Rechte Verbindungen "Über die AfD gehen rechte Burschenschafter den Marsch durch die Institutionen an"

Burschenschafter bei einer Gedenkfeier zu Ehren der Kriegstoten am Volkstrauertag im Hofgarten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Welche Rolle spielt die Münchner Verbindung Danubia im rechten Lager? Und was macht sie gefährlich? Ein Gespräch mit dem ehemaligen Burschenschafter Christian Becker.

Interview von Sebastian Krass

Christian Becker war selbst Burschenschafter, bei den Raczeks in Bonn. Seit Juli 2012 betreibt er mit einigen Mitstreitern den Blog "Burschenschafter packt aus", in dem er über rechte Umtriebe in der Szene berichtet. Im Jahr 2012 wurde er von den Raczeks ausgeschlossen.

SZ: Wie ist die Danubia in der bundesweiten Burschenschaftsszene einzuordnen?

Christian Becker: Die Szene ist sehr unterschiedlich: Es gibt wenige liberale Bünde, die eher auf SPD-Linie sind. Und es gibt viele konservative auf AfD- und CSU-Linie, aber auch immer mehr Bünde am äußersten rechten Rand. Und von denen einige, die sehr aktiv sind. Dazu zählt die Danubia.

Wie sieht die Szene in München aus?

In Deutschland ist es die Stadt mit den meisten aktiven Burschenschaften, ansonsten ist die Größe der Münchner Szene allenfalls noch vergleichbar mit Wien. Politisch fällt München auf durch sehr rechte Burschenschaften wie die Danubia, aber auch die Cimbria. Und es gibt konservative Bünde wie die Franco-Bavaria, bei der der CSU-Politiker Peter Ramsauer Mitglied ist, und die Arminia-Rhenania mit Ramsauers Parteifreund Hans-Peter Uhl in ihren Reihen. Offiziell grenzen die sich ab von der Danubia. Aber bei einem Ereignis wie dem Münchner Burschenschafterball 2014 tanzen doch alle auf demselben Parkett.

Was macht die Danubia aus Ihrer Sicht gefährlich?

Sie versucht, die rechte Szene zu verbinden. Bei Veranstaltungsreihen wie den "Bogenhauser Gesprächen" sind diverse Vertreter der Neuen Rechten aufgetreten. Solche Veranstaltungen richten sich an schlipstragende Akademiker. Aber es gab bei der Danubia auch den Kameradschafter Pierre P.: Er wurde von der Danubia erst rausgeworfen, nachdem er im Verfassungsschutzbericht erwähnt worden war. Er ist inzwischen bei der Partei "Der Dritte Weg" aktiv und gilt für die Staatsregierung als Führungskader der rechtsextremistischen Szene in Bayern.

Der Verfassungsschutz schreibt ja von etwa zehn aktiven Mitgliedern. Läuft man Gefahr, die Bedeutung der Danubia zu überschätzen?

Es ist nicht nur die Aktivitas. Dahinter steckt die viel größere Gruppe der Alten Herren. Und es kommt darauf an, wie man Gefährlichkeit definiert. In Österreich hat eine Handvoll Burschenschafter die FPÖ geprägt. Jörg Haider war in einer Burschenschaft. Heinz-Christian Strache ist Alter Herr einer deutschnationalen Schüler-Burschenschaft. Man sieht, wie weit es die FPÖ inzwischen geschafft hat.

Aber Haider und Strache, das sind ja Typen mit mehr Strahlkraft, als sie Vertreter der Danubia bisher entwickelt haben.

Das mag sein. Aber über die AfD gehen rechte Burschenschafter den Marsch durch die Institutionen an, und sie haben erste Erfolge. Der Danube Alexander Wolf sitzt in der Hamburger Bürgerschaft. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD in Brandenburg, Andreas Kalbitz, ist bei der Münchner Schüler-Burschenschaft Saxonia-Czernowitz, die einen Treffpunkt im Haus der Danubia hat. Auch in anderen Ländern haben es Mitglieder extrem rechter Burschenschaften über die AfD in die Parlamente geschafft. Es ist eine Frage der Zeit, bis welche im Bundestag sitzen.

Es ist immer viel die Rede von Burschenschaften. Aber die Szene der Studentenverbindungen ist viel breiter. Es gibt Korps, Sängerschaften, Landsmannschaften. Sind die auch politisch auffällig?

Strukturell rechte Studentenverbindungen sind in Deutschland in aller Regel Burschenschaften. In anderen Verbindungen gibt es immer mal einzelne rechte Mitglieder. Ein aktuell prominentes Beispiel ist der AfD-Europaabgeordnete und Lebensgefährte von Frauke Petry, Marcus Pretzell. Er ist Mitglied in einem Corps in Heidelberg.

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