Man entwickelt wohl automatisch ein Gespür für das Skurrile im Alltag, wenn man so viele verschiedene Dinge macht wie Moses Wolff und dabei gelegentlich auch einen gewissen Abstand zu sich selbst halten kann. Er kann zum Beispiel saukomisch darüber erzählen, wie er noch zu Schulzeiten mit Freunden die erste Band gründete: "Björn und ich zeichneten täglich neue Plattencover und legten bereits fest, welches das erste, das zweite und das dritte Album werden sollte, ohne auch nur eine Sekunde an Texten oder Kompositionen gearbeitet zu haben." Immerhin war seine Sandkastenfreundin Carolyn Breuer beinahe mit von der Partie, wenn denn aus der geplanten Band jemals etwas geworden wäre. Die Breuer ist heute eine weltbekannte Jazz-Saxophonistin.
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Auch Moses Wolff macht heute noch Musik. Perlen vor die Säue nennt sich das Bandprojekt, das eigentlich auch wieder eine Art Kabarett-Show ist. Überhaupt hat er sich nach den ersten Versuchen in Sachen Musik ja doch mehr aufs Wort verlegt als auf die Töne. Nach dem Abitur begann er, Theaterwissenschaften zu studieren, befand aber schnell, dass die Praxis mehr Spaß machte und ging auf eine Schauspielschule. Die Karriere begann hoffnungsvoll, gleich nach der Schule bekam er in George Taboris Stück "Mein Kampf" eine Sprechrolle als Hitlerjunge am Staatsschauspiel.
Recherche auf der Wiesn
Aber das klassische Theater war offenbar nicht so sein Ding; Wolff spielte Anfang der Neunziger in verschiedenen Kabarett- und Musikkabarettgruppen, etwa zusammen mit Arthur Senkrecht im "Trio Farfadet" oder im "Sonntagsclub" von Philipp Sonntag, auch ein Zwischenspiel in Berlin gehört in diese Zeit. Zahlreiche kleinere Rollen in Film und Fernsehen kamen hinzu, aber die kleinen, absurden Rollen auf der Bühne lagen ihm damals schon am besten.
Und so spielt Moses Wolff in der "Teaserama"-Show in der vogelwilden Striptease-Bar "Schwarze Katz" mit, in der 60-jährige Stripperinnen gemeinsam mit Kabarettisten auftreten, und ist einer der Erfinder von "3 Minutes Madness" im Starsky's des Kunstparks Ost: eine Standup-Comedy-Show, bei der jeder Teilnehmer drei Minuten Zeit hat, die Leute zu unterhalten (inzwischen gibt es die Show wieder, und zwar donnerstags im Café Cord in der Sonnenstraße 19).
So spielt sich Moses Wolff also mit lauter Miniaturen quer durch die Münchner Szene, mal als griechischer Macho, mal als "indischer Vollweiser" Moses Shanti, als Wildbach-Toni oder auch als Sänger bei Perlen vor die Säue. Der Lebenskünstler darf dabei freilich nicht zu kurz kommen, schließlich hilft das dem Kabarett ja weiter.
Und so kann man sich nie ganz sicher sein, ob das jetzt schiere Gaudi oder doch auch Recherche sein wird, wenn sich Moses Wolff in Kürze wieder beinahe täglich auf der Wiesn rumtreibt.
An diesem Donnerstagabend liest Moses Wolff einen eigenen Text beider Vorstellung des Buches "Wiesn-Liebe" im "Substanz", Ruppertstraße 28. Beginn ist um 20 Uhr.
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(SZ vom 09.09.2010/sonn)
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und der wird auch immer mehr zum Alpen Qualtinger, der ist am besten wenn er ein wenig grantig ist.