Lydia Dietrich, 53, Politologin, Grünen-Stadträtin:"Ich war schon ein Stück älter, etwa 37. Ich denke, mit 15 kann ein Outing eine sehr belastende Lebenssituation sein, das war es für mich nicht. Mein Vater hat das gar nicht mehr so mitgekriegt, weil er schon krank war und kurz darauf gestorben ist. Meine Mutter war sehr ablehnend. Ich habe aber nichts anderes erwartet, weil sie sehr katholisch-religiös lebt. Ich habe ihr Bilder von Freunden beim Christopher Street Day gezeigt, sie hat gefragt, was das ist, und ich habe es ihr erklärt. Und dann hat sie gefragt: ,Du bist doch nicht auch . . .?' - sie spricht die Wörter ,schwul' und ,lesbisch' nicht gerne aus. Da habe ich gesagt: ,Doch, ich lebe lesbisch.' Da wurde sie ein bisschen blass und hat erst mal gar nichts mehr gesagt. Ein paar Minuten später kam der Satz: ,Wie kannst du mir das antun?' Sie hat meine Partnerin später kennengelernt und war sehr offen ihr gegenüber, aber das Thema als solches anzusprechen, hat sie bis heute nie geschafft. Trotz ihrer Reaktion war es eine Erleichterung, dass es raus war."

Ruth Eisenreich

25. Januar 2014, 11:182014-01-25 11:18:48 © SZ vom 25.1.2014/bica