Die Menschen in Lateinamerika liebten den Vorgänger Johannes Paul II. Den Papst aus Bayern beobachten sie nun mit Interesse und hoffen, dass er auch bald zu ihnen reist. Wie eine Journalistin aus Venezuela über den Heiligen Vater berichtet.
Auch in Venezuela, der Heimat von Eucebelina Megias, war der Bayern-Besuch von Papst Benedikt ein großes Thema. Natürlich interessierten sich ihre Landsleute für den deutschen Pontifex, sagt die Journalistin. Aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger sei das Verhältnis der Venezulaner zu Benedikt XVI. eher kühl und distanziert.
Anzeige
"Die Menschen in Venezuela haben Johannes Paul II. sehr geliebt", sagt Megias. Zweimal hat dieser während seines Pontifikats das lateinamerikanische Land besucht.
Eucebelina Megias gehört zu den mehr als 3000 Journalisten, die von den Stationen der Papstreise berichten, darunter mehrere hundert aus dem Ausland. Noch einen Tag vor der Ankunft des Pontifex war eigens ein Pressezentrum für die vielen Berichterstatter in der Münchner Messestadt eröffnet worden.
Latinos sind keine Kirchgänger
"Am Sonntag sind wir an unsere Kapazitätsgrenze gestoßen", sagt Adelheid Utters-Adam von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats. Während der Messe in Riem war das Pressezentrum voll und alle Arbeitsplätze belegt. Vor allem aus katholisch geprägten Ländern wie Italien, Frankreich oder Polen waren Journalisten gekommen - aber niemand aus dem protestantischen Skandinavien.
Eucebelina Megias ist eine der wenigen Pressevertreter aus Lateinamerika. Sehr gläubig seien die Menschen in ihrer Heimat, erzählt die Journalistin, jedoch keine großen Kirchgänger. Der neue Papst wird skeptisch begutachtet, noch hat er Lateinamerika nicht besucht, der gute Eindruck, den sein Vorgänger hinterlassen hat, wirkt noch nach.
Eucebelina Megias arbeitet für die Regionalzeitung Diario Impacto im Bundesstaat Anzoátegui an der Karibikküste, beliefert außerdem den Radiosender Circuito Orbita und die Monatszeitung Expreso Latino - die sich speziell an in Europa lebende Lateinamerikaner richtet.
In Venezuela hat sie hauptsächlich über Kriminalität und Korruption berichtet, dagegen ist die Papstreise direkt entspannend - und vor allem weitaus ungefährlicher. Für Radio Orbita hat sie keine Beiträge gemacht, dafür live am Telefon den Hörern in Venezuela von ihren Eindrücken erzählt.
Perfekte Organisation der Deutschen
Besonders interessiert habe ihre Landsleute die Organisation der Reise, der großen Messen und Fahrten mit dem Papamobil. Die Journalistin zieht dann auch eine positive Bilanz des Papstbesuches und lobt vor allem die Organisation: "Die war wirklich sehr gut, allen Menschen wurde es ermöglicht, den Papst zu sehen."
Schwerpunkt ihrer Reportagen für Diario Impacto und Expreso Latino war die Beziehung des Pontifex zu Lateinamerika. Dass er am vergangenen Samstag in der Münchner Residenz Hilfe für Südamerika angekündigt hat, sei "sehr wichtig" gewesen, sagt Eucebelina Megias.
Interessiert hätten die Menschen in Venezuela und anderen südamerikanischen Ländern auch das Gespräch des Papstes mit Bundespräsident Horst Köhler verfolgt. Auch dass er sich mit Vertretern anderer Religionen und Kirchen getroffen hat, sei zu Hause gut angekommen, berichtet Megias.
Vor allem die Forderung Benedikts XVI., nach mehr Zusammenarbeit der Kirchen in Lateinamerika. Gerade die ländlichen Gegenden Venezuelas seien sehr arm, erzählt die Journalistin. Neben wirtschaftlicher und politischer Hilfe, werde vor allem soziale Unterstützung gebraucht, etwa um Drogenhandel und Prostitution zu bekämpfen. Der Papst habe diese Dringlichkeit erkannt, so Megias.
Die Journalistin hat auch Interviews mit Südamerikanern geführt, die den Papstbesuch in Bayern erlebt haben. Deren Reaktionen waren durchwegs positiv. Kein Wunder, sagt Eucebelina Megias, denn die meisten Lateinamerikaner seien sehr konservativ und sparten mit Kritik am Papst.
(SZ vom 14.9.2006)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Die neueste Antwort