Cro in der Muffathalle Putziger Panda-Pop

Die Sanitäter sind gut beschäftigt, es sind vor allem schulpflichtige Mädchen da: Der Rapper Cro beweist bei seinem Konzert in München, dass er mehr als nur ein Teenie-Idol ist. Er verkörpert das, was einen Popstar der Gegenwart ausmacht.

Von Michael Moorstedt

Das Rap-Phänomen Cro.

(Foto: dapd)

Szenen eines Pop-Konzerts, so wie man es sich vorstellt: Ab und zu verteilt die Band Wasserflaschen an die Besucher, trotzdem sind die Sanitäter gut beschäftigt. Das Publikum besitzt eine deutlich weiblich gefärbte Stimmlage. Kein Wunder, die ersten zehn Reihen sind fast durchgängig von schulpflichtigen Mädchen besetzt. Ach ja, erwachsene Begleiter gibt es auch, sie wurden im hinteren Teil der Halle geparkt. Mit verschränkten Armen wundern sie sich darüber, was einen Popstar der Gegenwart ausmacht.

Cro, der Mann, um den es geht, sieht auch wirklich seltsam aus mit seinem schlaksigen Jungenkörper und der putzigen Pandamaske, die zu seinem Markenzeichen geworden ist und die er während des knapp anderthalb Stunden dauernden Konzerts kein einziges Mal abnimmt.

Es ist einzigartiger Marsch durch die Entertainment-Institutionen, die Cro, bürgerlich Carlo Waibel, im letzten Jahr hingelegt hat. Und die Fans der ersten Stunde konnten den Aufstieg ihres Idols beinahe in Echtzeit mitverfolgen. Von der ersten Single auf Youtube über das erste Album auf einem Indie-Label und zwei Tracks in den Top-Ten bis hin zum Auftritt bei Markus Lanz' "Wetten, dass..."-Premiere.

Cro ist mehr als nur ein Teenie-Idol, er ist auch die Hoffnung der siechen Musikindustrie auf Genesung. Dementsprechend selbstbewusst treten der junge Mann, gerade 22 Jahre alt, und seine Band auf. Beeindruckende Lightshow in der seit langem ausverkauften Muffathalle, die Menschen werden von den Stroboskopen geblendet.

Das alles wird mit sehr eingängigem Hip-Hop präsentiert, für den, so viel Gründungsmythos muss sein, auch gleich ein neues Genre erfunden wurde. Raop, eine Mischung aus Rap und Pop, gibt Cro also hier zum besten. Wie sich das anhört? Der Sound erinnert an die Hamburger Hip-Hop-Schule der späten Neunziger, geradlinige, antreibende Beats mit durchaus anspruchsvollen Samples versetzt. In seinen Texten rappt Cro beständig darüber, dass nun die Zeit für ihn selbst und also auch die Fans gekommen ist, dass die Welt geil und dass das andere Geschlecht zwar sehr faszinierend, aber eben ziemlich rätselhaft ist.

Und das ist vielleicht der simple Schlüssel zum Erfolg, glaubwürdige Adoleszenzlyrik mit hohem Identifikationspotenzial. Man ist fast gerührt von so viel jugendlicher Unbedarftheit.