BR-Produktion Neue These zum Oktoberfest-Attentat

13 Menschen starben, als 1980 auf dem Oktoberfest eine Bombe explodierte. Bis heute wird diskutiert, wer alles hinter dem Attentat steckt. Der Bayerische Rundfunk dreht nun einen Spielfilm - und der spekuliert über die wahren Schuldigen.

Von Peter Fahrenholz

Helfer bergen nach dem Anschlag im Jahr 1980 eine Leiche. Bis heute gibt es Spekulationen darüber, wer alles hinter dem Attentat steckte.

(Foto: Leonhardt/dpa)

Reporter sind normalerweise auf der Suche nach interessanten Geschichten. Dass ein Reporter selber zum Gegenstand einer Geschichte wird, ist hingegen eher selten. Und wenn daraus sogar ein Spielfilm mit Starbesetzung entsteht, muss es sich schon um eine sehr besondere Geschichte handeln. Bei Ulrich Chaussy, Reporter des Bayerischen Rundfunks (BR), ist das der Fall. Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich Chaussy immer wieder mit einem Thema, es ist quasi zu seiner Lebensaufgabe geworden: das Oktoberfestattentat von 1980.

Jetzt macht der BR einen Spielfilm aus dem Thema, "Oktoberfest, das Attentat", und Chaussy ist darin die Hauptfigur: Ein hartnäckiger Reporter, der in all den Jahren nicht lockergelassen hat, um Licht in die Hintergründe des schwersten deutschen Terroranschlags zu bringen. Denn von Anfang an hat es Zweifel daran gegeben, ob es wirklich der damals 21-jährige Student Gundolf Köhler allein gewesen ist, der mit einer selbst gebastelten Bombe am 26. September 1980 am Haupteingang des Oktoberfestes 13 Menschen in den Tod gerissen und 211 weitere zum Teil schwer verletzt hat.

Zeugenaussagen, die die These vom Einzeltäter erschütterten, blieben damals unbeachtet, wichtige Spuren sind für immer verloren. Denn die Asservate zu dem Fall wurden auf Anweisung der Bundesanwaltschaft 1997 vernichtet, sodass es nicht mehr möglich ist, mithilfe neuer technischer Möglichkeiten wie der DNA-Analyse neue Hinweise zu finden.

Dass der BR mit dem Film, dessen Dreharbeiten vor wenigen Tagen begonnen haben, einen Knüller landen könnte, liegt zum einen an der politischen Konstellation. In den alten Fall ist wieder Bewegung gekommen, nicht nur Hinterbliebene der Opfer, auch Politiker fordern, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.

Erst vor wenigen Tagen hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) 1200 Unterschriften entgegengenommen. Die Unterzeichner wollen, dass der Fall neu aufgerollt wird. Nahrung erhält diese Forderung durch die aktuelle Diskussion um die zahlreichen Ermittlungspannen bei den NSU-Morden. Hat möglicherweise auch hinter dem Oktoberfestattentat von 1980 ein rechtsextremes Netzwerk gesteckt, das - sei es aus Schlamperei oder Vorsatz - nie ermittelt wurde?

Die drei Hauptdarsteller Benno Fürmann, Nicolette Krebitz und Heiner Lauterbach (von links).

(Foto: Robert Haas)

Film mit Starbesetzung

Aber auch der Film selbst dürfte für hohe Einschaltquoten sorgen. Denn Regisseur Daniel Harrich ist es gelungen, eine äußerst attraktive Besetzung zu rekrutieren. Ulrich Chaussy wird von Benno Fürmann gespielt, seine Frau Ilse Chaussy von Nicolette Krebitz. Die beiden Münchner "Tatort"-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl spielen ebenso mit wie Heiner Lauterbach.

Der eigentliche Antagonist des Reporters in dem Film ist aber nicht der damalige Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, gespielt von Nemec. In die Rolle des zwielichtigen Unsympathen muss Lauterbach schlüpfen. Er spielt den schillernden ehemaligen BND-Agenten Hans Langemann, der in den 70er Jahren in den bayerischen Staatsdienst wechselte und zum Leiter der Staatsschutzabteilung im bayerischen Innenministerium avancierte. Die "Affäre Langemann" um den Verrat von BND-Interna war 1982 Gegenstand eines spektakulären Untersuchungsausschusses des Landtags, Langemann wurde 1984 zu einer Bewährungsstrafe wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen verurteilt.

Dass er selber zur Filmfigur wird, empfindet Chaussy als aufregenden Rollentausch, Regisseur Harrich verspricht einen Film, der sich an die Fakten halten wird. Aber es wird eben ein Spielfilm werden - und ein Spielfilm handelt nicht nur Fakten ab, er kann auch Thesen in den Raum stellen, Indizien herausarbeiten und auf den Zuschauer wirken lassen. "Oktoberfest, das Attentat" wird eine These über die wahren Schuldigen haben, doch die mag Regisseur Harrich natürlich noch nicht verraten. Da müsse man bis zum Herbst 2013 warten. Dann wird der Film ausgestrahlt.