Cafés für Mütter mit Kind Tabaluga und Bambini

Sie forderten ihren Platz in der Öffentlichkeit, statt sich zurückzuziehen, "sie wollen ihre Lebensqualität halten, gehen arbeiten, shoppen, in Cafés, zum Sport" - nur eben alles mit dem Nachwuchs. Kirig betont, dass diese Begriffe und die dazugehörige Lebensform "mittlerweile im Mainstream angekommen" und nicht mehr Trendbezirken vorbehalten seien wie Prenzlauer Berg oder Glockenbachviertel. Daher ließen sich überall Zeichen dieser Entwicklung entdecken - zum Beispiel die schicken Müttercafés, wo Frauen mit Baby willkommen sind, sich aber die kinderlose Freundin nicht vorkommt wie in einer Stillgruppe. Vor der Tür parkt die Armada der großstadtpflastertauglichen Kinderwagen.

Pastellfarbene Wände, Muffins an der Theke und zischende Espressodüsen, das ist das gängige Erscheinungsbild der Münchner Oase für Jungfamilien zwischen Schwabing und Untergiesing. Sie heißen Tabaluga, Zuckertag oder Bambini und sind nicht zu vergleichen mit den Mutter-Kind-Kreisen im friedensbewegten Haidhausen der Achtzigerjahre. Kein Wunder, dass die Cafés mit Chai Tea auf der Karte und voll ausstaffierter Wickelstation gut ankommen. "Das sind Schnittstellen zwischen dem neuen Alltag und dem Lebensgefühl vor der Entbindung", sagt Kirig - und eine "Erleichterung für Mütter, die ihren Lifestyle weiter pflegen wollen".

Gelöste Atmosphäre im Kindercafe Nambini in Schwabing.

(Foto: )

Genau das aber scheinen in den Großstädten nicht alle gern zu sehen. In Berlin hat vor ein paar Wochen das zigmal durchgekaute Klischee von der hysterisch dominanten Prenzlauer-Berg-Mummy wieder großes Blätterrauschen verursacht. Und in München gibt es nicht wenige Cafés, die mit Bio-Kuchen und adrettem RetroDesign junge Mütter geradezu anziehen müssen, die sogar mit eigenen Kinderbereichen werben und sich trotzdem ihrer Sache nicht sicher sind, weshalb sie zum Beispiel in einem Zeitungsartikel lieber nicht genannt werden wollen. Dahinter wird wohl die Skepsis gegenüber einer Klientel stecken, die angeblich stundenlang vor einem Becher Kaffee sitzt und die süßen Kleinen mit mitgebrachten Brezen füttert.