Café "404 page not found" Am Gärtnerplatz gibt es wieder Subkultur

Das "404 page not found" ist tagsüber Café und Arbeitsplatz, abends eine Bar, aber bald auch ein Forum für Vorträge zu Netzpolitik.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Café Forum heißt jetzt "404 page not found". Dort sind die Getränke so günstig wie im Café Kosmos. Außerdem werden Netzdebatten geboten, und zwar nicht nur für Nerds.

Von Laura Kaufmann

Nachdem das Café Forum jahrelang Hungrige und Durstige bewirtet und Sonnenanbeter auf seiner Terrasse beherbergt hatte, standen dessen Räume seit dem Sommer leer. Über ein Vierteljahrhundert hatte Gastronom Martin Kolonko bis dahin die Institution im Glockenbachviertel betrieben. Aber da war zum einen der ewige Baustellenlärm und zum anderen war der Betrieb, seinerzeit recht einzigartig, auch ein wenig überholt.

Jetzt aber hat sich eine neue gastronomische Lebensform in der Müller-/Ecke Corneliusstraße eingenistet. Eine, die man in der durchgentrifizierten Gegend nicht unbedingt erwartet hätte. Ein Bier für 2,60 und ein Longdrink für 5,80 Euro, solche Preise findet der Münchner selten, im Glockenbachviertel erst recht; klingt eher nach dem Café Kosmos zum Beispiel. Und schon ist einer der Köpfe hinter dem 404 page not found gefunden.

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Kosmos-Betreiber Florian Schönhofer hat eine Truppe aus Kosmos- Import-Export- und GAP-Leuten (Louis Grünwald, Tuncay Acar, Hajo Bahner) versammelt, um die Räume zu bespielen. Für ihr ein Jahr dauerndes Intermezzo im Schlagschatten der Luxusimmobilie The Seven - im Viertel der Inbegriff der baugewordenen Gentrifikation - hat Schönhofer besondere Pläne: eine Mischung aus Workspace, Café, Bar, Debattierclub und Veranstaltungsraum. Seit längerem schon hatte er die Idee, Veranstaltungen wie Hackathons und Netzkongresse, die er für Puls und Zündfunk bewirtete, für ein breiteres Publikum interessant zu machen.

"Das klingt immer so sperrig, Hackathon, aber das Thema betrifft uns alle", sagt Florian Schönhofer. Da schadet es nicht, ein wenig informiert zu sein, welche Gefahren und Chancen zum Beispiel soziale Medien bergen. Zu solchen Themen will Schönhofer Vorträge und Diskussionen organisieren, aber, wie gesagt, mit einer niedrigen Hemmschwelle. Für alle, nicht nur für Nerds. "Wir wollen dieses Thema in die echte Welt bringen", sagt Schönhofer. "Kaum einer setzt sich damit auseinander."

Dass mittlerweile jeder Mensch, egal ob auf dem Spielplatz oder in der U-Bahn, auf sein Smartphone starrt, ohne sich näher mit der digitalen Welt zu befassen, will er von nun an ändern. Die Paulaner Brauerei, der das Gebäude gehört, unterstützt das finanziell.

Der Eintritt ist immer frei

Die analoge Welt des 404 page not found haben die Betreiber schon aufgebaut und letzte Woche eröffnet. Die Wände rot, der Boden Terrazzo-Linoleum, darauf Perserteppiche, Retrosofas und Topfpalmen. Eine Bar, eine kleine Bühne. Auf drei Seiten fällt großzügig Licht durch die Fensterscheiben ins Lokal. Stil gepaart mit Mut zur Hässlichkeit, das ergibt einen angenehm entspannten Auftritt im Vergleich zu den durchgestylten nackte-Betonwand-nackte-Glübirne-Look, der sich im Rest des Viertels mittlerweile allzu oft begutachten lässt.

Tagsüber gibt es Kaffee im 404 page not found, abends Bier, Wein, Longdrinks. Zu Essen höchstens eine einfache Brotzeit, "wir haben hier die gleiche Karte wie im Kosmos", sagt Schönhofer. Die günstigen Preise sollen möglich machen, dass wirklich jeder im 404 vorbeikommen kann. Eintritt ist immer frei, ob zu den geplanten Diskussionen oder zu den Konzerten, die zweimal im Monat stattfinden werden. Mal werden die Gäste vielleicht nach zwei Euro Aufschlag beim ersten Bier gebeten, aber wer sich die nicht leisten kann, fliegt auch nicht raus. In einer Stadt, die für die Nicht-Reichen immer unerschwinglicher wird, ist Florian Schönhofer das wichtig.

Im ersten Stock, über der Bar, die tagsüber ein Café ist, werden die frei gewordenen Büros als Räume für Kreative genutzt. Das Kreativkollektiv AG Pappenheim und das Dublab.de-Radio zum Beispiel sind eingezogen, ein Autor schreibt hier. Und plötzlich ist im Gärtnerplatzviertel wieder die Subkultur eingezogen. Die Betreiber wollen es allerdings bei einem Jahr Zwischennutzung belassen, "dann reicht es auch wieder", sagt Schönhofer.

Natürlich muss sich niemand mit den Tücken des Internets kritisch auseinandersetzen, sobald er ins 404 kommt. Tagsüber einen Cappuccino trinken und mit Freunden ratschen oder abends mit auf ein Bier vorbeizukommen und dabei gute Musik zu hören, so ganz analog, das ist schließlich immer eine schöne Sache.

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