Von Frauke Biereder

Eigene Räume, Küche, Bar und Bühne: Der Club F3 hat alles. Hier trifft man sich regelmäßig zum ratschen, tanzen, essen. Allein der Nachwuchs fehlt.

Mit hochroten Wangen steuert Elise auf ihren Tisch zu. "Nach so langer Abstinenz vom Tanzboden war der Rock 'n' Roll ein bisschen viel für meine eingerosteten Gelenke", erklärt sie lachend und lässt sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Ihre Augen strahlen. So wohl hat sie sich lange nicht gefühlt.

Bild vergrößern

(© Foto: ddp)

Anzeige

Mit der Arbeitslosigkeit kam auch die Einsamkeit. Erst seit ein paar Jahren in München, hatte die 59-Jährige Freunde und Bekannte in ihrer Firma - nun musste sie sich einen neuen Kreis suchen. Den hat sie vor drei Monaten beim Club F3 gefunden. Plötzlich ist alles machbar geworden: Tanzen, Langlaufen, Wandern, Essen, ins Kino oder in Ausstellungen gehen, Konzerte besuchen oder einfach nur beisammen sitzen und plaudern. Alles ist möglich. Sie ist nicht mehr allein.

Rund 300 Männer und Frauen genießen die lockere Atmosphäre eines Clubs mit eigenen Räumen in der Sophienstraße 1. Dort ist jeden Abend jemand anzutreffen. Mal mit, mal ohne Programm. Vorträge, Gymnastik, Tischtennis, Volkstanz, Spieleabende für Schach- und Rommeespieler, aber auch englische Konversation, Laienspiel-Theater, Bälle und Discoabende finden hier statt.

Oder man trifft sich zu einem Ratsch. Seit 50 Jahren gibt es den Club F3 (Freunde Froher Freizeit) und sein umfangreiches Programm hat über die Jahrzehnte rund 4000 Freunde gefunden. Viele sind gekommen und gegangen, viele sind geblieben. Der Club wurde aus der Not von zwei "Übriggebliebenen" geboren. "Wir hatten einen großen Freundeskreis. Eines Tages fing er an zu bröckeln, bis nur noch wir zwei, der Adi Rösch und ich uns hatten", erzählt die 75-Jährige Trudy Mogl, die damals noch Mayer hieß.

Vor einem halben Jahrhundert war aber nicht die Zeit, wo eine Frau alleine ausgehen konnte. "Aus einem Lokal wurdest du rausgebeten, es blieb der Fünf-Uhr-Tee, ein Theaterbesuch oder der Ball der einsamen Herzen als Alternative", erinnert sich Trudy noch sehr gut.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Rocken in der Rentner-Disco
  2. Rocken in der Rentner-Disco
Leser empfehlen