Brandgefährlich "Opa-Räuber" hat neunmal zugeschlagen

Zum Überfall fuhr der Serientäter mit dem Rad. "Opa-Räuber" und erbeutete in München 30 000 Euro.

Von Bernd Kastner

Die Polizei hat den Unbekannten ,,Schießer'' genannt, für die Medien war er nur der ,,Opa-Räuber'', womit sie ins Schwarze getroffen haben, sagt Hans Urban, Leiter des Raub-Kommissariats im Polizeipräsidium: ,,Er ist ein alter Mann.''

"Opa-Räuber" hat neunmal zugeschlagen

(Foto: Foto: Polizei)

Die Rede ist von jenem Serientäter, der von 2004 bis 2006 in München neun Überfälle verübt hat. Vier Banken, fünf Supermärkte, knapp 30 000 Euro Beute.

Im Januar wurde er im Südtiroler Eppan festgenommen, am Dienstag haben ihn die Münchner Ermittler in Mailand abgeholt, am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Es war sein 67. Geburtstag.

Dann hat der Opa-Räuber ausgiebig geplaudert. In der Baustoffbranche war er früher tätig, zuletzt in einer Firma unweit von Fürstenfeldbruck. Seit gut zehn Jahren lebte er mit seiner Freundin in den Südtiroler Bergen, unauffällig, bescheiden, unbescholten.

Wären da nicht die Geldsorgen gewesen, denn der Mann ist mit seinen 1100 Euro Rente nicht ausgekommen, hat sich verschuldet, wenn am Auto mal was zu richten war. Irgendwann kam er auf die Idee, die Löcher mit Hilfe seines Revolvers zu stopfen.

,,Er wusste keinen anderen Ausweg'', sagt Urban. Die Waffe besaß er, ganz legal, seit 1970, da hatte er noch in Bochum gelebt. Ursprünglich stammt er aus dem heutigen Polen, und zu München hat er eigentlich keinen besonderen Bezug. Er wollte seine Rente in einer großen, anonymen Stadt aufbessern, weit weg von zu Hause.

Also hat er sein Fahrrad in seinen alten Benz geladen und ist im September 2004 das erste Mal gen Norden gefahren, hat sein Ziel, einen Supermarkt in der Aidenbachstraße, ausspioniert, dann im Auto übernachtet und am nächsten Tag zugeschlagen.

Nervös nur beim ersten Mal

Urban sagt, das Verhalten des Räubers erinnere ihn an Männer beim Rendezvous: Nervös beim ersten Mal, später gelassen. Aufgeregt hat er in die Decke geschossen.

Dreimal ist das so gegangen, und das dürfte ihn vor Gericht teuer zu stehen kommen, sagt Urban. ,,Er war brandgefährlich aufgrund seiner Nervosität und Aggressivität.'' An die zehn Jahre Gefängnis dürfte das geben.

Seine Objekte hat er sich zufällig ausgesucht, und wenn er gemerkt hat, dass es gut geht, ist er wiedergekommen. Die Sparkassen-Filiale in der Fürstenrieder Straße hat er gleich dreimal besucht. Fingerabdrücke hat die Polizei nie gefunden, was aber weniger an der Raffinesse des Täters lag.

Handschuhe trug er bloß, weil es ihm sonst zu kalt gewesen wäre auf seiner Radtour zum Tatort. War er am Anfang noch teilmaskiert, war er sich gegen Ende so sicher, dass er ganz unverhüllt nach Geld verlangte. Das wurde ihm schließlich zum Verhängnis: Ein Fernsehzuschauer aus Südtirol erkannte ihn bei ,,XY''.

Als er diese Woche nach München kam, erzählt Urban, war seine erste Frage: Was muss ich fürs Essen bezahlen? Das liegt daran, dass die Gefangenen in Italien ihre Mahlzeiten bezahlen müssten, und wer kein Geld hat, bekomme nur Wasser und Brot. ,,Fast froh'' war er da, sagt Urban, dass er nach München durfte.