Bildung Lehrer dringend gesucht

Die Lehrer Peter Stengel und Michaela Rieger werben um neue Kollegen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Stadt will mit einer Werbeaktion Nachwuchs an die Berufsschulen locken

Von Melanie Staudinger

Die Stadt München sucht händeringend nach Lehrern für ihre beruflichen Schulen. Alleine für das kommende Schuljahr, das im September beginnt, fehlen noch mindestens 100 Pädagogen. Vor allem in den Bereichen Elektro-, Metall-, Bau- und Informationstechnik sowie Wirtschaftspädagogik, Sozialpädagogik, Gesundheits- und Pflegewissenschaft und Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft mangelt es an Nachwuchs, wie Stadtschulrat Rainer Schweppe (SPD) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag mitteilt. Das Bildungsreferat hat nun eine große Werbeaktion unter dem Titel "Mach Albert zu Einstein" gestartet, die die Münchner Respublica Agentur für Kommunikation entwickelt hat. Mit einer Internetseite (www.lehrer-in-muenchen.de), Flyern, Velo-Caps, Traubenzucker und Textmarkern soll Personal gewonnen und das Image der beruflichen Schulen aufpoliert werden, sagt Projektleiter Klaus Höfler.

Der Mangel an Berufsschullehrern trifft die Stadt besonders hart. 83 der 88 öffentlichen beruflichen Schulen sind in ihrer Trägerschaft, darunter 35 Berufsschulen, acht Berufsfachschulen, 29 Fach-, Meister- und Technikerschulen, vier Fachakademien, zwei Wirtschaftsschulen, drei Fachoberschulen (FOS) und zwei Berufsoberschulen (BOS). An diesen Einrichtungen unterrichten 2500 Lehrer 48 500 Schüler. Bis 2030, so schätzt Schweppe, werden 1500 zusätzliche Pädagogen benötigt. Der Bedarf ist mehreren Faktoren geschuldet. Zum einen wächst München. In den kommenden 14 Jahren rechnet die Stadt mit 9000 Schülern mehr an den beruflichen Schulen. Gleichzeitig will die Stadt die Schüler besser fördern. 5,7 Millionen Euro stehen für die kommenden drei Jahre zur Verfügung - nur das Personal muss noch eingestellt werden.

Problematisch ist laut Schweppe zudem der relativ hohe Altersdurchschnitt der Lehrer, der bei fast 48 Jahren liegt. Fast jeder zweite Pädagoge ist zwischen 51 und 65 Jahre alt: "In den nächsten Jahren ist mit einer Pensionierungswelle zu rechnen." Schon jetzt könnten 30 Prozent aller Stellen nicht mehr mit passgenau qualifizierten Lehrern besetzt werden. Daher wirbt die Stadt um Quereinsteiger wie Gymnasiallehrer. Vom Verdienst her unterscheiden sich die Jobs nicht, sagt Schweppe. Ein verheirateter Oberstudienrat mit zwei Kindern und drei Jahren Berufserfahrung verdient gut 45 500 Euro netto im Jahr.

Dass es nicht nur der gute Verdienst ist, der den Job attraktiv macht, erzählen Michaela Rieger, Lehrerin an der Anita-Augspurg-BOS, und Peter Stengel, stellvertretender Schulleiter an der Städtischen Berufsschule für Fertigungstechnik. "Das Besondere ist, das man an der BOS auf Augenhöhe unterrichtet. Die Schüler sind erwachsen, der Umgang ändert sich", sagt Rieger. Stengel gefällt, dass er die Entwicklung der Schüler miterleben kann: "Die kommen als 15-jährige Mädchen und Jungen und gehen drei Jahre später als Fachkräfte."