Cafés Wie die Kaffeehauskultur mit dem Tambosi nach München kam

Vom Tambosi aus hat man den allerbesten Blick auf Feldherrnhalle und Theatinerkirche.

Die Braut des bayerischen Kurfürsten Maximilian wollte einst ein Stück Italien in die Stadt holen. Nun muss das Café am Hofgarten schließen.

Von Franz Kotteder

Eines wird München sehr fehlen im kommenden Frühling: Die Terrasse des Tambosi. Mit den ersten Sonnenstrahlen und ihrem milden Licht ist München hier so münchnerisch, dass es fast schon weh tut. Hier hat man den allerbesten Blick auf Feldherrnhalle und Theatinerkirche, hier treffen sich alle Schönheit und Nichtigkeit der Stadt zugleich, hier vereinen sich Geschichtsträchtigkeit und Oberfläche zu einem schlüssigen Gesamtbild. Würdige ältere Herren sitzen in Begleitung der Gattin ebenso vor ihrem Kännchen Kaffee wie sonnenbebrillte Tussis vor ihrer fettreduzierten Latte macchiato.

Doch das Café Tambosi macht am Jahresende zu, der Pächter gibt auf und verkauft unter www.tambosi.de und direkt im Café schon einmal die Einrichtung. Von Januar an wird dann drinnen erst einmal ein halbes Jahr lang saniert. "Es müssen zum Beispiel sämtliche Leitungen erneuert werden", heißt es bei der Eigentümerin, der Inka Odeonsplatz GmbH & Co. KG, und nachdem der alte Klenzebau länger nicht mehr saniert worden ist, bleibt auch sonst noch allerhand zu tun. Mehrere Monate wird das dauern. Natürlich soll dann wieder ein Kaffeehaus an diesem traditionsreichen Ort öffnen. Wer es dann betreibt, ist noch nicht klar, heißt es: "Wir haben ja auch noch etwas Zeit."

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Mit dem Tambosi begann die Kaffeehauskultur in München. Gegründet hat es ein Giovanni Pietro Sardi. Der war im Gefolge der Prinzessin Henriette Adelaide von Savoyen, der Braut des bayerischen Kurfürsten Maximilian, nach München gekommen. Henriette Adelaide war lange Zeit nicht glücklich an der Isar, hatte großes Heimweh und bemühte sich sehr, ein Stück Italien in die Stadt zu holen.

So erhielt Sardi 1775 die Erlaubnis, am Hofgarten einen Kiosk zu errichten und dort Kaffee, Limonade und Schokolade zu verkaufen. 1810 übernahm der in Rovereto am Gardasee geborene Luigi Tambosi das Kaffeehaus. Später wurde es dann in das neue "Bazar-Gebäude", das Leo von Klenze erbaute, integriert.

So ist die Münchner Kaffeekultur - anders als die in Wien, die mehr dem osmanischen Kulturkreis entstammt - im Grunde eine italienische. Was freilich über die Jahrhunderte hinweg wieder vergessen wurde, nachdem der einfach und vergleichsweise billig herzustellende Filterkaffee seinen Siegeszug angetreten hatte. Erst mit den Gastarbeitern in den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde die italienische Kaffeekultur in München wiederbelebt, und die "Frolleins" in den Cafés der Stadt waren alsbald mit dem Wunsch konfrontiert, den Cappuccino statt mit Sahne doch bitte mit geschäumter Milch zu servieren.

Die große Zeit der Kaffeehäuser aber war in München die Prinzregentenzeit und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie in Wien entstanden auch an der Isar fast schon prunkvoll ausgestattete Lokale, die weit mehr waren als nur Aufbrühstationen mit Kuchenverkauf, und in denen man ganze Tage verbringen konnte. Im Café Erbshäuser wurde angeblich die Prinzregententorte erfunden, im Café Luitpold die Luitpoldtorte (beide Lokale gibt es heute noch).

Alle Welt traf sich in den Kaffeehäusern, die Intellektuellen und die Künstler, die feinen Damen und die Honoratioren. Die einen kamen, um die verschiedenen Zeitungen zu lesen, die anderen zum Diskutieren und wegen der Geselligkeit. Die berühmte Schwabinger Boheme traf sich zum Beispiel im Café Stephanie, und vom Anarchisten und Dichter Erich Mühsam ist der schöne Satz überliefert: "Das Leben ist eine Begleiterscheinung zum Kaffeehaus."

Oh je, was Mühsam wohl zur neuen Münchner Kaffeekultur sagen würde, zu Starbucks und "Latte to go"? Möglicherweise würde er sich ja auch bestätigt fühlen: Wie das Leben, so auch das passende Kaffeehaus dazu... So betrachtet geht einem das Café Tambosi und seine Terrasse mit ihrer Leichtigkeit und ihrem sprödem Charme gleich noch ein bisschen mehr ab.

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