Der amerikanische Bestseller-Autor Bret Easton Ellis liest aus seinem neuen Roman "Lunar Park".
Er sieht sich verblüffend ähnlich: der Schriftsteller Bret Easton Ellis, der in seinem neuen Roman "Lunar Park" über den Schriftsteller Bret Easton Ellis schreibt. Er kommt in dunkelblauem Anzug und Lederslippern, am gestreiften Hemd zwei Knöpfe offen, mit rosigem Teint und diesem verhangenen Blick, halb amüsiert, halb traurig, und er hat eine rote Tüte Salzstangen dabei. Er fläzt sich auf seinen Platz, gerade so, als wäre es wie in seinem Buch, wo dieser andere Bret so voller Heroin ist, dass er huckepack aus den Limousinen an die Lesepulte getragen werden muss, und eine Angestellte schnippt ihm mit den Fingern vorm Gesicht herum, falls er beim Runternuscheln seiner Texte mal wieder ohnmächtig wird.
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Nicht so der echte Ellis. Der ist höchstens voll auf Hustenbonbons, die er geräuschvoll lutscht, wenn er nicht gerade verstohlen an einer Salzstange knabbert. Auch einige seiner annähernd 800 Fans im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität haben sich versorgt - mit reingeschmuggelten Bierflaschen.
So liest der 42-Jährige dann in einem sanft dahinknarzenden fesselnden Singsang. Schauspieler Christian Ulmen übernimmt die deutsche Übersetzung. Es geht vor allem um das beste, das erste Kapitel von "Lunar Park", in dem Ellis die Folgen des Erfolgs mit Büchern wie "Unter Null" und "American Psycho" schildert: die Millionenhonorare, die Exzesse, das Schreiben im achtwöchigen Crystal-Methedrin-Delirium. Seine brutalen und pornographischen Geschichten über wohlhabende, gefühlskalte, junge Schnösel, die sich mit Drogen und Sex vergeblich über ihr sinnloses Leben hinwegtrösten wollen, haben Ellis berühmt gemacht. Man kann darin auch Gesellschaftskritik sehen.
Aber der Autor selbst muss beim Vortrag der bizarrsten Übertreibungen schmunzeln. Wenn er großen Beifall kriegt, winkt er bescheiden ab. Und auf eine komplizierte Frage von Moderator Christoph Koch nach dem Urgrund seiner Arbeit gibt Ellis die wahrscheinlich ehrlichste Antwort des Abends: "Weil's Spaß macht." Über Realität und Fiktion erzählt er so lässig, charmant und gut gelaunt, als hätte er das nicht alles schon zig Mal gesagt: "Ich habe einen Ferrari geschrottet - aber ich war dabei nicht nackt." "Der Bret im Buch ähnelt meinem Vater." "Ich habe über eine Besprechung von Stephen King geweint - aber ich war total betrunken und unter Medikamenten."
Am Ende signiert er geduldig, plaudert höflich mit den Fans. Und über allem leuchtet grünlich ein Schild, auf dem steht, anders als im berühmten Schluss-Satz von "American Psycho": Ausgang.
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