Carsharing in München Mit Billig-Autos gegen die Öko-Konkurrenz

Für Singles, Bahnfahrer oder Umweltbewusste

Viele Münchner wollen sich kein Auto mehr nur für sich selbst anschaffen. Die Lösung: Autos teilen. Der Carsharing-Markt an der Isar boomt und jede Firma schneidet ihr Angebot auf eine bestimmte Klientel zu. Die Anbieter im Überblick. mehr...

Das Ein-Euro-Auto: Ein US-Unternehmer drängt mit Billig-Fahrzeugen auf den umkämpften Münchner Carsharing-Markt. Er steht vor allem in Konkurrenz zum Öko-Anbieter Stattauto. Doch dort sieht man den Neuling gelassen.

Von Marco Völklein

Auch wenn der Anbieter "Zebra-Mobil" Mitte nächster Woche sein Angebot einstellen und seine 70 Fahrzeuge von den Münchner Straßen abziehen wird - Carsharing boomt an der Isar weiter. Am Donnerstag startete mit "Citeecar" ein weiteres Unternehmen in den Markt. Citeecar-Chef Bill Jones will vor allem mit Discount-Preisen neue Kunden zum Carsharing locken. 100 Fahrzeuge bietet das Unternehmen in München zunächst an; wenn das Angebot ankommt, sollen in den nächsten Monaten weitere folgen.

Der US-Amerikaner, der schon bei Autovermietern wie Hertz oder Easycar gearbeitet hat, will sich mit seinem Unternehmen an Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet orientieren. Die, sagt Jones, hätten mit ihren aggressiven Tiefstpreisen das Fliegen für die breite Masse erst ermöglicht und somit der Luftfahrtbranche einen Boom beschert. Ähnliches will Citeecar beim Carsharing erreichen: "Wir wollen ein Katalysator sein, um die Menschen und den Markt zu mobilisieren", sagt Jones.

Anders als bei den Konkurrenten "Drive-Now" oder "Car2go" können Nutzer die Citeecar-Autos nicht minutenweise mieten, sondern immer nur für eine oder mehrere Stunden. Pro Stunde berechnet Jones einen Euro Nutzungsgebühr, hinzu kommen 20 Cent pro gefahrenem Kilometer. Um das Angebot zu nutzen, müssen sich die Kunden bei Citeecar anmelden und eine monatliche Grundgebühr von fünf Euro berappen. Eine einmalige Registrierungsgebühr, wie sie etwa Drive-Now und Car2go verlangen, wird dagegen nicht fällig.

Damit macht Jones eher dem bisherigen Wettbewerber "Stattauto" Konkurrenz als den noch relativ jungen Anbietern Drive-Now und Car2go, die die Autokonzerne BMW und Daimler zuletzt gestartet hatten. Und in der Tat sehen sich die Citeecar-Leute "eher als Komplementär denn als Konkurrenz" zu den Carsharing-Töchtern der Autokonzerne. Zudem müssen Citeecar-Nutzer die Autos im Voraus buchen; Drive-Now und Car2go setzen dagegen mehr auf Spontannutzer.

Genügend Platz für alle im Carsharing-Markt

Aber selbst Stattauto-Chef Olaf Rau sieht die neue Konkurrenz entspannt: Sein Unternehmen bietet eine breite Modellpalette von Autos an, vom Kleinstwagen bis zum Transporter, die kaum ein anderer Anbieter vorhält. Citeecar hat dagegen nur ein Modell in seinem Fuhrpark: den Rio des südkoreanischen Herstellers Kia, der von der Größe her irgendwo zwischen VW Polo und VW Golf angesiedelt ist.

Ohnehin sind sich fast alle in der Branche einig, dass im Carsharing-Markt genügend Platz ist für viele verschiedene Anbieter: Die Beratungsfirma Frost & Sullivan zum Beispiel erwartet allein in Deutschland bis zum Jahr 2020 knapp 3,4 Millionen Carsharing-Nutzer. 2011 waren bundesweit erst 230 000 Nutzer registriert.

Um seine Kampfpreise anbieten zu können, hat Jones ein neues Modell entwickelt: Sogenannte "Hosts" können sich bei ihm bewerben und kümmern sich dann darum, dass das Auto regelmäßig gereinigt wird. Zudem wäre es gut, wenn sie einen Stellplatz, etwa einen Carport, bieten können. Im Gegenzug können die Kümmerer die Fahrzeuge vergünstigt nutzen. Da aber in München vor allem innerhalb des Mittleren Rings kaum jemand einen Stellplatz anbieten kann, hat Citeecar bei der Stadt Parklizenzen erworben. Damit dürfen die Autos in den jeweiligen Parklizenzgebieten abgestellt werden. Etwa 50 der 100 Autos stehen somit laut Jones innerhalb des Mittleren Rings zur Verfügung; die anderen 50 außerhalb davon.

Das macht das Angebot auch für die Verkehrsplaner der Stadt interessant: Denn Daimler und BMW haben mit ihren Autos bislang vor allem die Innenstadt geflutet; in Trudering oder Allach gibt es diese Angebote nicht. "Wir sind gespannt", heißt es im Kreisverwaltungsreferat, "ob das Angebot nun auch in der Peripherie vordringt."

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