Christopher Street Day in München Schluss mit lustig

Für viele ist der Christopher Street Day eine schrille Spaßveranstaltung. Doch wenn am Wochenende in München tausende Schwule und Lesben feiern, wird die Parade politischer sein als in den Jahren zuvor. Denn neuerdings gibt es wieder mehr Anfeindungen gegen Homosexuelle - auch in Deutschland.

Von Andreas Schubert

Schrill, laut, bunt: An diesem Samstag ziehen sie wieder durch die Straßen, die Drag-Queens mit aufwendigen Kostümen, Männer und Frauen in Lack und Leder, und eher unauffällig Gewandete mit Transparenten, die sich gegen Homophobie und für Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen aussprechen.

Ob am Münchner Gärtnerplatz, im Rathaus-Innenhof oder am Marienplatz: Beim CSD geht es schrill und laut zu. Doch hinter der ganzen Gaudi steht ein ernstes Anliegen: Die Forderung nach Toleranz gegenüber Minderheiten.

(Foto: Catherina Hess)

Die Parade ist der Höhepunkt des CSD, des Christopher Street Day. Wie auch in den vergangenen Jahren fahren als Blickfang vorneweg die "Dykes on bikes", die lesbischen Motorradfahrerinnen.

Wenn um 12 Uhr am Münchner Marienplatz der Startschuss für die Parade gefallen ist, ziehen Tausende über Marienhof, Promenadeplatz und Stachus, dann weiter über Sendlinger Tor, Müller- und Corneliusstraße, Gärtner- und Reichenbachplatz sowie Isartor und Tal zum Viktualienmarkt. Mit 5000 bis 10.000 Teilnehmern rechnet CSD-Sprecherin Rita Braaz.

Und auf dem Programm stehen zwei Tage lang unter anderem Open-Air-Disco am Rindermarkt, Clubbing im Rathaus, Musikprogramm am Marienplatz - viel Spaß eben!

Doch während der CSD zuletzt von vielen nur noch als reine Gaudiveranstaltung wahrgenommen wurde, soll dieses Jahr der politische Aspekt wieder in den Vordergrund rücken. So hat Oberbürgermeister Christian Ude den diesjährigen CSD bereits als den "thematisch wichtigsten" der vergangenen Jahre bezeichnet. Denn das Motto "Fight for global rights - Solidarität kennt keine Grenzen" soll auf die Situation von Lesben, Schwulen und Transsexuellen in der ganzen Welt aufmerksam machen.

Die Meinung des Oberbürgermeisters teilt auch Rita Braaz. Denn in vielen Ländern werden Homosexuelle nach wie vor angefeindet oder sogar angegriffen. In Russland zum Beispiel wurden sogar Gesetze verschärft und die "Propaganda von Homosexualität" unter Strafe gestellt.

Das heißt: Schwule und Lesben sollen aus der Öffentlichkeit verschwinden, nicht einmal mehr öffentlich Händchen halten und erst recht nicht auf einer Parade auftreten. So wurde unter anderem der Christopher Street Day in St. Petersburg von den Behörden verboten, sehr zum Gefallen der russisch-orthodoxen Kirche.

Und auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew fiel die Parade wegen der Bedrohung durch rechte und religiöse Gruppen aus. "Erschreckende Nachrichten" nennt das Rita Braaz, sie sieht darin einen klaren Verstoß gegen die Menschenrechte. "Es kann nicht sein, dass im Jahr 2012 solche Unrechtsgesetze erlassen werden."