Anfeindungen gegen Juden nehmen zu Ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen

Landrat Stefan Löwl, die KZ-Gedenkstätte und der Runde Tisch gegen Rassismus unterstützen Aufruf zu einer Kundgebung

Der Aufruf richtet sich zwar an die Münchner, aber gerade auch Dachauer könnten sich angesprochen fühlen. Landrat Stefan Löwl (CSU) jedenfalls demonstriert mit am Freitag, 8. Juni, am Jakobsplatz - gegen Antisemitismus. "Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder beziehungsweise immer noch in Angst vor Beschimpfungen und Beleidigungen, vor Ausgrenzung oder gar vor gewalttätigen Übergriffen leben müssen", schreibt der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in seinem Aufruf zu der Solidaritätsaktion. Politische, kirchliche und zivilgesellschaftliche Vereinigungen und Organisationen unterstützen die Aktion: auch die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Auf der Kundgebung spricht auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Die Veranstaltung beginnt um 14.30 Uhr vor der Ohel-Jakob-Synagoge und dem Jüdischen Gemeindezentrum. Beide Gebäude symbolisieren die Rückkehr der Juden ins Herz der Stadt vor zwölf Jahren. Vor 80 Jahren, am 8. Juni, wurde auf Anweisung Hitlers die Hauptsynagoge der Münchner Juden an der Herzog-Max-Straße zerstört. "Dieser Gewaltakt zerstörte eines der größten und prachtvollsten jüdischen Gotteshäuser Europas und damit die Herzkammer der Münchner jüdischen Gemeinde", so Charlotte Knobloch in einer Pressemitteilung.

Dachau spielte eine bedeutende Rolle in der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden: Ein Viertel aller insgesamt 200 000 Gefangenen des Konzentrationslagers und seiner Außenlagern war jüdischer Herkunft. Unter den ersten Häftlingen 1933 waren schon einzelne Juden. Bis 1937 stieg ihre Zahl auf 200 bis 250 Gefangene an. Im Sommer 1938 nach der Annektierung Österreichs verschleppte die SS weitere 1434 Juden nach Dachau. Bei den Novemberpogromen 1938 wurden mehr als 26 000 jüdische Männer verhaftet, ungefähr 11 000 wurden in das KZ Dachau deportiert. Die Lager-SS isolierte sie von den anderen Häftlingen und übte einen schrecklichen Terror auf die Opfer aus, auch mit dem Ziel, sie ihrer letzten Vermögen zu berauben und zur Auswanderung zu erpressen. Innerhalb von zwei Monaten kamen 151 Juden ums Leben. Im Sommer 1944 wurden erneut fast 35 000 "arbeitsfähige" Juden aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Litauen und Polen über Auschwitz-Birkenau und das KZ Warschau nach Dachau und in seine Außenlager verschleppt. Jeder dritte überlebte Terror und Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie nicht.

Charlotte Knobloch mahnt: "Ich hätte nicht gedacht, dass man zulassen würde, dass Antisemitismus wieder eine ernsthafte Bedrohung für jüdische Menschen in unserem Land werden würde. Leider zeugen die täglichen Vorkommnisse von einem erstarkenden aggressiven Judenhass, der auf allen Ebenen unserer Gesellschaft zu finden ist." Landrat Löwl will durch seine Teilnahme ein Zeichen setzen: Beim Thema Antisemitismus dürfe es in Deutschland und gerade in München und Dachau keinerlei Toleranz geben. Judenhass müsse rechtlich bestraft und politisch bekämpft werden. Auch persönlich sei es ihm ein wichtiges Anliegen, Stellung zu beziehen. In Dachau hat sonst nur noch der Runde Tisch gegen Rassismus zur Teilnahme an der Solidaritätsaktion aufgerufen.