Von Von Michael Schleicher

Sind Comics Kunst? Heftig diskutiert wird diese Frage seit vielen Jahren und vermutlich werden auch die Veranstalter des Comic-Kongresses in der Pasinger Fabrik darauf keine Antwort geben können. Dafür aber bieten sie einen äußerst ambitionierten Zugang zum Thema. Einer ihrer Schwerpuntke liegt bei der Zeichner-Avantgarde aus Italien.

Es ist unanständig, fremde Tagebücher zu lesen. Gewiss. Dennoch ist es aufregend. Und wenn die Gedanken, Wünsche, Erlebnisse obendrein noch mit großflächigen Bildern in kräftigen Farben illustriert werden, ist die Lektüre ein ganz besonderes Erlebnis:

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Der italienische Comic-Zeichner Stefano Ricci hat mit "Anita" (erschienen im Avant-Verlag) das gezeichnete Tagebuch einer Kellerin vorgelegt, die für ihr Leben gern das benutzte Geschirr ihrer Gäste fotografiert.

Gabriella Giandelli hat nachdenkliche, verstörende und komische Texte beigesteuert, die einen spannenden Dialog eingehen mit dem intensiven, plastischen Artwork - denn Ricci arbeitet, als gestalte er ein Relief.

Mafia-Krimi mit wenigen Strichen

Ein ganz anderes Bild zeigt sich dagegen bei Igort. Der Italiener, dessen richtiger Name Igor Tuveri ist, erzählt in "5 ist die perfekte Zahl" (ebenfalls vom Avant-Verlag publiziert) schnörkellos und spannend einen klassischen Mafia-Krimi: Der alte Mafioso Peppino beendet seinen vom Angeln erfüllten Ruhestand, um auf einem privaten Feldzug die Ermordung seines Sohnes zu rächen.

Während Ricci kräftige Farbtöne auf die Seiten spachtelt, koloriert Igort seine Geschichte zurückhaltend, ergänzt das Grau-Schwarz nur manchmal mit blassen Blautönen. Sein Strich ist klar, direkt, schonungslos. Er braucht nicht viel, um seine beklemmenden Stimmungen zu schaffen: Neapel bei Nacht, bei Regen. Menschen, die zu Schatten und Schemen werden. Geschickt spielt der Künstler mit den Mitteln des Film noir.

Igort ordnet sein Artwork bewusst der Handlung unter, wie er im Interview mit dem Magazin Plaque erklärt: "Ich wollte eine Geschichte erzählen, in der die Zeichnungen den Text unterstützen und nicht narzisstisch auf sich selbst verweisen."

So unterschiedlich Igort und Stefano Ricci arbeiten, beide gehören zur Comic-Avantgarde aus Italien, deren Bücher erst allmählich hierzulande rezipiert werden. Der "Comicologische Congress", der von morgen an in der Pasinger Fabrik und zahlreichen anderen Veranstaltungsorten stattfindet, widmet sich in einem seiner Schwerpunkte der italienischen Comic-Szene. Unterstützt wurden die Macher dabei von der Kulturabteilung des italienischen Generalkonsulats.

Künstlerisch und kunstvoll

Ausgestellt werden etwa Originale von Igort und Ricci: "Die beiden zeigen in ihren sehr unterschiedlichen Arbeiten überzeugend, wie künstlerisch und kunstvoll Comics sein können", erklärt Congress-Veranstalter Ralf Palandt. Außerdem wird es in der Pasinger Fabrik Ausstellungen mit Arbeiten von Guido Crepax und des Zeichentrickfilmers Osvaldo Cavandoli geben, dessen "La Linea" zur Zeit auf den Infoscreens in Münchens U-Bahnhöfen läuft. Das Filmmuseum beteiligt sich mit der Ausstellung "Signor Rossi & Co" und einer Retrospektive auf Bruno Bozzettos Trickfilmklassiker am Congress.

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