Erster Auftritt nach beschlossener Trennung: Das Münchner Publikum zürnt den Philharmonikern - Dirigent Thielemann erhält geballte Sympathie.
Große Emotionen am Haidhauser Gasteig: Die Münchner Philharmoniker sind an diesem Donnerstagabend in der Münchner Philharmonie vor Beginn eines Bruckner-Konzerts ausgebuht und beschimpft worden.
Verlässt München: Generalmusikdirektor Christian Thielemann, hier bei einer Probe im Jahre 2004 (© Foto: AP)
Anzeige
Es war das erste Abonnementkonzert mit Generalmusikdirektor Christian Thielemann nach Bekanntwerden seiner aufsehenerregenden Trennung von dem Orchester zum Sommer 2011. Der Dirigent selbst wurde dagegen vom Publikum beim Betreten des Podiums demonstrativ bejubelt.
Umarmung zum Schluss
In der fast ausverkauften Philharmonie im Münchner Gasteig-Kulturzentrum stand an diesem Donnerstagabend Anton Bruckners 9. Symphonie auf dem Programm. Thielemann gilt als der derzeit beste Bruckner-Dirigent. Als Konzertmeister Sreten Kristic das Podium betrat und das Orchester mit dem Einstimmen begann, erhoben sich im Publikum heftige Unmutsäußerungen. Ein Zuhörer beschimpfte die Musiker sogar als "Intrigantenstadel".
Thielemann hatte einer Verlängerung seines derzeitigen Vertrags als Generalmusikdirektor der Philharmoniker nicht zugestimmt. Grund war eine vom Orchester gewünschte Vertragsklausel, nach der das Letztentscheidungsrecht über Gastdirigenten und deren Programme nicht bei Thielemann, sondern bei Philharmoniker-Intendant Paul Müller liegen sollte. Thielemann wollte diese Klausel nicht akzeptieren. Der Stadtrat hatte daraufhin im Juli entschieden, die Vertragsverhandlungen abzubrechen.
Der Streit zwischen dem Orchester und seinem Chef hatte monatelang die Öffentlichkeit bewegt. Am vergangenen Wochenende war überraschend bekannt geworden, dass der 50 Jahre alte Thielemann ab 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in Dresden wird.
Zuvor dirigiert Thielemann noch den Münchner Klangkörper, allein die besagte Bruckner-Symphonie wird noch dreimal, am 16., 18. und 19. Oktober, zum Besten gegeben - dann vielleicht ohne Buhrufe zu Beginn.
Dem gestrigen Konzert selbst waren die anfänglichen Spannungen nicht anzumerken. Den Philharmonikern gelang unter ihrem Noch-Generalmusikdirektor eine engagierte und bewegende Interpretation von Bruckners letzter, unvollendeter Symphonie. Nach Ende des Konzerts wurden die Philharmoniker und Thielemann dann einhellig bejubelt - was beim Dirigenten große Emotionen auslöste.
Er bedankte sich überschwänglich bei seinen Musikern, seinem Konzertmeister fiel er sogar um den Hals.
- Thema
- Christian Thielemann RSS
- Christian Thielemann Ade München, auf zur Wunderharfe 09.10.2009
- Münchner Philharmoniker Überwältigendes Paradoxon 05.04.2010
- Streit bei den Münchner Philharmonikern Weltstadt mit Zweifeln 25.09.2009
- Philharmoniker "Wir werden ganz offen in das Gespräch gehen" 18.09.2009
- Christian Thielemann Leichtigkeit mit Klangmagie 08.07.2009
(sueddeutsche.de/ddp-bay/odg)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Die neueste Antwort
Herrliches Sommerheater, dass sich nun in den Herbst fortsetzt. Am nächsten Mittwoch soll es noch einen Nachschlag in der SZ geben. Freuen wir uns also auf die Fortsetzung der unendlichen Geschichte.
Die Buh-Rufe für das Orchester finde ich bei ggf. berechtigter Kritik an einzelnen Musikern völlig unangebracht. Es sei denn, es kamen gleichzeitig mit den Musikern ebenfalls Indentant Paul Müller und Kulturreferent Hans-Georg Küppers in den Saal - dann hätte ich auch Buh gerufen.
Ich freue mich jedenfalls auf meinen ersten Abo-Abend in dieser Konzertsaison mit Christian Thielemann am 2. Januar 2010 mit Wagner - hoffentlich ohne Buh-Rufe.
Die Philharmoniker und Christian Thielemann haben bis zum Ende ihrer Zusammenarbeit allen Applaus verdient.
Der Standardbesucher will Abendkleidung ausführen, in der Pause mit Hern Dr. xy parlieren und vor allem am nächsten Tag von der Genialen Tat des berühmten Maestros schwärmen.
Die wenigsten kommen zum Musik hören. Das ist aber auch klar, kein Saal in München ist dazu so ungeeignet wie die Akustikkatastrophe Gasteig Großer Saal.
Aber egal, "....die Ausstrahlung von GD CT, einfach göttlich...."
Und dann auch noch Bruckner, die Philharmoniker können ihren Bruckner wahrscheinlich voll-trunken im Schlaf, noch von Celi in bester Interpretation, Dazu braucht es bestimmt keinen teuren Stäbchenschwinger Thielemann.