Von C. Wild

Kondom über der Banane und Kalender zum Mitnehmen: Die Chippendales bedienen in München Frauenphantasien. Im entscheidenden Moment ist nichts zu sehen.

Schummriges Licht und aufgeregtes Geplapper. Keine einzige Männerstimme ist herauszuhören. Das Zelt des Deutschen Theaters in Fröttmaning gehört an diesem Abend allein den Frauen.

steve kim, copyright: chippendales

Traum einiger Frauen: ein Chippendale in Arbeitskleidung. (© Foto: Pressematerial Chippendales)

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An langen Tischen sitzen sie und werfen neugierige Blicke in Richtung Bühne: Freundinnen, Mütter, Schwiegermütter und Töchter. Sie stoßen mit Prosecco an. Ältere Damen mit grau meliertem Haar kichern wie Teenager. Die meisten Frauen haben sich herausgeputzt, das kleine Schwarze und Pumps dominieren. Parfumwolken liegen in der Luft.

"Mein Freund hat mir für heute Abend zwar viel Spaß gewünscht, aber nicht zu viel", sagt Valerie. Sie lacht und zupft ihr paillettenbesticktes Oberteil in Form. Dann geht das Licht aus im Saal. "Chippendales" ist in leuchtendem Pink auf dem noch geschlossenen Vorhang auf der Bühne zu lesen. Die Frauen kreischen wie auf einem Popkonzert, dann öffnet sich der Vorhang und auf der Bühne bewegen sich sieben Männer mit Sixpacks zum Rhythmus des Queen-Hits "We will rock you".

Wäre nicht jeder dieser Körper durchtrainiert, das Muskelspiel perfekt, der Hüftschwung gekonnt, dann würde man den Männern auf der Bühne wohl unrecht damit tun, sie auf ihr Äußeres zu reduzieren. Hier aber bewegen sich die Chippendales und ihnen eilt ein Ruf voraus.

Chippendales, so heißt die Unterhaltungsshow, die sich der indische Immigrant Somen ("Steve") Banerjee vor mehr als 30 Jahren in den USA ausgedacht hatte. Zunächst hieß sein Club in Las Vegas so, und dann tourte die Show - nackte Männer für angezogene Frauen - durch die Lande. Gründer Banerjee wurde später wegen Diskrimierung, Beleidigung, Anstiftung zum Mord juristisch belangt - und wurde im Oktober 1994 erhängt in seiner Zelle gefunden.

Die Show aber lief weiter. Derzeit existieren fünf Männer-Gruppen unter der Marke Chippendales , die meisten arbeiten die USA ab.

In München hat die zehnköpfige Gruppe an diesem Sonntagabend zwei Stunden eingeplant, Frauenphantasien zu bedienen. Es gibt zahlreiche Verweise auf die Homepage, den Fototermin nach der Show und den Verkaufsstand im Foyer inklusive.

Die Chippendales beginnen mit der Aufwärmphase. Drei Frauen werden auf die Bühne geholt, eine wird dazu animiert, möglichst sexy zu tanzen, die andere soll einen Orgasmus vorspielen, die dritte schließlich einer Banane ein Kondom überstreifen. Alle drei Damen meistern ihre Aufgaben ohne Probleme, zur Belohung bekommen sie ein Ständchen: "I'm your man", singt einer der Chippendales und jede Frau im Publikum darf sich angesprochen fühlen.

Routiniert wie Michael Jackson zu seiner besten Zeit greifen sich einzelne Chippendales immer wieder zwischen die Beine und entlocken ihrem Publikum entzückte Schreie. Als am Ende einer Nummer schließlich die Hüllen fallen, blickt ein ganzer Saal voller Frauen gebannt auf drei nackte Männer-Hintern.

Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Als nächstes holt einer der Chippendales eine junge Frau auf die Bühne und verbindet ihr die Augen. "It's getting harder to breathe", schallt es aus den Lautsprechern. Ein junger Mann in Jeans und Sakko, der eindeutig nicht zu den Chippendales gehört, betritt die Bühne und kniet vor der Frau nieder. "Ich möchte dich fragen, ob du meine Frau werden möchtest", haucht er ins Mikrofon und wird nicht enttäuscht. Die Menge tobt, so romantisch kann eine Stripshow sein.

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  1. Sie lesen jetzt ... und dann geht das Licht aus
  2. "Tender Torture"
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