CSU-Vorstoß zum Konzertsaal Sinfonie mit Parkharfe

  • Kann eine umgebaute Philharmonie am Gasteig einen weiteren Konzertsaal überflüssig machen? Offenbar nicht.
  • Ein neues Gutachten zu den Gasteig-Plänen fällt vernichtend aus.
  • Nun machen Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle und Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid einen anderen Vorschlag: Der Konzertsaal soll in den Olympiapark.
Von Christian Krügel und Frank Müller

Der neue Konzertsaal soll im Olympiapark auf dem Areal des heutigen Eissportzentrums gebaut werden. Mit diesem gemeinsamen Vorschlag wollen Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle und Münchens Bürgermeister Josef Schmid (beide CSU) den Streit um ein neues Konzerthaus beenden und möglichst bald dessen Bau angehen. Die Idee, eine umgebaute Philharmonie am Gasteig könnte einen weiteren Saal überflüssig machen, habe sich wohl zerschlagen. Deshalb müsse man jetzt rasch eine neue "tragbare, belastbare Option" entwickeln, sagte Spaenle am Sonntag der SZ.

Die Fläche im Olympiapark könne dies sein: Das Eislaufzentrum soll 2018 ohnehin abgerissen werden, das Gelände ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto bestens zu erreichen, Parkplätze gibt es bei BMW und in der Olympia-Parkharfe schon jetzt reichlich. Gegenüber der BMW-Welt sei genau der richtige Platz für ein weiteres architektonisches und städtebauliches Highlight, sagt Bürgermeister Schmid, der im Rathaus für Kultur zuständig ist. Er sieht darin "eine letzte Chance": "Entweder wir finden einen guten Standort und ziehen alle an einem Strang, oder München wird sich grenzenlos blamieren."

Symphonien auf Eis

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Seit Februar hatten Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eigentlich einen anderen Plan verfolgt: Freistaat und Stadt bauen gemeinsam die Philharmonie um, die sich dann Münchner Philharmoniker und BR-Symphonieorchester teilen sollten. Ein weiteres Konzerthaus sollte damit überflüssig sein. Dafür hagelte es Kritik aus der Musikwelt, und nun gab es auch noch eine deutliche Warnung der eigens bestellten Gutachter. In einer noch unter Verschluss gehaltenen Studie heißt es, diese sogenannte Zwillingslösung sei zwar technisch machbar; doch die Orchester hätten mit erheblichen finanziellen und künstlerischen Nachteilen zu rechnen.

Offiziell vorgestellt werden soll das Ergebnis des Gutachtens erst am Dienstag, und Kultusminister Ludwig Spaenle verweist ausdrücklich darauf, dass "die politische Bewertung" natürlich Ministerpräsident Seehofer und OB Reiter vorbehalten bleibe. Trotzdem sei es jetzt sinnvoll, realisierbare Alternativen ins Gespräch zu bringen. Und die sieht der Kultusminister nicht mehr an den Standorten, die zuletzt noch am besten bewertet worden waren.

Am Ende verlieren alle

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Ein Konzerthaus im Finanzgarten sei zwar realisierbar, sagte der Kultusminister, aber die Einwände von Anwohnern und Naturschützern seien massiv. Und auch von einer Lösung am Deutschen Museum rückt Spaenle ab: Unabhängig vom Widerstand des Museums gebe es dort so viele Probleme mit Denkmalschutz und Erschließung.

Ganz anders dagegen am Olympiapark: Dort gebe es, schwärmt Spaenle, genügend Platz für einen Saal mit "Weltarchitektur und Weltakustik in einer weltbekannten Silhouette". Tatsächlich ist derzeit noch völlig offen, was aus dem Areal der heutigen Eislaufhalle werden soll. Wenn das neue Eisstadion von Red Bull südwestlich des Olympiastadions fertig ist, soll die alte Halle, die nicht unter Denkmalschutz steht, abgerissen werden. Das wird vermutlich 2018 sein.

Olympiapark-Chef Arno Hartung hatte deshalb schon im Dezember den Aufsichtsrat dringend gebeten, sich Gedanken über eine Nachnutzung zu machen - bislang ohne Ergebnis. Dafür beschloss der zuständige Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart im März mit den Stimmen von CSU und SPD, das Areal für einen Konzertsaal ins Gespräch zu bringen. Für Spaenle ein ganz entscheidendes Argument: "Ein Vorschlag für einen Standort muss aus der Mitte der Bürgerschaft kommen und große Akzeptanz haben." Das sei hier der Fall.

Neuer Standort darf in Debatte "nicht wieder versemmelt" werden

Inwieweit Ministerpräsident Horst Seehofer in die Idee eingeweiht ist, ließ Spaenle offen. Ein Vorstoß zweier CSU-Spitzenpolitiker ohne eine solche Abstimmung ist aber schwer vorstellbar. Am Rande der CSU-Klausur in Andechs ließ Seehofer durchblicken, dass er von seinem Gasteig-Plan abrücken könnte. Eine Lösung könne auch darin bestehen, dass es einen neuen Standort gebe. "Dabei lege ich größten Wert darauf, dass der nicht wieder versemmelt wird in der Debatte", sagte der Ministerpräsident. Er halte am Versprechen für einen neuen Saal fest.

Staat, Stadt, der BR für seine Orchester sowie private Spender sollten das Projekt im Olympiapark gemeinsam schultern, findet Spaenle. Tatsächlich gehört das Areal der Stadt München. Die könnte das aber bereitwillig zur Verfügung stellen, wenn sich der Staat im Gegenzug an der ohnehin fälligen Sanierung des Gasteig-Kulturzentrums beteiligt. Spaenle und Schmid ließen diese Frage am Sonntag offen.

Der Bürgermeister sprach von "technischen Details", die zu klären sein werden. Die SPD als Bündnispartner im Rathaus müsse er aber erst noch einweihen. Er könnte sogar auf Zustimmung der Grünen hoffen: Florian Roth, deren Fraktionschef im Stadtrat, schrieb am Samstag auf Facebook, man müsse über neue Standorte außerhalb der Innenstadt nachdenken - zum Beispiel im Olympiapark.