013). In den vergangenen Jahren reichte ein langer Wirtshaustisch für das knappe Dutzend Genossen, das sich zum "Ascherfreitagsfischessen" versammelte. In diesem Jahr ist alles anders: Der Haimhausener SPD-Chef Michael Kausch begrüßte gleich drei neue Mitglieder, die innerhalb vier Wochen eingetreten waren.

Woran das liegt? Die SPD Haimhausen profitiere von der bundesweiten "Schulzmania", sagt Kausch. Nun ist der SPD-Ortsvorsitzende keineswegs vom Aufwärtstrend der deutschen Sozialdemokratie so geblendet, dass er meinen würde, in der Bundestagswahl im September werde sich das politische Kräfteverhältnis in der Ampergemeinde grundlegend ändern. Aber im Landkreis zeigt die CSU schon eine gewisse Nervosität - diesmal müssen sich die Christsozialen richtig anstrengen und kämpfen, denn Kanzlerkandidat Martin Schulz verhilft der SPD derzeit zu einem beispiellosen Höhenflug. Beim traditionellen politischen Fischessen der CSU in Karlsfeld zeigte sich sogar der sonst so schwer zu erschütternde Bürgermeister Stefan Kolbe besorgt: "Wir wollen und müssen das Direktmandat halten", sagte er. "Es wird schwierig; man kann Schlimmes erahnen."

Anstecker mit dem Konterfei des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz beim Politischen Aschermittwoch in Vilshofen.

(Foto: dpa)

Das Direktmandat für den Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck war seit Jahrzehnten eine sichere Bank für die CSU. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, die nicht mehr kandidiert, war stets unangefochten. Ihre Nachfolgekandidatin Katrin Staffler wird es ohnehin schwer haben, da sie im Dachauer Land kaum bekannt ist.

"Der Aufbruchsstimmung im Bund muss jetzt auch eine Aufbruchsstimmung im Land folgen", hofft der SPD-Unterbezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Martin Güll. Allein in den vergangenen Tagen seien im gesamten Landkreis zehn neue Mitglieder eingetreten. "Damit es allerdings wirklich aufwärts geht, müssen wir wieder klar machen, warum es gerade jetzt die SPD braucht."

In Haimhausen jedenfalls verbreitet sich schon Aufbruchsstimmung. In diesem Jahr reichte ein Wirtshaustisch nicht mehr aus. 18 Mitglieder und Freunde der SPD trafen sich am "Ascherfreitag" und begrüßten die drei neuen Parteifreunde: zwei langjährige Haimhausener und ein Genosse, der als Parteiloser aus dem "roten Dortmund" kam, um ausgerechnet in der bayerischen Diaspora Sozialdemokrat zu werden. Kausch sagte: "Ihr seid genau im richtigen Moment eingestiegen. In der Politik ist es wie an der Börse: Wer einsteigt, wenn der Kurs unten ist, der nimmt das Wachstum voll mit. Und die SPD erlebt gerade einen rasanten Kursanstieg. In Bayern ist das besonders dramatisch, denn hier ist der Aufstieg besonders steil."

Michael Kausch hat 2015 den SPD-Ortsverein Haimhausen übernommen. Kausch ist seit 40 Jahren Sozialdemokrat und vertritt die Werte von Solidarität und sozialer Gerechtigkeit, wie er sagt.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Michael Kausch sieht noch einen anderen Grund dafür als Schulz: "Ich weiß aus zahlreichen Gesprächen, dass sich viele Bürger vor allen Dingen um die Zukunft von Demokratie und Toleranz sorgen", sagt er mit Blick auf den wachsenden Rechtspopulismus. "Die gute alte SPD war und ist immer schon eine Heimat für alle, die sich gegen autoritäre Bewegungen wehren." Die Haimhausener SPD hofft jetzt nicht gleich auf einen Wahlsieg, aber doch auf ein besseres Abschneiden ihres bisher eher glücklosen Kandidaten Michael Schrodi. Eins ist schon klar: So viel Spaß hat der SPD der Wahlkampf schon lange nicht mehr gemacht.