Club Cord schließt Feiern mit Aussicht

Tanzen zu Indie-Musik mit freiem Blick auf die Sonnenstraße - dafür wird das Cord von seinen Stammgästen geliebt. Ende August wird der Club geschlossen. Doch die Betreiber wollen mit einem neuen Konzept weitermachen.

Von Sebastian Krass

Wenn Leute oder Musik mal nerven, bleibt immer noch der Blick nach draußen. Nirgendwo in München kann man so schön das Leben in der Stadt bei Nacht an sich vorbeiziehen lassen: die Taxen und die Trams und natürlich all die Vergnügung suchenden Menschen, die die Sonnenstraße entlang stolzieren, stöckeln und taumeln.

Club Cord

"Unsere Motivation hat einfach nachgelassen": Aleks Vulic schließt das Cord, denkt mit seinen Partnern aber schon über neue Klubkonzepte nach.

(Foto: Stefan Rumpf)

All das ist manchmal interessanter anzusehen als das, was drinnen passiert, auf der Tanzfläche und an den Bars. Die Lage macht den Cord Club zur Besonderheit in dieser Stadt: im ersten Stock, mit Panoramafenstern. Das Cord ist ein Klub mit Aussicht.

Und eins steht fest: Die Aussicht wird bleiben. Ansonsten wird nach dem 25. August kaum etwas bleiben, wie es seit acht Jahren ist in dem Klub an der Ecke Sonnen-/Landwehrstraße. Das Cord macht dann dicht. Die zwei Bars, das DJ-Pult, die Möbel, die holzverkleidete Deckenbeleuchtung - "kommt alles raus", sagt Aleks Vulic, der nicht nur das Cord mitbetreibt, sondern unter anderem auch das Café Jasmin und das Hotel Lux.

Seit Frühling sei der Entschluss gereift, erzählt er. Die ursprüngliche Idee, der Indie-Musik eine Nische zu geben - auch als Alternative zum Atomic Café- habe sich überlebt. "Inzwischen läuft das in jedem Radio, selbst im P1 und im Max&Moritz. Wir haben unseren Auftrag ausgeführt."

Das Cord war auch einer der ersten heute noch existierenden Klubs in der Sonnenstraße, die zur Partyzone wurde und inzwischen ganz anderes Publikum anzieht als vor acht Jahren. Aber damit habe die Neuplanung nichts zu tun, sagt Vulic. "Wir hatten nie viel Laufkundschaft, und wir schielen nicht nach links und rechts."

Aber es fiel schon auf in letzter Zeit, dass die Warteschlangen vor dem Cord nicht mehr so lang waren wie früher. Gab es wirtschaftliche Probleme? "Nein", sagt Vulic, "die Zahlen sind immer noch zufriedenstellend. Aber unsere Motivation hat einfach nachgelassen."

Andererseits seien seine Partner und er mit Anfang vierzig gerade noch jung genug, um ein neues Klubkonzept auszuprobieren. Details nennt Vulic nicht, "wir tüfteln noch". Weniger gitarrenlastig soll es werden, freier von speziellen Musikkonzepten. "Es soll ein Klub werden, in dem man sich noch mehr gehen lässt, der einen mit einer geilen Soundanlage gleich im Bauch erwischt", sagt Vulic.

Vulics Kollegen vom Atomic Café tragen sich derzeit ebenfalls mit Grundsatzüberlegungen. Der Klub muss bis Ende 2013 seinen Standort in der Neuturmstraße aufgeben, der Mietvertrag läuft aus, der Vermieter verlängert nicht mehr. Aber das Atomic soll an anderer Stelle neu eröffnen. Wo das sein könnte, will Betreiber Christian Heine noch nicht sagen: "Die Gespräche laufen noch." Womöglich werde es ein größerer Raum.

Auch er beobachtet das Verschwinden der Indie-Britpop-Nische. "Die Interessen der Leute sind breiter gefächert." Ganz ohne wird es im Atomic wohl auch künftig nicht gehen, "aber es werden wohl weniger Abende für Spezialisten. Wir müssen von unserem hohen Ross runter", sagt Heine. Aber die Atomic-Chefs haben noch ein wenig Zeit.

An der Sonnenstraße wird es schneller gehen. Vulic und seine Kumpanen wollen schon Ende September neu eröffnen. Und unter welchem Namen, wieder Cord oder doch was anderes? "Wissen wir noch nicht", sagt Vulic.