Brandverletzungen Achtung, heiß!

Beim "Tag des brandverletzten Kindes" lernen Buben und Mädchen im Schwabinger Klinikum, spielerisch mit gefährlichen Situationen umzugehen. Hilfreiche Tipps gibt's auch für Eltern

Von Julian Raff, Schwabing

Gut, dass die frisch geschminkten "Brandwunden" aus Gelatine und Wasserfarben gleich nebenan gereinigt und verbunden werden. Schockmomente wären garantiert, wenn die Kinder die täuschend echt und eklig aussehenden Verletzungen als Trophäe heimbringen dürften, von ihrem Besuch in der Kinderchirurgie des Schwabinger Klinikums. Die Abteilung ist, als eines von 19 Behandlungszentren in Deutschland, auf Brandverletzungen bei Kindern spezialisiert und behandelt Patienten aus ganz Süddeutschland, oft auch aus Österreich und der Schweiz. In Zusammenarbeit mit der Hilfsinitiative "Paulinchen e.V." organisiert das Klinikum auch heuer einen lehrreichen Vormittag für Kinder und Erziehende rund um die Versorgung von Brandverletzungen, vor allem aber zur Vorbeugung.

Den deutschlandweiten Rahmen setzt der nicht zufällig in die Adventszeit gelegte "Tag des brandverletzten Kindes" - klingt makaber und soll es auch, um dem Präventionsappell an die Erwachsenen Nachdruck zu verleihen. Dass Brandverletzungen "fies doll weh tun" und zum schmerzhaftesten gehören, was einem zustoßen kann, vermitteln den fünf bis sechsjährigen Besuchern aus fünf Münchner Kindergärten und Grundschulen auch die Notfallprofis vom Klinikum - ohne Angst zu machen, aber immer wieder behutsam eingestreut in einen vom Transport bis zur Nachsorge nachgespielten "Notfall".

Keine Angst: Spielerisch erfahren die kleinen Besucher aus dem Kindergarten der Dankeskirche, wie die Ärzte Brandverletzungen behandeln. Und außerdem lernen sie, wie man sich vor heißen Gegenständen schützt.

(Foto: Stefanie Preuin)

Den Anfang macht Robert Hörmann, Sanitäter der Münchner Berufsfeuerwehr, der zur Begrüßung einer 21-köpfigen Kindergartengruppe aus Milbertshofen das Einsatzfahrzeug zeigt. Als "Patientin" mit einer angenommenen flächigen Verbrühung am Oberkörper wird anschließend die fünfjährige Carla auf der Spezialliege, unter einem sterilen Abdecktuch, in die Notaufnahme gebracht. Dort übernimmt "Doktor" Kai Breuling das Aufnahmegespräch mit der besorgten Mutter, gespielt von Erzieherin Jana Mißbach. Eine "Wunde" an Fingerspitzen, Handrücken oder Unterarm bekommen die Kinder auf Wunsch von den Stationsschwestern, als "Schmerzmittel" dazu gibt es Gummibärchen - verbunden mit dem Hinweis, dass die im Ernstfall wenig ausrichten dürften. Das anschließende Verbinden ersetzt natürlich keinen Erste-Hilfe-Kurs, führt aber an die Materie heran. Noch mehr Neugier kann eigentlich nur medizinisches High-Tech wecken. Entsprechend groß ist der Andrang bei Anästhesieschwester Sabine Lubner-Langener, die mit dem "Fingerhut" ihres Pulsoxymeters Herzschlag und Sauerstoffsättigung misst.

Nachdem sie beim Nachsorgeteam Kompressionsverbände und Bewegungsübungen an- und ausprobieren konnten, erfahren die Kinder von Carsten Krohn, Leiter der Kinderchirurgie, was sie in Sachen Vorbeugung nicht nur sich selbst dringend hinter die Ohren schreiben sollten, sondern vor allem ihren Eltern: Heiße Töpfe gehören auf die hintere Herdplatte, ein Schutzgitter möglichst an die Vorderseite des Kochfelds. Ein voller Wasserkocher auf der Tischkante, mit herunter hängendem Kabel zum Ziehen, ist eine böse Falle. Dass ein Fettbrand in der Pfanne mit Deckeln, Brettern oder notfalls Kleidungsstücken erstickt, auf keinen Fall aber mit Wasser gelöscht werden kann (Explosionsgefahr!), darf man auch Eltern lieber einmal zu oft einschärfen, damit sie im Notfall spontan richtig reagieren.

So geht's: Sanitäter bringen die fünf Jahre alte Carla probeweise zur Behandlung in die Klinik, die anderen Kinder dürfen die Stationen miterleben.

(Foto: Stefanie Preuin)

Einen anderen Fehler machen Erwachsene dagegen wirklich oft aus Unwissenheit: Inhalieren über dem offenen Heißwassertopf bringt erkälteten Schleimhäuten wenig, dem ganzen Körper aber akute Verbrühungsgefahr bei einer falschen Bewegung. Wenn es denn schon heißer Dampf sein muss, dann bitte aus dem Inhalator, rät Carsten Krohn dringend.