Bistum Die Kirche ist arm, wenn sie nichts aus ihrem Reichtum macht

Das Erzbistum München-Freising hat Transparenz in seine Finanzen gebracht.

(Foto: dpa/Peljak/Laber)

Das Erzbistum München-Freising hat seinen Besitz offengelegt: fast sechs Milliarden Euro. Ist das reich? Ja und nein.

Kommentar von Matthias Drobinski

Die sind so reich! Haben Schätze und Ländereien, kriegen Erbschaften, und der Staat zieht für sie auch noch die Kirchensteuer ein. Die Rede über die Kirchen und das Geld hat immer etwas Raunendes. Die Kirchen, die katholische zumal, haben daran ihren Anteil: Viele Jahre haben die Bistümer in Deutschland wenig Interesse daran gehabt, Auskunft über ihren wirklichen Besitz zu geben. Erst als der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbarte, wie viel Vertrauen dieses Verhalten kostete, setzte das Umdenken ein.

Das Erzbistum München-Freising hat nun, nach drei Jahren Arbeit, Transparenz in seine Finanzen gebracht, hat Haben und Soll nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches ermittelt - und siehe da: Die Münchner sind, wenn man alles zusammenzählt, mit fast sechs Milliarden Euro an Immobilien- und Anlagebesitz die Reichsten in Deutschland, noch vor den Paderbornern und den Kölnern; sie können jetzt mit den Schwestern und Brüdern in Chicago wetteifern, wer nun im reichsten Bistum der Welt in die Kirche geht.

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Sechs Milliarden Euro. Ist das reich? Ja, es ist reich, sehr, sehr reich, wenn man sieht, mit wie wenig Geld die Kirche in anderen Teilen der Welt lebt. Es ist auch sehr reich, wenn man an jene Hartz-IV-Bezieher denkt, die von Euro zu Euro rechnen, um über den Monat zu kommen.

Es ist schon nicht mehr so reich, wenn man bedenkt, dass dieses Erzbistum 15.000 Mitarbeiter hat, die Anspruch auf ordentliche Bezahlung haben, viele von ihnen auch auf eine Pension aus kirchlichen Rücklagen. Es ist schließlich nur begrenzt reich, wenn man dorthin schaut, wo der wirkliche Reichtum wohnt: August von Fink Junior besitzt angeblich 7 Milliarden Euro. Auf der Forbes-Liste der reichsten Deutschen kommt er damit auf Platz 14.

Im Grunde sind die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer, die nun nach und nach auch ihr Vermögen veröffentlichen, wie ihre Mitglieder: wohlhabend, gut abgesichert, damit auch in schlechten Zeiten nichts passieren kann. Das ist nicht unmoralisch, wie überhaupt die neue Finanzarchitektur des Erzbistums für einen offenen und anständigen Umgang mit dem anvertrauten Geld spricht. Es gibt drei Stiftungen für klar benannte kirchliche Aufgaben; wer Geld ausgibt, darf es sich nicht selbst genehmigen - das klingt gut, klar, nachvollziehbar. So gesehen haben die Münchner einen guten Job gemacht.

Wenn da nicht dieser Papst mit seiner armen Kirche wäre

Wenn da nicht die Sache mit diesem Jesus wäre, dem das Geld egal war. Wenn da nicht dieser Papst Franziskus wäre, der sich eine arme Kirche an der Seite der Armen wünscht - und dessen Berater Kardinal Reinhard Marx aus dem Sechs-Milliarden-Euro-Erzbistum München ist.

Der Reichtum des Erzbistums ist auch der Reichtum einer der wohlhabendsten Regionen dieser Welt, einer Welt der Kriege, Flüchtlinge und Nöte. Das muss die Kirchenleute jeden Tag jucken wie ein alter Wollpullover: Was macht ihr mit dem Besitz, der euch da anvertraut ist? Was gebt ihr davon den Armen, den Flüchtlingen, den Kindern in Not? Welche Häuser stehen auf Euren Grundstücken, wer wohnt da, welche Mieten nehmt ihr? Wo legt ihr euer Geld an, wohin fließen die Gewinne, welche Formen des Wirtschaftens unterstützt ihr?

Und kann es wirklich sein, dass die verschuldeten Bundesländer immer noch Ausgleichszahlungen für Enteignungen von vor 200 Jahren zahlen - oder sollte da nicht endlich ein fairer Kompromiss gefunden werden, um diese Zahlungen abzulösen?

Eine Kirche, die nur um den Selbsterhalt kreist, wird krank, hat Papst Franziskus gesagt. Erst recht eine Kirche, deren Finanzpolitik allein der Sicherung und der Vermehrung des Vermögens dient. Daran wird sich messen, ob der Reichtum des Erzbistums angemessen ist oder nicht.

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