Café Große Pause Zurück in die Penne
Impressionen aus der Großen Pause Zurück in die Penne
(Foto: Stephan Rumpf)Anzeige
Wie ein Klassenzimmer auf 15 Quadratmetern: Im Ladencafé "Große Pause" sitzt man auf knarzenden Schulstühlen - nur, dass es statt Unterricht ein iPad zum Zeitunglesen gibt. Der aufgemotzte Pausenverkauf könnte im Sommer eine Konkurrenz für den Kiosk an der Reichenbachbrücke werden.
Beim Vorbeigehen kann es passieren, dass man die "Große Pause" einfach übersieht. Über der Ladentür und dem Schaufenster stehen auf einer Holztafel immer wieder die Worte "Große Pause", wie eine Fleißarbeit im Schönschreibheft. Daneben steckt eine altmodische gelbe "Kaffee und Kuchen"-Fahne in der Wand. Nur der Fritz-Kola-Aufsteller vor dem Eingang deutet auf etwas Jüngeres hin.
Seit fast zwei Monaten ist das neue Ladenlokal von Tom Zufall, der auch die Olympiakneipe "München72" betreibt, in der Baaderstraße geöffnet und wird von den Bewohnern im Viertel nach und nach entdeckt. Immer wieder bleiben die Leute beim Vorbeigehen stehen und schauen, was aus der Eisdiele, die im Sommer 2012 ein paar Wochen geöffnet hatte, geworden ist.
Wer nicht nur schaut, sondern auch reingeht, findet sich in einer Mischung aus Pausenraum und Turnhalle wieder. Aus einer holzverkleideten Retro-Stereoanlage kommt leise Popmusik, an der hellblauen Decke hängt ein Lampenschirm, der aus mehreren Schreibtischlampen zusammengebastelt ist. Ein Student korrigiert auf der zerkratzten Schulbank seine Hausarbeit. Auf einem Regalbrett liegt ein iPad zum Zeitunglesen und das Magazin Muh.
Auf nicht einmal 15 Quadratmetern haben nur zwei Bänke Platz, eine dritte steht im Schaufenster. Man sitzt auf knarzenden Schulstühlen oder auf einer Bank aus Sprungkästen mit Medizinbällen als Armstützen. Zum Glück riecht es nicht nach Turnhalle. Es riecht nach Kaffee, nach Orangen, nach frischen Waffeln. Und all das kommt aus einer Durchreiche, die aussieht wie der Pausenverkauf vom Schulhausmeister.
Impressionen aus der Großen Pause Zurück in die Penne
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Es gibt aber keine Breznstangen, Wurstsemmeln oder Schokomilch, dafür Gugelhupf und frisch gebackene Waffeln. Dazu trinkt man Kaffee (zum Beispiel Cappuccino für 2,40 Euro) oder einen frisch gepressten Saft, den man selbst zusammenstellen kann. Die Preise sind auf Schiefertafeln, Papierschiffchen und Karteikarten geschrieben, so tadellos, dass der Schreiber mindestens eine Zwei in Schönschrift verdient hätte.
Die meisten Kunden holen sich nur schnell ein Pausenbrot aus dem Kühlregal, die leeren Plätze im Regal werden ständig aufgefüllt. Es gibt Kartoffelsalat mit Bio-Fleischpflanzerl, Salat mit Granatapfel und Ziegenkäse und Lunchpakete aus Vollkornbrot mit Hüttenkäse und Knabbergemüse. Wer lieber etwas Warmes mag, hat zwei Tagesgerichte zur Auswahl (zum Beispiel Karottensuppe für 3,20 Euro). Für den Nachtisch kann man sich Milchreis oder Grießbrei einpacken.
Obst, Gemüse und viele Milchprodukte seien bio, sagt Eileen hinter der Durchreiche, Bergsalami und Almkäse kämen aus der Region. Die Sandwiches und Lunchpakete sind in Recyclingpapier gewickelt und mit Paketschnur zusammengebunden. Sogar die Strohhalme sind biologisch abbaubar. Im Sommer wird das der ideale Proviant für einen Tag an der Isar oder am Gärtnerplatz. Und die "Große Pause" eine Konkurrenz für den Kiosk an der Reichenbachbrücke.