Der andere Grund: Die Münchnerin verweigert sich dem Zeitgeist, ihre Stoffe sind fern gängiger Sujets und weisen, oberflächlich betrachtet, wenig Gemeinsamkeiten auf: Sie beschäftigte sich mit Pop und mit Kastraten, schrieb einen märchenhaften Historienroman oder Punk-Hörspiele. Oder sie schreibt Gespenstergeschichten. Auch Serenity, die eigentlich nur als erdachte Figur im Internet existiert, ist so ein Geist. "Ich langweile mich schnell, deshalb schreibe ich immer so viel Verschiedenes", sagt sie. Ihre Texte verraten viel über ihre Autorin, verraten, dass Wunnicke ihre Geschichten zwischen sich und die sogenannte Realität stellt.

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Glauben an Ideale

Dieser Rückzug in andere Welten, die Verfremdung, das ist keine Masche, sie kann kaum anders. Selbst im Gespräch hat man das Gefühl, dass sie plötzlich verschwunden sein könnte. Weg, einfach so. Diese Zurückgenommenheit, diese Scheu wirkt in Zeiten, in denen sich viele Schriftsteller ständig an der optimalen Selbstpräsentation abarbeiten, anachronistisch.

Doch nur durch diese Distanz findet sie die Ruhe, ihre Welt so zu formulieren, dass sie einem gleichzeitig fremd und vertraut, ganz nah und doch unerreichbar vorkommt, utopisch und konkret. Und noch ein Anachronismus: Wunnicke glaubt an humanistische Ideale. Daran zum Beispiel, dass das Internet die Menschen doch zusammenbringen kann, dass die Technik das Potential hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, wenigstens im Kleinen.

In diesem altmodischen Denken liegt viel von der Qualität der Bücher von Christine Wunnicke begründet. Denn wer sich stets auf der Höhe der Zeit befindet, ist immer auch angepasst. Wunnicke hingegen gewährt dem Leser eine unerwartete Sicht auf die Dinge, die Entdeckung einer neuen Welt, die man irgendwoher schon zu kennen glaubt.

Preisverleihung mit Lesung: Donnerstag, 20 Uhr, Literaturhaus

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  1. Internet und Individuum
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(SZ vom 11.12.2008/af)